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Politik “Fridays for Future” wird verfilmt
Nachrichten Politik “Fridays for Future” wird verfilmt
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13:10 15.09.2019
Lisa Muzzulini filmt für eine Dokumentation über Klimaaktivisten Schüler der Fridays-for-Future-Proteste in Berlin.
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Berlin

Energisch zieht Simona Theoharova einen schwarzen Rollkoffer den Mehringdamm in Berlin-Kreuzberg entlang. Nervös schaut sie abwechselnd auf ihre Uhr und auf ihr Handy. Heute ist der erste Drehtag – und sie zu spät dran. Kamerafrau Lisa Muzzulini wartet bereits in der Eingangshalle des Jugendzentrums „Gelbe Villa“, wo sich etwa 80 Schüler von „Fridays for Future“ versammelt haben.

Theoharova will Szenen dieses Treffens in ihren neusten Film einbauen: eine Dokumentation über Aktivisten aus aller Welt, die sich für den Klimaschutz einsetzen. Hektisch kramt die 32-Jährige in ihrer Tasche herum, während die ersten Redner das Wort ergreifen. Schließlich zieht sie ein Klemmbrett aus ihrer Tasche und gibt Kamerafrau Muzzulini erste Anweisungen. Jetzt läuft alles wieder nach Plan.

Am ersten Drehtag filmen Kamerafrau Lisa Muzzulini (von links), Produktionsassistentin Jennifer Egen und Regisseurin und Produzentin Simona Theoharova ein Organisationstreffen der Fridays-for-Future-Aktivisten in Berlin.

Theoharova steht normalerweise vor der Kamera. Sie ist freischaffende Schauspielerin, nennt sich selbst aber gern „Kreative“, weil sie inzwischen auch Filme produziert oder Regie führt. Als Brotjob unterrichtet die Diplompsychologin an einer Fachhochschule. Doch im Moment nimmt ihr neues Projekt die meiste Zeit ein.

Dokumentation widmet sich dem Thema Klimaaktivismus

„Im Sommer habe ich eine Fridays-for-Future-Demonstration erlebt und war sofort gefesselt von der Energie der Schüler“, sagt Theoharova. „Und ich habe gedacht: Ja, das stimmt, die haben recht mit dem, was sie da fordern.“ Sie beschloss, ihren schon lange angedachten Langfilm dem Thema Klimaaktivismus zu widmen. Zuvor hatte sie mit der von ihr gegründeten Produktionsfirma „Caravan Fantasia“ hauptsächlich Kurzfilme gedreht.

Filmteam produziert Dokumentation über Klimaaktivisten

Die Aktivisten von Fridays for Future sitzen in einem großen Kreis zusammen. Gerade stellen sich die einzelnen Arbeitsgemeinschaften vor, die sich in den nächsten Wochen und Monaten treffen wollen, um die Demonstrationen noch besser organisieren zu können. Theoharova und Muzzulini beugen sich über das Display der Kamera. Langsam bewegt die Kamerafrau sich auf zwei Schülerinnen zu. Sie werden später in dem Film als Protagonisten von Fridays for Future auftauchen.

Im Zuge der Recherchen habe sie beim Thema Klimaschutz „bei vielen eine Ohnmacht gespürt“, sagt Theoharova. „Dagegen will ich mit dem Film angehen und zeigen, was getan werden kann und wie.“

„Der Film muss global sein, denn es ist auch ein globales Thema.“

Dass den Schülern von Fridays for Future eine Rolle zukommen muss, war der Filmemacherin klar. Doch sie wollte weitergehen. Der Film sollte nicht nur eine Organisation, ein Land und ein Thema behandeln, sondern sich mit allen Fragen rund um den Klimaschutz befassen. Dazu sei ein Blick auf mehrere Länder nötig gewesen und auch auf Themen, wie beispielsweise Wasserknappheit in Indien, Aufforstungsprogramme und für ihren Aktivismus inhaftierte Engagierte, sagt Theoharova. „Der Film muss global sein, denn es ist auch ein globales Thema.“

Für die Umsetzung der Dokumentation arbeitet sie mit Filmteams auf der ganzen Welt zusammen – etwa aus den USA, Mexiko, Bali, Indien, Frankreich und der Türkei. „Ich bin so glücklich, dass das wirklich professionelle Teams vor Ort sind“, sagt die Produzentin. Die meisten kenne sie persönlich über Workshops oder Filmfestivals. Sie sollen dann in ihren Ländern sowohl Aktivisten, als auch Klimaexperten interviewen und begleiten. „Unser Fixpunkt ist der 20. September“, erklärt Theoharova. An diesem Tag haben Organisationen zum „Global Strike“ – zum weltweiten Protest – aufgerufen. „Da möchte ich Bilder aus so vielen Ländern wie möglich einfangen“, sagt sie.

Ich will zeigen, dass jeder seinen Beitrag leisten muss – mit den Möglichkeiten die man selbst hat.

Simona Theoharova; Filmproduzentin

Verläuft alles planmäßig, ist der Film Anfang nächsten Jahres fertig. Theoharova will die Dokumentation am liebsten beim Filmfest in Cannes einreichen, das im Mai stattfindet.

Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg. Theoharova bespricht sich mit ihrer Assistentin Jennifer Egen, welche Szenen Kamerafrau Muzzulini noch einfangen soll. Nachdenklich schaut sie ihr zu, wie sie eine kleine Gruppe filmt, die sich auf dem Rasen vor dem Jugendzentrum bespricht. „Ich glaube, wir haben es dann für heute“, sagt sie.

Dokumentation soll Aktivisten unterstützen

Die Dokumentation soll am Ende nicht nur informieren – Theoharova will die Aktivisten damit auch unterstützen: „Der Klimaschutz ist ein Zusammenspiel zwischen Individuen, Gesellschaft und Politik“, sagt sie. „Ich will zeigen, dass jeder seinen Beitrag leisten muss – mit den Möglichkeiten die man selbst hat.“

Einige Länder hätten zum Beispiel gar keine Chance, sich um das Thema zu kümmern. „Wir zeigen auch Szenen aus Palästina, um zu verdeutlichen, dass die Menschen dort sich gerade nicht ums Klima kümmern können.“ Sie hätten ganz andere Sorgen. „Ich finde, wer in Frieden lebt, hat die weltweite Verantwortung für den Klimaschutz.“

Film finanziert sich über „Crowdfunding“

Das Projekt finanziert Theoharova im Moment aus eigener Tasche. Insgesamt rechnet sie aber mit Kosten von 10.000 Euro, die durch „Crowdfunding“ zusammenkommen sollen. Davon sollen Kosten für Bahnreisen, das Leihen von Technik, für juristische Beratung, Verpflegung und Unterbringung sowie Materialkosten gedeckt werden.

„Ich hoffe natürlich, auch meinen Teams am Ende etwas zahlen zu können“, sagt Theoharova. Mit dem Film zu warten, bis sie genug Geld zusammen hat, wäre aus ihrer Sicht falsch gewesen. „Das Thema ist jetzt aktuell und die Dynamik ist jetzt da.“

Mehr lesen: Vor Kongress in Dortmund: Was Fridays for Future bislang erreicht hat

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Lisa Neugebauer/RND

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