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Politik Sind wir noch zu retten?
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16:47 27.06.2019
Ein Patrouillenboot der Guardia di Finanza nähert sich dem deutschen Hilfsschiff „Sea-Watch 3“ in den Gewässern vor der sizilianischen Insel Lampedusa, Süditalien. (Foto aus dem Mai 2019) Quelle: Elio Desiderio/ANSA/AP/dpa
Berlin

Vor wenigen Stunden erschütterte ein Foto die Welt. Es zeigte die Leichen eines Vaters und seiner 23 Monate alten Tochter, die gemeinsam auf der Flucht in die USA im Rio Grande ertrunken waren.

Auch in Europa hielten die Menschen 2015 den Atem an, als sie das Foto des an der türkischen Küste ertrunkenen syrischen Flüchtlingsjungen Aylan sahen. So etwas sollte sich nicht wiederholen.

Europa schaut zu

Die Flucht von der nordafrikanischen Küste übers Mittelmeer ist ein unvergleichliches Drama geblieben. 3000 Menschen ertranken allein in den letzten 18 Monaten. Und Europa, das sich gern als Bollwerk der Menschlichkeit bezeichnet, schaut mehr oder weniger zu.

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Gemeinschaftliche Rettungsmissionen wurden beendet. Der libysche Küstenschutz soll die Flüchtigen nun dahin zurückdrängen, wo sie partout wegwollen. Bollwerk der Menschlichkeit? Nein, Europa macht die Schotten dicht.

Die Seenotrettung Geflüchteter ist auf dem Mittelmeer nun Privatsache. Das allein ist schon skandalös. Nun werden diejenigen, die wie Sea Watch auf dem Mittelmeer Herz zeigen, kriminalisiert. Sind wir noch zu retten?

Ein Beleg für Humanität

Mehr als 60 deutsche Kommunen, Bundesländer wie Brandenburg, die Kirchen, 250 zivilgesellschaftliche Organisationen, Bundestagsabgeordnete bitten - ja! - betteln seit Monaten bei der Bundesregierung darum, die Aufnahme aus Seenot Geretteter in deutschen Städten und Gemeinden zu ermöglichen. Das ist in Zeiten fremdenfeindlicher Ressentiments und rechtsextremer Entwicklungen in Deutschland Beleg dafür, dass Humanität nicht nur Bestandteil von Sonntagsreden ist.

Die deutsche und die europäische Politik reagiert hingegen mit Beamten-Mikado: Wer sich zuerst bewegt, hat verloren. Wer zuerst Betroffene aufnimmt, ist beim nächsten Mal wieder dran, so die verquere Logik. Das ist zynisch und stärkt die diejenigen, die wieder Mauern um Nationalstaaten errichten wollen.

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Von Thoralf Cleven/RND

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