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Politik Geld-Prämie fürs Nichtrauchen? Das denken Gesundheitspolitiker
Nachrichten Politik Geld-Prämie fürs Nichtrauchen? Das denken Gesundheitspolitiker
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11:10 27.07.2019
Etwa jeder vierte Erwachsene in Deutschland raucht. Die Folgekosten für die Allgemeinheit sind riesig. Quelle: Lukas Barth/dpa
Berlin

„Mit dem Rauchen aufzuhören ist ganz einfach – ich hab es schon Dutzende Male geschafft“, lautet ein alter Witz. Tatsächlich ist es alles andere als einfach, dem Nikotin abzuschwören. Dabei sind die gesundheitsschädlichen Auswirkungen des Rauchens und die hohen Kosten fürs Gesundheitswesen gut belegt. Eine Studie zeigt nun einen interessanten psychologischen Effekt: Finanzielle Anreize erhöhen die Chancen dauerhaft aufzuhören ganz erheblich. Ist das ein Modell für Deutschland?

Forscher der britischen Universität von East Anglia haben nun in einer Metaanalyse von 33 internationalen Studien herausgefunden: Bietet man Rauchern Geld als Belohnung, hilft es ihnen mit dem Rauchen aufzuhören und dauerhaft abstinent zu blieben. In den Studien wurden den Teilnehmern Bargeld oder Gutscheine angeboten

Das Ergebnis: In den Gruppen mit einer Belohnung hatten die Probanden nach sechs Monaten mit einer 50 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit aufgehört, als die Gruppen ohne Belohnung – und das unabhängig von der Höhe des in Aussicht gestellten Gewinns. Die Prämien lagen zwischen 40 und 1056 Euro. Wer angab, Nichtraucher geworden zu sein, wurde entsprechend medizinisch überwacht. Raucher lassen sich beispielsweise am Atem und Körperflüssigkeiten erkennen.

Rauchen ist für den Staat längst kein Geschäft mehr

In Deutschland liegen die Folgekosten fürs Rauchen nach Schätzungen bei etwa 16 Milliarden Euro jährlich. Die Einnahmen aus der Tabaksteuer bei etwa 14 Milliarden Euro. Würde es sich da nicht auch finanziell rechnen, Menschen mit Prämien vom Rauchen abzubringen? „Wir halten Anreize für ein gesundheitsbewusstes Verhalten grundsätzlich für sinnvoller als Verbote oder Bevormundung““, sagt Wieland Schinnenburg, suchtpolitischer Sprecher der FDP dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Wer das Rauchen aufgebe, diene seiner eigenen Gesundheit und seinem Geldbeutel. Prämien kann sich Schinnenburg grundsätzlich vorstellen, aber: „Es müsste zunächst in einem längerfristigen Modellprojekt geprüft werden, ob ein nachhaltiger Effekt erzielt wird.“

Auch der Gesundheitspolitiker der AfD, Axel Gehrke, kann sich ein Bonus-System vorstellen – aber andersherum: „Sinnvoll wäre es, diejenigen zu belohnen, die sich um eine gesunde Lebensführung von Anfang an bemühen.“ Ähnlich wie bei Autoversicherungen, könnten Nichtraucher über ein Bonus-Punktesystem in eine kostengünstigere Versicherungsgruppe eingeordnet werden – in die dann auch ehemalige Raucher stoßen könnten. „Die dazu notwendigen Kontrollen sind allemal billiger als die Kosten für die Folgeerkrankungen des Rauchens“, so Gehrke. Für jedes Bonussystem seien aber mindestens zwei-jährige Nachkontrollen notwendig.

Rauchentwöhnung gehört in den Leistungskatalog der Kassen“

Kristin Kappert-Gonther, Drogenpolitikerin der Grünen, weist auf einen anderen Punkt hin: „Nikotinsucht ist eine Krankheit. Die therapeutische Begleitung der Rauchentwöhnung darf nicht an finanziellen Hürden scheitern. Darum gehören sie endlich in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherungen. Auch Medikamente zur Rauchentwöhnung sollten in den GKV-Leistungskatalog aufgenommen werden“, sagte sie dem RND.

Alle Fachpolitiker sind sich einig darin, dass es am besten ist, gar nicht erst mit dem Rauchen zu beginnen. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO sterben jedes Jahr acht Millionen Menschen an den Folgen des Rauchens. Es gebe weltweit zu wenig Hilfe beim Tabakausstieg, klagen die Experten.

Von Christian Burmeister/RND

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