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Politik Ein Tag im Leben eines G-20-Polizisten
Nachrichten Politik Ein Tag im Leben eines G-20-Polizisten
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13:38 05.07.2017
Der Polizist Sascha Pramann ist rund um den G-20-Gipfel im Einsatz. