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Politik „Hände weg von unserer Nationalhymne“ – Scharfe Kritik an Ramelow-Vorschlag
Nachrichten Politik „Hände weg von unserer Nationalhymne“ – Scharfe Kritik an Ramelow-Vorschlag
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14:12 09.05.2019
Kein Freund des „Deutschlandlieds“: Bodo Ramelow Quelle: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dp
Berlin/Erfurt

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat sich für eine neue Nationalhymne ausgesprochen. „Ich singe die dritte Strophe unserer Nationalhymne mit, aber ich kann das Bild der Naziaufmärsche von 1933 bis 1945 nicht ausblenden“, sagte der Linke-Politiker der „Rheinischen Post“.

Auch 30 Jahre nach dem Mauerfall sängen viele Ostdeutsche die Hymne nicht mit, sagte Ramelow weiter. „Ich würde mir wünschen, dass wir eine wirklich gemeinsame Nationalhymne hätten.

Bisher hat dieser Wunsch leider immer nur für empörte Aufregung gesorgt.“ Er plädierte für einen neuen Text, „der so eingängig ist, dass sich alle damit identifizieren können und sagen: Das ist meins“. Allerdings sorgt auch der Vorstoß von Ramelow vor allem für eines – Kritik.

„Hände weg von unserer Nationalhymne

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) etwa widersprach Ramelow: „Ich finde es interessant, wie unterschiedlich die Emotionen bei unserer Nationalhymne sind. Ich singe sie sehr gern und verbinde damit genau diesen großartigen Teil unserer Geschichte - die friedliche Revolution, Helmut Kohl und die Deutsche Einheit.“

Gerade für die Ostdeutschen habe die Hymne eine besondere Bedeutung. „Das „Lied der Deutschen“ spiegelt die wechselvolle Geschichte unseres Landes - gerade deshalb soll die 3. Strophe unserer Nationalhymne bleiben.“

Ramelow sollte seine Haltung überdenken“

Auch CSU-Generalsekretär Markus Blume hat den Vorstoß heftig kritisiert. „Hände weg von unserer Nationalhymne“, sagte Blume der Düsseldorfer „Rheinischen Post“.

„Wenn Herr Ramelow von den SED-Nachfolgern der Linkspartei ein Problem mit Einigkeit und Recht und Freiheit hat, dann sollte er seine Haltung überdenken, aber nicht unsere Nationalhymne ändern.“

„Nicht in Frage stellen, sondern öfter singen“

Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hat den Vorschlag wiederum als „völlig falsches Signal“ zurückgewiesen. „Er schwächt mit seinem Vorschlag die Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit unserem Staat, statt sie zu stärken“, sagte Hans.

Es sei „völlig rätselhaft“, warum sich demokratisch gesinnte Deutsche nicht mit dem Text der Hymne identifizierten können sollten - wie Ramelow es behaupte.

Die Hymne mit der dritten Strophe des Deutschlandliedes („Einigkeit und Recht und Freiheit“) sei „bestens geeignet, ein Bekenntnis zur Nation im modernen demokratischen Sinne abzugeben“, sagte Hans. Er fügte hinzu: „Aus diesem Grund sollten wir sie nicht in Frage stellen, sondern vielmehr öfters singen.“

Kinderhymne statt Deutschlandlied

Der sächsische Linke-Politiker Rico Gebhardt hält eine Diskussion über die deutsche Nationalhymne für überfällig. „30 Jahre nach dem Mauerfall holt uns die unaufgearbeitete Vergangenheit der Folgen eines Beitritts ein, der eben keine Vereinigung auf Augenhöhe gewesen ist“, erklärte der Fraktionschef der Linken im Landtag.

„Ich respektiere es, dass Menschen die 3. Strophe des Liedes bei offiziellen Anlässen mitsingen, aber ich selbst tue es nicht und werde es nicht tun“, sagte Gerhardt weiter.

Gebhardt schlug stattdessen die Kinderhymne von Bertolt Brecht als Alternative vor: „Der Text ist von schlichter Schönheit und entspricht einem aufgeklärten Heimatverständnis, das keinen Platz für Nationalismus und übersteigerten Patriotismus lässt.“

Brechts Hymne war bereits im Zusammenhang mit der Deutschen Einheit 1990 im Gespräch.

„Wichtigeren Themen zuwenden“

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff hat sich gegen eine neue Nationalhymne ausgesprochen. „Wir sollten uns den Themen zuwenden, bei denen dringender Handlungsbedarf besteht, wie zum Beispiel der Energiewende oder der Mietpreisentwicklung“, erklärte der CDU-Politiker.

„Als Ostdeutscher sage ich, der Inhalt der Nationalhymne ist ein Grund gewesen, der Bundesrepublik beizutreten. Denn für diese galt: „Einigkeit und Recht und Freiheit...““.

Kritik an „politischer Bilderstürmerei“

Auch Thüringens CDU-Chef Mike Mohring reagierte mit Kritik. „Die politische Bilderstürmerei gegen ein Symbol der Bundesrepublik Deutschland ist unerträglich“, sagte er laut Mitteilung.

„Die dritte Strophe des Deutschlandliedes drückt auf geradezu ideale Weise aus, was unseren demokratischen Nationalstaat im Innersten zusammenhält und welche Bürgertugenden ihn mit Leben erfüllen.“

Gerade für ein Land, das sich um seinen Zusammenhalt sorge, enthielten die Zeilen August Heinrich Hoffmann von Fallerslebens entscheidende Botschaften.

Ramelows Forderung ist nicht neu

Ganz neu ist die Forderung von Ramelow nicht. Bereits als PDS-Landtagsfraktionschef in Thüringen hatte er 2005 eine neue Nationalhymne vorgeschlagen. „Wir brauchen eine Hymne in Deutschland, auf die sich alle Menschen positiv berufen können und die nicht missbraucht werden kann“, hatte er damals gesagt. Sein Vorschlag vor 14 Jahren: die Kinderhymne Bertolt Brechts.

Der damalige thüringische CDU-Generalsekretär und heutige CDU-Landeschef Mike Mohring hatte Ramelow damals „fahrlässigen Umgang mit unseren nationalen Symbolen“ vorgeworfen.

Diskussionen über Text der Nationalhymne

Im vergangenen Jahr gab es zudem eine Diskussion um den Wortlaut der Nationalhymne. Damals hatte die Gleichstellungsbeauftragte im Bundesfamilienministerium, Kristin Rose-Möhring, vorgeschlagen, künftig statt „Vaterland“ besser „Heimatland“ und statt „brüderlich mit Herz und Hand“ in Zukunft „couragiert mit Herz und Hand“ zu singen. Auch Österreich und Kanada hatten ihre Hymnen in den vergangenen Jahren aus Gleichstellungsgründen geändert.

Bei der Nationalhymne handelt es sich um die dritte Strophe des „Lieds der Deutschen“ von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben („Einigkeit und Recht und Freiheit“). Die Nazis ließen nur die erste Strophe singen („Deutschland, Deutschland über alles“).

Ein anderer Vorschlag:
Gleichstellungsbeauftragte will den Text der Nationalhymne ändern

Von RND/dpa

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