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Politik „Es ist in Sachen Logistik und Sicherheit alles getan“
Nachrichten Politik „Es ist in Sachen Logistik und Sicherheit alles getan“
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13:56 02.07.2017
Deutschlands Protokollchef für den G20-Gipfel: Jürgen Christian Mertens. Quelle: dpa
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Hamburg

„Es ist in Sachen Logistik und Sicherheit alles getan, was man vorbereiten kann. Von Protokollseite kann es losgehen, es sollte alles auf den Punkt klappen“, hofft Deutschlands Protokollchef für den Gipfel, Jürgen Christian Mertens. Als großen Unsicherheitsfaktor fürchtet Mertens nur eins: „Ein Unwetter.“

Herr Mertens, wer hat bei einem Gipfel in Deutschland protokollarisch die Hosen an?

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Wir, das Protokoll – in diesem Fall der Organisationsstab G20 im Auswärtigen Amt.

Und daran hält sich auch jeder?

Daran hält sich jeder. Natürlich greifen wir nicht in interne Abläufe einer Delegation ein. Aber die Hosen hat immer der Gastgeber an.

Und wie schafft man eine entspannende, beflügelnde Atmosphäre?

Erstens durch eine möglichst perfekte Vorbereitung. Und zweitens durch etwas nettes Landestypisches. Hamburg ist eine tolle Stadt mit Hafen, Elbphilharmonie und Franzbrötchen.

Es heißt immer, die saudischen Staatsgäste sind die Anstrengendsten. Mal wollten sie Kamele, dann sollen sie bei den Autovermietern alle dicken Mercedes-Limousinen pauschal gebucht haben.

Die Zusammenarbeit mit unseren saudischen Kollegen ist außerordentlich kooperativ und vollkommen spannungsfrei. Es ist sicherlich eine beeindruckend große Delegation, aber nicht mehr oder weniger herausfordernd als alle anderen. Über die Kamele weiß ich gar nichts. Zu den Autos sage ich nur so viel: Jeder Chef einer Delegation wird vom Bundeskriminalamt mit einem sondergeschützten Fahrzeug versorgt. Was die Delegation darüber hinaus für sich besorgen ist deren Sache.

Ist es das Ziel des Protokolls, dass die ausländischen Delegationen möglichst nichts von Demonstrationen mitbekommen?

Ich bin froh über die Arbeitsteilung. Wir sind für Protokoll, Organisation und Logistik zuständig. Auswahl und Sicherung der Transportwege liegen in den bewährten Händen der Hamburger Polizei. Wir haben kein Problem mit friedlichem Ausdruck der Meinungsfreiheit und wir wollen auch nicht alle von allem abschotten.

Wie steht es mit der Abteilung Schampus-Hummer-Sause. Worum werden Sie sich kümmern?

Wir sind zuständig für die Versorgung der Delegationen während der Veranstaltung, wir kümmern uns um die Essen der Staats- und Regierungschefs. Alles, was darüber hinaus stattfinden soll müssen die Delegationen selbst managen.

Sie sind einer der erfahrensten Protokollmeister. Das ist Ihr letzter großer Akt. Ist es auch der schwierigste?

Klar ist ein G20-Gipfel etwas anderes als ein Treffen mit sieben oder acht Delegationen. Ein G20-Gipfel mit insgesamt 36 Delegationen kann nicht irgendwo auf dem Land stattfinden. Dazu braucht man die Infrastruktur einer Großstadt. Es ist für mich eine besondere, aber sicher nicht die schwierigste Herausforderung – insgesamt aber ein toller Abschluss meiner Protokoller-Laufbahn.

Ist noch etwas ungeklärt?

Wir haben natürlich immer Fragen, die offen sind. Aber es ist in Sachen Logistik und Sicherheit alles getan, was man vorbereiten kann. Von Protokollseite kann es losgehen, es sollte alles auf den Punkt klappen.

Wie viel Gold und Brokat wurde ins Hamburger Gästehaus des Senats gebracht, um Trump zu erfreuen?

Gar nichts. Das Hamburger Gästehaus des Senats ist so verblieben, wie es ist. Die amerikanische Seite schätzt diese großzügige Geste des Hamburger Senats sehr.

Haben Sie einen Tipp für die Staatsgäste, wie man einen Smalltalk in Gang bringt, wenn man sich eigentlich nichts zu sagen hat?

Bei Staats- und Regierungschefs gibt es nie Momente, wo man sich sprachlos und themenlos gegenübersitzt. In den zehn Jahren, in denen ich das jetzt mache, habe ich so etwas noch nie erlebt.

Was ist Ihr G20-Alptraum?

Ein Unwetter. Das Wetter ist ein ganz großer Unsicherheitsfaktor

Was bekommen Sie als Abschlussprämie?

Nichts. Mir genügt es, wenn sich alle Staats- und Regierungschefs zufrieden und gut gelaunt verabschieden.

Was passiert, wenn die Zeit knapp wird, weil sich Gipfelteilnehmer verquatschen oder weil es politisch klemmt?

Es gibt natürlich für all solche Veranstaltungen ein sogenanntes Drehbuch. Das ist ein umfängliches Werk, ungefähr 120 Seiten dick. Da stehen zum Teil sogar Minutenabläufe drin. Wenn aber ein wichtiges Thema einer intensiveren Diskussion bedarf, dann muss man das hinnehmen. Für das Protokoll ist die gelebte Lage und Flexibilität der oberste Grundsatz.

Gibt es etwas bei dem Gipfel, was vor Ihnen geheim bleiben wird?

Natürlich kenne ich die Inhalte der Gespräche nicht. Aber über alles andere sollte ich Bescheid wissen. Sonst wäre etwas schiefgegangen.

Wie viel deutsche Protokollbeauftragte haben sich um den G20-Gipfel gekümmert?

Es gibt ein über 20-köpfiges Kernteam. In der heißen Phase wächst dieses Team auf über 150 an. Dazu kommen dann noch die sogenannten Hamburg-Ambassadors, freiwillig-helfende Hamburger Bürgerinnen und Bürger.

Von RND/Dieter Wonka

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