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Politik Özdemir-Kandidatur: Bei den Grünen wird es spannend
Nachrichten Politik Özdemir-Kandidatur: Bei den Grünen wird es spannend
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13:56 08.09.2019
Der frühere Grünen-Chef Cem Özdemir (Archivfoto). Quelle: Felix Kästle/dpa
Berlin

Bei den Grünen sind sie jetzt doch alle ziemlich aus dem Häuschen. Die neueste Nachricht sei „überraschend“, heißt es aus der Bundestagsfraktion, und dass man das „erst mal sortieren“ müsse. Die Nachricht lautet, dass die amtierenden Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter bei der Neuwahl des Fraktionsvorstandes am 24. September zwei Gegenkandidaten bekommen werden – den sehr bekannten ehemaligen Parteivorsitzenden Cem Özdemir, der dem realpolitischen Flügel angehört, und die bis dato nahezu unbekannte Parteilinke Kirsten Kappert-Gonther aus Bremen, die erst 2017 in den Bundestag einzog.

Beide warfen am Samstagabend mit einem Bewerbungsschreiben ihre Hüte in den Ring – als Duo. Manche Grüne nennen das „chancenlos“, andere schließen eine neue „Dynamik“ nicht aus.

Harmonie bei der Klausurtagung in Weimar

Zuletzt hatte in der Ökopartei alles noch sehr harmonisch ausgesehen. Erst am Freitag ging in Weimar die Klausurtagung der 67-köpfigen Fraktion zu Ende. Göring-Eckardt und Hofreiter beschlossen die Klausur mit einer Pressekonferenz, bei der sie auf die gute Stimmung in den eigenen Reihen verwiesen sowie auf die Konzepte, die dort erarbeitet würden.

Hinter den Kulissen konnte man auch andere Stimmen hören. Kritiker sagen, es gebe zu wenig Führung. Sei die Führung unter Renate Künast und Jürgen Trittin einst zu straff gewesen, sei nun das Gegenteil der Fall. Über die äußerst erfahrene Realpolitikerin Göring-Eckardt, die stets souverän wirkt, heißt es gelegentlich, dass sie inhaltlich zu selten für etwas kämpfe. Dem Linken Hofreiter werden seine rhetorischen Grenzen zur Last gelegt. Unzufriedene verweisen auf die Parteivorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck, die neuen Schwung gebracht hätten. Motto: Das wollen wir auch.

Bei der letzten Fraktionsvorstandswahl bekamen Göring-Eckardt und Hofreiter nur zwei Drittel der Stimmen – und das ohne Gegenkandidaten. Unterstützer sagen freilich: „Sie sind zuverlässig und persönlich integer. Und man weiß, was man hat. Das ist ja auch schon was.“

Grünen-Chef Robert Habeck war zu Gast beim „RND Berliner Salon“. Hier die Bilder der Veranstaltung.

Bei Özdemir verhält es sich mit der Bewertung zuweilen umgekehrt. Er gilt als rhetorisch versiert. Zudem hat der 53-Jährige den Grünen zehn Jahre lang vorgesessen und dabei jene Öffnung zur Mitte betrieben, die heute Früchte trägt. Özdemirs Gegner sagen aber: „Ein Teamplayer ist er nicht.“ Überdies habe er ja selbst auf eine weitere Kandidatur für den Parteivorsitz verzichtet. Ein prominenter Grüner spricht von Tragik.

Özdemir suchte eine Frau vom linken Flügel, um mit ihr gemeinsam das amtierende Spitzenduo herauszufordern – anfangs erfolglos. Dem Vernehmen nach haben Agnieszka Brugger und Katharina Dröge ihm einen Korb gegeben. Kappert-Gonther ebnet Özdemir nun den Weg. Die 52-Jährige ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und in der Fraktion Sprecherin für Drogenpolitik und Gesundheitsförderung. Sie gilt als fachlich versiert und freundlich. Neuerdings muss Kappert-Gonther auch als mutig gelten. Ihre Kandidatur war selbst mit dem linken Fraktionsflügel nicht abgesprochen.

„Wir sind überzeugt davon, dass ein fairer Wettbewerb der Fraktion guttut – nach außen wie nach innen“, schrieben Özdemir und Kappert-Gonther am Samstag in ihrer Bewerbung. Bis zur Bundestagswahl gehe es darum, „mit neuem Schwung der Gegenpol einer schwachen Regierung zu sein“. Die beiden stellen schließlich klar, dass sie für den nächsten Bundestagswahlkampf keine Spitzenkandidatur anstreben. Dafür gelten Baerbock und Habeck als gesetzt.

Auswahl ist immer gut.

Katrin Göring-Eckardt, ;Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion

Göring-Eckardt erwiderte am Sonntag: „Auswahl ist immer gut.“ Sie führe die Fraktion mit Hofreiter „aus der Mitte heraus“ und wolle das „gern fortsetzen“. Hofreiter erklärte: „Demokratie lebt und profitiert von unterschiedlichen Angeboten und der Möglichkeit zur Auswahl.“ Er betonte die Bedeutung von „Zusammenhalt“ und „Ausgleich“. Darauf komme es auch künftig an.

Am 24. September wird zunächst der Frauenplatz vergeben. Es messen sich also Göring-Eckardt und Kappert-Gonther. Anschließend dürfte es zum Duell Hofreiter gegen Özdemir kommen. Der Ausgang gilt als offen – wenn auch vielleicht nicht ganz.

Von Markus Decker/RND

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