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Politik Das sind die kuriosesten Ereignisse des Super-Wahltages
Nachrichten Politik Das sind die kuriosesten Ereignisse des Super-Wahltages
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16:44 27.05.2019
Eine Frau verlässt eine Wahlkabine in einem Wahlbüro für die Europawahl. Quelle: Vadim Ghirda/AP/dpa
Brüssel

Europa hat gewählt – und das Ergebnis sorgt vielerorts für eine Überraschung. Die SPD erholt sich von der Wahlschlappe, die Grünen feiern noch ihren großen Stimmenzuwachs und die CDU zeigt sich trotz schlechtem Abschneiden uneinsichtig.

Aber zwischen ernüchternden Wahlniederlagen und emotionalen Wahlsiegen bringt der Superwahltag mit den Kommunalwahlen in mehr als zehn Gemeinden, der Bürgerschaftswahl in Bremen und der Europawahl auch Geschichten zum Vorschein, die einen zum Schmunzeln bringen. Das sind die kuriosesten Geschichten des Wahltages.

Die 100-Jährige im Rat der Stadt

Die ehemalige Lehrerin Lisel Heise ist nunmehr 100 Jahre alt – und wurde das erste Mal in den Stadtrat gewählt. Nachdem sie bei der Kommunalwahl im hessischen Kirchheimbolanden die meisten Stimmen ihrer Wählergruppe bekam, wird sie künftig die „Wir für Kibo“-Stadtratsfraktion als Fraktionssprecherin anführen.

Die Kandidatur der hochbetagten Rentnerin hatte in den vergangenen Monaten ein großes Medienecho erzeugt. Die „Power-Oma“, wie sie die „Bild“-Zeitung nannte, stand zwar nur auf Listenplatz 20 ihrer Wählergruppe. Doch die bei vielen Stadtbewohnerinnen und -bewohnern hoch geachtete und beliebte Lehrerin setzte sich gegen ihre Mitbewerber durch.

Die 100-Jährige, eine begeisterte Schwimmerin, war mit dem Ziel angetreten, dass Kirchheimbolanden wieder ein Freibad bekommt. Das alte Bad war vor acht Jahren geschlossen worden.

Im Vorfeld der Kommunal- und Europawahl betonte Lisel Heise, dass es keine Frage des Alters sei, politisch etwas zu verändern und die Gesellschaft mitzugestalten. Der neu erwachende Nationalismus in Europa „ist Irrsinn“, sagte die Zeitzeugin, die den letzten Krieg und den Wiederaufbau miterlebte, dem Evangelischen Pressedienst.

Auch unterstützt die frisch gebackene Stadträtin den Kurs von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron für ein Zusammengehen der europäischen Länder. „Und die Brexit-Vertreter sollte man auf den Mond schießen“, sagte sie.

Die Komiker, die ins EU-Parlament einziehen

Die Satirepartei Die Partei hat einer Analyse der Forschungsgruppe Wahlen zufolge bei den unter 30-Jährigen genauso gut abgeschnitten, wie die SPD.

Beide Parteien liegen bei der Europawahl in dieser Altersklasse gleichauf auf Platz drei, wie am Sonntagabend aus einer Analyse der Forschungsgruppe für das ZDF hervorging.

In Berlin hat die Satirepartei um Spitzenkandidat Martin Sonneborn sogar die FDP überholt. Damit haben sich die Komiker mindestens einen Sitz im EU-Parlament gesichert.

Von der Studio-Küche ins Europaparlament

Sarah Wiener sagt, sie habe „wilde Wochen“ hinter sich. Die Fernsehköchin hat Wahlkampf für die österreichischen Grünen gemacht - für die hatte es in den letzten Jahren nicht gut ausgesehen. 2017 flogen die Grünen aus dem Parlament. Die Partei hatte sich „zerspragelt“, wie es Wiener vor der Wahl formulierte. Das ist österreichisch und heißt so viel wie „zerlegt“. Aber wie in Deutschland sind die Grünen auch in Wieners Heimatland enorm erstarkt. Sie kamen bei der Europawahl auf 14 Prozent.

Damit steht seit Sonntagabend fest: Sarah Wiener geht als Quereinsteigerin in die Politik - und nach Brüssel. Sie hatte hinter dem Chef der österreichischen Grünen, Werner Kogler, als Listenzweite um den Einzug gekämpft. Vom guten Ergebnis der Partei ist sie überrascht: „Damit hat keiner gerechnet“, sagt sie am Wahlabend der Deutschen Presse-Agentur. Sie selbst sehe das Votum als „Vertrauensvorschuss“ ihrer Wähler. Das klingt schon ganz nach Berufspolitikerin.

Als Expertin für Ernährung und Landwirtschaft will sie sich mit diesen Themen im Parlament befassen. „Es geht um Alternativ-Modelle zur Agro-Industrie.“ Momentan werde eine innovative, neue und nachhaltige Landwirtschaft durch Lobbyisten und ungenügende Transparenz verhindert. Bei Facebook klingt Wiener am Sonntag euphorisch, endlich etwas bewirken zu können: „Politik wird für uns gemacht! Nehmen wir sie uns. Ändern wir die Welt.“

...und jede Menge Wahlpannen

Bei der Europawahl gingen in gleich mehreren Wahllokalen in Bochum und Telgte zeitweise die Stimmzettel aus. Die Hintergründe werden nu aufgearbeitet. Geprüft wird dabei vor allem, ob das Fehlen der Wahlzettel überhaupt einen Effekt auf die Sitzplatzverteilung im EU-Parlament hatte. Der erste Verdacht der Behörde: Offenbar sei bei dem sprunghaften Anstieg der Wahlbeteiligung zu knapp kalkuliert worden.

Im Mainzer Stadtteil Gonsenheim ist es bei den Kommunalwahlen zu einer Wahlpanne gekommen. Im Wahllokal 4185 im Stadtteiltreff Gonsenheim hat der Wahlvorstand bis etwa 9 Uhr statt der vorgegeben vier Stimmzettel nur drei ausgegeben. Dies bestätigte der Wahlleiter der Stadt Mainz. Bei etwa 50 Wählern sei der Stimmzettel zur Stadtratswahl „ohne böse Absicht vergessen worden“, sagte Peter Frommelt.

In Bochum patzte die Verwaltung: Auf der Homepage des Rathauses war bereits am Nachmittag stundenlang ein vermeintliches Ergebnis der Europawahlen zu lesen. In der Tabelle kam die AfD auf fast 50 Prozent und war damit deutlicher Wahlsieger. Nach Angaben eines Sprechers hatten Mitarbeiter zu Testzwecken fiktive Daten eingestellt und die Seite dann versehentlich veröffentlicht. „Es handelt sich um menschliches Versagen. Wir können uns für diesen Fehler nur entschuldigen.“

In Dresden war in einigen Wahllokalen der Andrang so groß, dass auch nach 18 Uhr noch gewählt wurde, berichtet der MDR. Betroffen waren mindestens zwei Wahllokale. Obwohl die Wahllokale bereits um 8 Uhr geöffnet waren, klagten Wähler über lange Schlangen und Wartezeiten bis zu einer Stunde. Es habe „eine Schlange wie zu DDR-Zeiten“ gegeben, berichtete ein Wahlhelfer in der Landeshauptstadt.

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Von RND/dpa/lf

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