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Politik Europäisches Parlament: Parteien schicken zu zwei Dritteln Männer
Nachrichten Politik Europäisches Parlament: Parteien schicken zu zwei Dritteln Männer
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09:54 13.05.2019
Das Europarlament wird neu besetzt. Quelle: Pixabay
Straßburg

Ein alter Kalauer über die Europäische Union lautet: „Hast du einen Opa, schick ihn nach Europa.“ Der Spruch nimmt aufs Korn, dass Parteien im Verdacht stehen, alt- und ausgediente, vorwiegend männliche Mitglieder in die europäischen Institutionen zu entsenden.

Um zu überprüfen, ob diese Vermutung auf das künftige Europäische Parlament zutrifft, hat das RedaktionsNetzwerk Deutschland die Kandidatenlisten der deutschen Parteien untersucht. Rund 1300 Bewerber schicken die 41 deutschen Parteien ins Rennen um die 96 Sitze, die Deutschland im Europaparlament zustehen. Gerade einmal 440 Bewerber davon sind Frauen, das entspricht einem Anteil von 34 Prozent.

Auch auf den aussichtsreichen Listenplätzen sind die Frauen kaum stärker repräsentiert. Nimmt man die Sitzverteilung, die das Europäische Parlament auf Grundlage von nationalen Umfragen erwartet, steigt der Frauenanteil leicht auf 36 Prozent. Damit liegt die Quote ziemlich genau auf dem Niveau der bisherigen Abgeordneten aus Deutschland. Nachdem die Frauenquote seit 1979 von 15 Prozent mit jedem Wahlgang langsam, aber kontinuierlich zugenommen hatte, träte sie im Jahr 2019 auf der Stelle.

Auf nationaler Ebene gab es zuletzt sogar einen Rückschritt: Der Frauenanteil im Bundestag sank nach der Wahl 2017 von 37 auf 31 Prozent. Die deutschen Parteien befinden sich in guter Gesellschaft: Auch unter den europäischen Abgeordneten insgesamt beträgt die Frauenquote nur 36 Prozent. Einige Länder wie Schweden, Irland und Finnland entsenden zwar sogar mehr Frauen als Männer. Andere wie Ungarn, Zypern und Litauen schicken dagegen fast ausschließlich Männer.

Wie sich der deutsche Teil des Europaparlaments im Detail verändern dürfte, zeigt der Blick auf die einzelnen Parteien.

Die Grünen werben mit einer „Liste, die die Vielfalt Europas zeigt und das Europaparlament jünger, weiblicher und bunter machen möchte“. Traditionell besetzen Bündnis 90/Die Grünen mindestens die Hälfte ihrer Positionen mit Frauen. Die Partei wird diesmal vermutlich mit einer ausgeglichenen Personalauswahl ins Parlament einziehen, nachdem im bisherigen Parlament die Frauen sogar in der Mehrheit waren. Auch das Versprechen, das Parlament zu verjüngen, werden die Grünen wohl einlösen: Das Durchschnittsalter der Abgeordneten sinkt laut Prognose von 56 auf 44 Jahre.

Die CSU macht ernst mit der Vorgabe ihres Parteichefs Markus Söder, „moderner, weiblicher und jünger“ zu werden. Die Christsozialen würden ihre 4 vorausgesagten Sitze paritätisch mit Männern und Frauen besetzen. Das Durchschnittsalter sinkt zwar von 58 auf 54 Jahre. Bleiben die Kandidaten allerdings bin zum Ende der fünfjährigen Legislaturperiode im Parlament, sind die bayerischen Abgeordneten sogar älter als derzeit.

Die SPD wird künftig sogar mit einer weiblichen Mehrheit im Plenum Platz nehmen. Die Zahl der Sozialdemokratinnen könnte dennoch von 14 auf 9 sinken, denn die Partei muss sich auf herbe Verluste einstellen: von 27 Parlamentssitzen drohen 10 verloren zu gehen.

Die Linke kann der Projektion zufolge ihre 7 Sitze verteidigen. Wie bisher werden 3 davon mit Frauen besetzt. Der Altersdurchschnitt sinkt von 62 auf 52 Jahre.

Die CDU hat zwar diesmal etwas mehr weibliches Personal im Angebot als zuletzt. Das ist allerdings auch nicht schwer, denn von den derzeitigen 29 Parlamentariern sind nur 5 Frauen. Künftig dürfte der Anteil leicht steigen, aber die Christdemokraten ziehen dennoch den Durchschnitt nach unten.

Die FDP wird ihren ohnehin kleinen Frauenanteil von einem Drittel voraussichtlich weiter reduzieren: Laut Projektion nehmen die Freidemokraten künftig mit 2 Frauen und 5 Männern im Europaparlament Platz. Dafür verjüngen sich die Liberalen wie keine andere Partei: Der Altersdurchschnitt dürfte von 63 auf 40 Jahre sinken.

Die AfD ist im Jahr 2014 mit 7 Mitgliedern ins Europäische Parlament eingezogen, hat aber 6 davon im Laufe der Legislaturperiode verloren. Nach der Abspaltung des ehemaligen Parteivorsitzenden Bernd Lucke und einiger anderer blieb nur der aktuelle Spitzenkandidat Jörg Meuthen übrig. Künftig wird Meuthen wieder einige Parteikollegen an seiner Seite haben: 11 Sitzen werden der Alternative für Deutschland zugetraut, auf 9 davon werden Männer Platz nehmen.

Neben den im Bundestag vertretenen Parteien werden wohl auch wieder einige kleine Parteien Mandate erringen, denn in Deutschland gilt erneut keine Sperrklausel. Die Freien Wähler, die Tierschutzpartei, die PARTEI und die Piratenpartei dürften jeweils einen oder zwei Sitzen erhalten. Unter den aussichtsreichen Kandidaten: 5 Männer und 1 Frau.

Wer sich noch nicht sicher ist, bei welcher Partei er oder sie das Häkchen setzen soll, findet im Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) eine Entscheidungshilfe.

Wahlomat

Auf unserer Themenseite finden Sie weitere Informationen zur Europawahl 2019.

Von Johannes Christ/RND

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