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13:30 02.05.2019
Dunkle Regenwolken ziehen über die Kirche St. Johannes der Täufer im bayerischen Rainsting.
Dunkle Regenwolken ziehen über die Kirche St. Johannes der Täufer im bayerischen Rainsting. Quelle: Sina Schuldt/dpa
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Es klingt dramatisch: Bis 2060 sollen Katholische und Evangelische Kirche in Deutschland die Hälfte ihrer Mitglieder verlieren. Und um auf dem gegenwärtigen Niveau weiterarbeiten zu können, benötigten sie das Doppelte der Einnahmen.

Was soll aus der Gemeindearbeit werden, was aus Diakonie oder Caritas? Müssen noch mehr Kirchen aufgegeben werden? Können christliche Schulen oder Kindergärten auch noch in zwei Jahrzehnten existieren?

Das Kreuz im Abwind - für die Kirchen ist das nichts Neues. Je aufgeklärter sich die Welt gab, desto mehr Menschen wandten sich ab. Die Kirchen wissen aber auch: Religion ist kein Selbstzweck. Glaube hat etwas mit Glaubwürdigkeit zu tun. Und die hat immer mal wieder - Stichwort Missbrauchsskandal - erheblich gelitten.

Kirchen sorgen für Kitt im bröselnden sozialen Getriebe

Gleichzeitig sind Kirchen jedoch Impulsgeber für die Gesellschaft und sorgen immer wieder für Kitt im bröselnden sozialen Gefüge der Republik. Wenn Menschen Beistand benötigen, in Zeiten von Krankheit oder im Alter, erinnern sie sich daran. Und was ist, wenn die Kirche sie braucht?

Lamentieren hilft nicht in Zeiten der Entfremdung der Deutschen von Parteien, Gewerkschaften und - ja - den Kirchen. Auch sie müssen beweisen, dass nicht ihre Geschichte, sondern ihre Zukunft kirchliche Existenzberechtigung ist.

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Die Kirchen besitzen dafür gute Voraussetzungen. Sie haben eine klare Botschaft, sie sind gut vernetzt in Städten und auf dem Land, außerdem kann niemand auf so viele Freiwillige zählen. Trotzdem verlieren viele Christen die Bindung zur Kirche, wenn sie ins Arbeitsleben eintreten oder Familien gründen.

Die Kirche lebt stattdessen finanziell von den Besserverdienenden, gut Qualifizierten und den Alten. Das reicht nicht und zwingt die Kirchenoberen auf neue Gleise. Hier und da fahren schon die ersten Züge. Die Kirche muss zusehen, nicht den Anschluss zu verpassen.

Von Thoralf Cleven/RND