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Politik Mit Eine-Million-Einkommen in der Mittelschicht? – Merz verteidigt sich
Nachrichten Politik Mit Eine-Million-Einkommen in der Mittelschicht? – Merz verteidigt sich
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11:03 18.11.2018
Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz bei der ersten CDU-Regionalkonferenz in Lübeck Quelle: Carsten Rehder/dpa
Berlin

Der Kandidat für den CDU-Vorsitz, Friedrich Merz, hat seine Aussage verteidigt, er zähle sich mit Einkünften in siebenstelliger Höhe zur gehobenen Mittelschicht. In der „Bild am Sonntag“ sagte Merz, angefangen habe er mit einem für eine Familie mit zwei Kindern überschaubaren Einkommen eines Referendars in Saarbrücken. „Heute verdiene ich rund eine Million Euro brutto.“ Am vergangenen Mittwoch hatte Merz bei einem „Bild“-Talk auf die Leserfrage, ob er Millionär sei, geantwortet, er liege jedenfalls nicht darunter und würde sich zur „gehobenen Mittelschicht zählen“.

Für diese Aussage hatte der frühere Unions-Fraktionschef, der unter anderem den Aufsichtsrat der Deutschland-Tochter des US-Investmentriesen Blackrock führt, viel Kritik einstecken müssen. Der „Bild am Sonntag“ sagte er nun, für ihn sei die gesellschaftliche Mitte keine rein ökonomische Größe. „Ich habe von meinen Eltern die Werte mitbekommen, die die Mittelschicht prägen: darunter Fleiß, Disziplin, Anstand, Respekt und das Wissen, dass man der Gesellschaft etwas zurückgibt, wenn man es sich leisten kann.“ Wenn er die Begriffe Oberklasse oder Oberschicht höre, denke er an Menschen, die viel Geld oder eine Firma geerbt hätten und damit ihr Leben genössen. „Das ist bei mir nicht der Fall“, betonte Merz. Er habe die Möglichkeiten, die er in seinem Leben gehabt habe, mit Glück genutzt. Sein Ziel sei, viel mehr Menschen als heute solche Möglichkeiten zu geben. „Ich glaube an eine Politik, die Möglichkeiten schafft, damit Menschen aus eigener Kraft das werden können, was sie werden wollen. Das war immer eine Stärke der CDU als eine Partei der Mitte.“

Gehört Merz wirklich zur „gehobenen Mittelschicht“?Finanziell betrachtet ist diese Geschichte kaum haltbar. Lesen Sie hier, wie sich die Mittelschicht definieren lässt!
 

Emnid-Umfrage sieht Merz im Rennen um CDU-Vorsitz vorne

Merz konkurriert mit CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer, Gesundheitsminister Jens Spahn und einer Reihe weithin unbekannter Kandidaten um den Parteivorsitz in der CDU. Umfragen zufolge deutet ein Zweikampf zwischen Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz an. In einer neuen Emnid-Erhebung im Auftrag der „Bild am Sonntag“ lag Merz unter den befragten Unions-Anhängern mit einer Zustimmung von 49 Prozent deutlich vor Kramp-Karrenbauer, die auf 32 Prozent kam. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn würden demnach nur 7 Prozent ihre Stimme geben.

In einer Umfrage des ARD-Deutschlandtrends unter CDU-Anhängern hatten sich zuletzt allerdings 46 Prozent für Kramp-Karrenbauer, 31 Prozent für Merz und 12 Prozent für Spahn ausgesprochen. Bezieht man bei der Emnid-Befragung die Anhänger aller Parteien mit ein, kommt Merz auf eine Zustimmung von 31 Prozent. Kramp-Karrenbauer (30 Prozent) liegt knapp hinter ihm, Spahn (12 Prozent) ist auch hier abgeschlagen.

Die prominentesten Kandidaten im Rennen um den CDU-Vorsitz bei der ersten Regionalkonferenz in Lübeck: Friedrich Merz (v.l.), Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn Quelle: Axel Heimken/dpa

Spahn fordert Abstimmung über Migrationspakt auf Parteitag

Im Rennen um den CDU-Vorsitz versucht Spahn unterdessen, sich mit inhaltlichen Vorstößen zu profilieren. Der Bundesgesundheitsminister forderte angesichts der Widerstände vieler Länder eine Abstimmung über den UN-Migrationspakt auf dem CDU-Bundesparteitag Anfang Dezember. „Alle Fragen der Bürger gehören auf den Tisch und beantwortet, sonst holt uns das politisch schnell ein. Notfalls unterzeichnen wir eben später“, sagte Spahn der „Bild am Sonntag“. In der Unionsfraktion sei intensiv über den Migrationspakt diskutiert worden. „Das sollten wir genauso offen auf dem CDU-Parteitag tun und das weitere Vorgehen abstimmen.“

Der von den UN-Mitgliedstaaten beschlossene Pakt soll helfen, Flucht und Migration besser zu organisieren und bei einem Gipfeltreffen im Dezember in Marokko angenommen werden. Die USA, Österreich, Ungarn, Australien, Tschechien, Bulgarien und Estland scherten bereits aus. Spahn kritisierte den bisherigen Umgang der Bundesregierung mit dem Pakt: „Weil wir uns der Diskussion nicht aktiv gestellt haben, ist der Eindruck entstanden, wir hätten da etwas zu verheimlichen und dass der Pakt uns schade.“ Intransparenz befördere Misstrauen. 

Lesen Sie hier nach, wie sich die möglichen Merkel-Nachfolger bei der ersten CDU-Regionalkonferenz in Lübeck geschlagen haben.

Spahn sieht noch Chancen und will Kandidatur nicht zurückziehen

Trotz der laut Umfragen schlechten Position im Kampf um den CDU-Vorsitz rechnet sich Spahn nach eigenen Worten aber noch Chancen aus. „Das Rennen hat gerade erst begonnen und ist völlig offen. Ich bin gelassen und habe gute Laune“, sagte er. „Mir wurde schon öfter prophezeit, keine Chance zu haben. Das motiviert mich.“ Er werde seine Kandidatur nicht vor dem Parteitag zurückziehen, versicherte er. Seine Umfragewerte führte Spahn auch auf seine Meinungsstärke zurück: „Ich debattiere gerne, ich stehe für klare Positionen. Das macht nicht immer beliebt.“

Im Falle seiner Wahl zum neuen CDU-Chef wolle er gezielt in AfD-Hochburgen gehen und mit den Anhängern diskutieren. „Wir reden hier im politischen Berlin viel zu oft über die AfD-Wähler statt mit ihnen. Ich möchte stattdessen die offene, unvoreingenommene Diskussion anbieten und sie überzeugen“, sagte er.

Hier finden Sie die Bewerber um den CDU-Vorsitz im Kandidatencheck!

Von RND/dpa/jw