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Politik Jubel über Nobelpreis für Abiy Ahmed: Eine Ehre für ganz Afrika
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14:53 11.10.2019
Seitdem der neue Regierungschef Abiy Ahmed an der Macht ist, gibt es Anzeichen eines Wandels.
Oslo

Wie immer ist viel spekuliert worden, nun steht fest: Der diesjährige Friedensnobelpreisträger ist der Ministerpräsident Äthiopiens, Abiy Ahmed. Jahrelang schwelte der Grenzkonflikt zwischen Äthiopien und Eritrea. Inzwischen herrscht Frieden. Vor allem, weil sich Ahmed so intensiv für eine Lösung einsetzte. Und auch darüber hinaus hat er einiges bewirkt in dem Land im Horn von Afrika. Seit April 2018 führt er die Geschicke Äthiopiens und hat seither viele Reformen angestoßen. Mit diesen Leistungen begründete das Komitee die diesjährige Vergabe der wohl renommiertesten politischen Auszeichnung der Welt.

Unterdessen gibt es einige Reaktionen. Und die Entscheidung findet bislang allenthalben positiven Anklang. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier etwa gratuliert dem Abiy Ahmed von „ganzem Herzen“. „Die Entscheidung des Nobelpreiskomitees ist eine Würdigung Ihres politischen Mutes. Sie ist ein Ansporn für Sie und die ganze Welt, in den Bemühungen für Frieden nicht und niemals nachzulassen“, schrieb Steinmeier am Freitag an den äthiopischen Ministerpräsidenten.

Abiy habe durch sein mutiges und tatkräftiges Engagement gezeigt, dass alte und tiefe Gräben zwischen Menschen und Völkern doch überwunden werden können, schrieb Steinmeier. „Für Ihr Wirken und für das Vorbild, das Sie damit in diesen schwierigen weltpolitischen Zeiten geben, gilt Ihnen mein tiefer Respekt und meine Anerkennung.“

Bundesaußenminister Heiko Maas stimmt in die Gratulationen ein. „Sein Mut und seine Weitsicht sind Beispiel und Vorbild weit über Afrika“, teilte Maas am Freitag mit. Ministerpräsident Abiy habe in kürzester Zeit Entwicklungen auf den Weg gebracht, die niemand für möglich gehalten habe, sagte Maas. „Äthiopien und seine Nachbarländer können sich auf ihrem Weg weiterhin der Unterstützung Deutschlands sicher sein.“

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Riesige Freude in Äthiopien

Besonders groß ist die Freude zudem in Äthiopien. Die Nation sei stolz über die Anerkennung, teilte das Büro des Ministerpräsidenten am Freitag nach der Bekanntgabe der renommierten Auszeichnung mit. Die Ehrung sei ein „zeitloser Zeuge“ für Werte wie Einheit, Zusammenarbeit und Koexistenz, für die Abiy konsequent einstehe. Alle Bürger und Freunde Äthiopiens sollten weiter auf der Seite des Friedens stehen.

„Das ist eine wohlverdiente Anerkennung für den Ministerpräsidenten“, erklärte der prominente Aktivist Jawar Mohamed der Deutschen Presse-Agentur dpa. Der Bürgermeister der Hauptstadt Addis Abeba, Takele Uma, nannte den Preis eine Anerkennung für „Frieden, Versöhnung und harte Arbeit“.

Selbst von Abiys Kritikern gab es Respekt und Anerkennung. „Trotz unserer großen politischen Differenzen gratuliere ich Ministerpräsident Abiy Ahmed“, gab sein politischer Gegner Desta Haileselassie in den sozialen Medien bekannt. „Er ließ alle Journalisten frei, er besetzte sein Kabinett zur Hälfte mit Frauen und ernannte eine großartige Frau als Präsidentin, er schloss Frieden mit Eritrea“, schrieb der in Äthiopien geborene Peot Lemn Sisay und ergänzte: „Er ist Äthiopiens Ministerpräsident und hat heute den Friedensnobelpreis erhalten - ich bin baff.“

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Afrikanische Politiker zeigen ihren Respekt

Auch andere afrikanische Politiker zeigen sich erfreut über die Auszeichnung Ahmeds. Der somalische Präsident Mohammed Farmajo erklärte auf Twitter, Abiy sei ein würdiger Preisträger. Die Zusammenarbeit beider Nationen erfülle ihn mit Freude.

