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Politik Kopftuch-Bilder türkischer Frauen entfachen eine Netz-Debatte
Nachrichten Politik Kopftuch-Bilder türkischer Frauen entfachen eine Netz-Debatte
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17:34 30.01.2019
Die Journalistin Büsra Cebeci zeigte ihre #10YearChallenge-Bilder auf Twitter. Quelle: Büsra Cebeci
Berlin

Es fing alles ganz harmlos an: Tausende Menschen posteten in den sozialen Netzwerken private Bilder von sich von 2009 und heute. Mit den Fotos zeigten sie auf Twitter und Instagram ihre persönliche Veränderung in den letzten zehn Jahren. Unter dem Hashtag #10YearChallenge entstand eine weltweite Aktion. Doch einige Bilder sorgten für Aufsehen: Türkische Frauen veröffentlichten Bilder von sich von früher mit Kopftuch – und heute ohne.

Die Journalistin Büsra Cebeci war eine der ersten. Auf dem Bild vor zehn Jahren lacht sie fröhlich in die Kamera. Ihr Haar ist mit einem grauen Kopftuch bedeckt. Zehn Jahre später trägt sie ihre Haare offen und blickt selbstbewusst und verschmitzt in die Selfie-Kamera. Ein Piercing schmückt ihre Nase.

Die Reaktionen im Netz sind überwiegend positiv

Viele Frauen tun es ihr gleich und bekommen in den sozialen Netzwerken vor allem ermunternden Zuspruch – neben anderen kritischen oder beleidigenden Bemerkungen. Eine Frau namens Ruken schreibt unter ihr Foto: „Wir müssen nicht die Identitäten tragen, die unsere Familien und unsere Gesellschaften für uns ausgewählt haben.“

Andere Frauen und auch viele Männer bekräftigen sie in ihrer Meinung: „Ich denke, nach der Lektüre dieser Erklärung, sollte jeder durstig sein und die Schönheit der weiblichen Emanzipation verstehen“, schreibt einer und ein anderer: „Sie sollten dafür respektiert werden und geschätzt. Lassen Sie sich nicht verärgern.“

Doch es gibt auch Gegenwind. Ein Mann bringt die Bilder in einen religiösen Zusammenhang: „Das Problem ist, dass diese Regeln nicht die Regeln der Familie oder der Gesellschaft sind, sondern die Regeln Allahs.“ Und auch in der Medienlandschaft zeigt sich ein zwiespaltiges Bild: Einige Kommentare lobten den Mut der jungen Frauen. Andere unterstellten ihnen unglaubwürdig zu sein.

Die Debatte zeigt Probleme der türkischen Gesellschaft auf

Selbstbewusstsein und Emanzipation – dafür kämpfen die Frauen und hoffen, im Zuge der #10YearChallenge Gehör zu finden. Und das in der Türkei, einem Staat, der gerade im Begriff ist, das Rad der Zeit zurückzudrehen.

Noch in den Achtziger Jahren war nach einem Putsch des Militärs der Kemalismus die gesellschaftliche und politische Maxime. Das bedeutet: Eine Trennung von Staat und Religion und Annäherung an die westliche Kultur. In öffentlichen Einrichtungen Kopftücher zu tragen, wurde verboten. Doch unter Präsident Recep Tayyip Erdogan verschmelzen Staat und Religion zusehends, der Kemalismus wird zurückgedrängt.

Von Janik Marx/RND

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