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Politik Lori Lightfoot regiert als erste schwarze Frau Chicago
Nachrichten Politik Lori Lightfoot regiert als erste schwarze Frau Chicago
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12:40 03.04.2019
Die neue Bürgermeisterin Chicagos, Lori Lightfoot, jubelt auf ihrer Wahlparty.
Die neue Bürgermeisterin Chicagos, Lori Lightfoot, jubelt auf ihrer Wahlparty. Quelle: Ashlee Rezin/Chicago Sun-Times/AP/dpa
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Chicago/Washington

Erstmals in der Geschichte der Stadt Chicago ist mit Lori Lightfoot (56) eine Afro-Amerikanerin zur Bürgermeisterin gewählt worden. Die Juristin setzte sich gegen die 72 Jahre alte Toni Preckwinkle durch, wie die fortschreitende Auszählung der Stimmzettel ergab.

„Jetzt, wo es vorbei ist, weiß ich, dass wir zusammen für die Stadt arbeiten werden, die wir beide lieben“, feierte Lightfoot am späten Abend ihren Erfolg. Die Konkurrentin Preckwinkle gratulierte der Siegerin, wie der Sender CNN berichtete.

Rund ein Drittel der 2,6 Millionen Einwohner Chicagos sind Schwarze. Und ungefähr die Hälfte sind Frauen. Doch seit 40 Jahren hatte es keine Frau mehr auf den Bürgermeistersessel der Metropole am Michigan-See geschafft, eine schwarze Frau noch nie.

In Chicago brodelt es

Die neue Bürgermeisterin Lightfood steht vor einer großen Aufgabe. Es brodelt in Chicago: In den sozial schwachen und vor allem von Schwarzen bewohnten Gegenden im Süden und Westen der Stadt ist das gesellschaftliche Gefüge in Unordnung geraten.

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Kriminelle Gangs schrecken vor nichts zurück und greifen eiskalt zur Schusswaffe, wenn es gilt, Kleinkriege um Drogen und Waffen auszufechten. Die Polizei reagiert in der Stadt, in der einst Al Capone den Untergrund regierte, mit roher Gewalt.

Polizeigewalt richtet sich vor allem gegen Schwarze

Das attestierte der Polizei ein Untersuchungsbericht des US-Justizministeriums 2017. Die Gewalt richtet sich vor allem gegen Schwarze, und zum Teil auch mit Willkür. Der Fall des schwarzen Teenagers Laquan McDonald, der 2015 von einem weißen Polizisten hinterrücks erschossen wurde, rüttelte die Stadt durch.

Die Polizei vertuschte die Tat lange, selbst ein öffentlich gemachtes Video, das auf erschreckend eindrucksvolle Weise die Schüsse in den Rücken des Jungen zeigte und monatelange Massenproteste auslöste, führte nicht unmittelbar zur Anklage des Polizisten. Erst im Januar 2019 wurde der Polizist wegen Totschlags zu 6,75 Jahren Haft verurteilt. Drei seiner Kollegen, der Vertuschung beschuldigt, wurden freigesprochen.

Armut und Kriminalität an den Stadträndern

Der Tod des 17 Jahre alten Jungen ist nur das prominenteste Beispiel für die Probleme der Stadt. Aktivisten in Chicago beschuldigen die Stadtspitze um Lightfoots Vorgänger, Ex-Bürgermeister Rahm Emanuel, eine glitzernde Fassade nach außen zu bauen.

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Er zeige Chicago als eine Stadt mit Wolkenkratzern und schönen Art-Deco-Häusern an der Küste des Michigan-Sees, High-Tech-Jobs in den Bürotürmen für die gut Gebildeten und einem Wohlfühl-Image, das Touristen in die „Windy City“ spült.

An den Rändern, mit Armut und Kriminalität, Drogenproblemen und fehlender Bildung, sieht es anders aus. Die Menschen in diesen Vierteln fühlen sich alleine gelassen, vernachlässigt.

Von Elena Butz/RND/dpa