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Politik Kampf um SPD-Vorsitz: Der Scholzomat und die Frau aus dem Volk
Nachrichten Politik Kampf um SPD-Vorsitz: Der Scholzomat und die Frau aus dem Volk
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16:49 21.08.2019
Olaf Scholz und Klara Geywitz vor der Bundespressekonferenz Quelle: Getty Images
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Berlin

Einen Fan hat das Bewerberduo für den SPD-Vorsitz schon einmal: Malermeister Zacharias aus Potsdam habe am Vorabend an ihrem Küchentisch gesessen und gesagt, er finde es super, dass eine einfache Person aus dem Volk nach Berlin gehe. Die einfache Person ist die weithin unbekannte Brandenburgerin Klara Geywitz, neben ihr sitzt am Mittwochmittag in der Bundespressekonferenz das politische Schwergewicht Olaf Scholz. Beide wollen erklären, warum und wie sie zusammen die SPD künftig führen wollen. Eine der Botschaften: Es soll eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe sein.

Damit es daran keinerlei Zweifel gibt, wird beim Auftritt der beiden vor der Hauptstadtpresse nichts dem Zufall überlassen. Scholz kommt nicht etwa wie sonst in seiner gepanzerten Dienstlimousine, sondern spaziert zusammen mit Geywitz vom Bundestag hinüber zum Ort der Pressekonferenz. Sie und nicht Scholz beginnt mit der Vorstellung, spricht mit kräftiger Stimme, ohne Scheu und selbstbewusst. „Ich darf das für uns beide beantworten“, sagt sie irgendwann auf eine Journalistenfrage – was ihrerseits nicht als Frage, sondern als Ansage an Scholz gemeint ist.

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"Ich habe keinen Zahlenfetisch"

Wie denn die Aufgabenteilung zwischen beiden sein werde, erkundigt sich ein Reporter: „Es wird jedenfalls nicht so sein, dass einer die Weltpolitik erklärt und der andere die Unterbezirksparteitage besucht“. Man werde partnerschaftlich zusammenarbeiten und sich dabei ergänzen, schließlich könne Scholz zwar „alle Sachen super gut erklären“, sie hingegen sei in der Lage, „ziemlich viele Sachen ziemlich gut auf den Punkt bringen“. Und: „Ich möchte als Mutter von drei Kindern, die im Leben steht, das repräsentieren, was viel Menschen machen, nämlich jeden Tag hart arbeiten, gucken, dass die Kinder anständige Menschen werden und dass die Familie zusammen hält.“

Die Rollenverteilung ist also klar: Der politisch sehr erfahrene, aber als langweilig und mit seinem 61 Jahren als zu alt geltende Scholz fürs Hirn, die frisch daher kommende 43-Jährige Geywitz fürs (linke) Herz der gebeutelten Sozialdemokraten. Das gilt auch bei den Inhalten. Die Einhaltung der „schwarzen Null“ um jeden Preis, so macht Geywitz klar, ist für sie kein Dogma: „Ich bin durchaus dafür, dass wir eine sehr solide Haushaltspolitik machen. Aber ich habe generell keinen Zahlenfetisch.“

Kein Lagerwahlkampf

Beide, so wird nach der einstündigen Pressekonferenz durch mehrere Bemerkungen bestätigt, sind für die Fortsetzung der großen Koalition. Klar sagen wollen sie es allerdings nicht, um sich nicht alle Chancen bei der Basis zu nehmen, wo die GroKo hochgradig unbeliebt ist. Die These von Mitbewerber Karl Lauterbach, wonach es jetzt zu einem „Lagerwahlkampf“ der GroKo-Gegner und –Befürworter kommen wird, weist Scholz zurück. Es gehe allein um die Zukunft der SPD. Auch bei den geplanten 23 Regionalkonferenzen, auf denen sich alle Bewerber um den Vorsitz vorstellen sollen, werde das Thema nicht im Mittelpunkt stehen. „Mit der Vorsitzendenwahl hat die Frage der Fortsetzung der GroKo nichts zu tun“, so Scholz – eine Ansicht, die in der SPD eher keine Mehrheit finden dürfte.

Bleibt die Frage, warum Scholz inzwischen der Meinung ist, dass das Amt des SPD-Chefs zeitlich mit dem des Finanzministers vereinbar ist. Er werde alle Kraft einsetzen, die er zur Verfügung habe, versichert er. „Das ist eine Angelegenheit, die ich sehr persönlich nehme, ob es der SPD gut oder schlecht geht.“

Und wenn das Duo scheitert, bleibt er dann Finanzminister? Scholz lässt das offen: „Ich kandidiere hier ohne Netz.“ Heißt was? „Es geht hier nicht um Posten, die man sonst irgendwo hat, es geht auch nicht um die Frage, was aus der Regierung wird, es geht ausschließlich um die sozialdemokratische Partei.“

Von Tim Szent-Ivanyi/RND