Die beiden jahrzehntelang verfeindeten Länder Äthiopien und Somalia hatten unter Abiy erstmals eine regionale Kooperation vereinbart. Der liberianische Präsident, der ehemalige Fußballstar George Weah, gratulierte Abiy und dem äthiopischen Volk im Namen seiner Nation. Er feiere gemeinsam mit Afrika und dem Rest der Welt, twitterte Weah.

In Simbabwe gratulierte Oppositionsführer Nelson Chamisa von der „Bewegung für demokratischen Wandel“ Abiy. Der kenianische Oppositionsführer Raila Odinga erklärte, die Auszeichnung sei eine Ehre für den afrikanischen Kontinent, dessen Entwicklung zu lange von Kriegen beeinträchtigt worden sei. Kenias Kulturministerin Amina Mohammed schrieb auf Twitter, wenn Frieden gedeihe, blühten auch die Menschen auf.

Auch bei Menschenrechtsorganisationen kommt Vergabe gut an

Menschenrechtsorganisationen loben die Verleihung ebenfalls. Das Nobelkomitee habe eine gute Wahl getroffen, erklärte der Chef von „Human Rights Watch“, Andrew Stroehlein. Dies gelte wegen der Friedensbemühungen mit Eritrea ebenso wie wegen der Befreiung Tausender politischer Gefangener und anderer Reformen in Äthiopien selbst, erklärte er auf Twitter.

Dem Norwegischen Flüchtlingsrat zufolge ist die Vergabe nicht nur ein Sieg für den äthiopischen Regierungschef, sondern für das ganze Land. Zudem habe der Friedensschluss zwischen Äthiopien und Eritrea, den Abiy im vergangenen Jahr einleitete, zu „dramatischen Verbesserungen“ in den Beziehungen zwischen den beiden Staaten geführt, sagte am Freitag Jan Egeland, der Generalsekretär des Flüchtlingsrats.

Allerdings mahnte Egeland, Abiy müsse nun „mutig sein“ und weiter daran arbeiten, die ethnischen Spannungen in seinem Land zu lösen. In dem Vielvölkerstaat am Horn von Afrika gibt es etliche Konflikte zwischen verschiedenen ethnischen Gruppe. Diese sind seit Abiys Amtsantritt im April 2018 angestiegen und Zehntausende Menschen flüchteten innerhalb der Landesgrenzen vor der Gewalt.

Der Friedensnobelpreis wurde erstmals 1901 vergeben. Besonders kontrovers diskutiert wurde die Verleihung an den damaligen US-Präsidenten Barack Obama im Jahr 2009. Wir zeigen die Preisträger der vergangenen zehn Jahre.

Leer ausgegangen ist indes Greta Thunberg, deren Verdienste um die Fridays for Future-Bewegung viele ebenfalls für preiswürdig hielten. Sie selbst hat sich dazu bislang nicht geäußert, waren es doch ohnehin andere, die sie mit dem Preis in Verbindung brachten und nicht die schwedische Klimaaktivistin.

Geäußert hat sich jedoch die bekannte deutsche Klimaaktivistin der Bewegung, Luisa Neubauer. Die Nominierung, schreibt sie, sei nicht abwegig gewesen, immerhin sei Fridays for Future auch eine Friedensbewegung. Doch gebühre der Friedensnobelpreis jenen, die sich erfolgreich für Frieden eingesetzt hätten. "Der Krieg der Menschen gegen Natur, die Lebensgrundlagen und die zukünftigen Generationen ist ungebrochen", schrieb Neubauer auf Twitter. Auch sie gratulierte Abiy Ahmed.

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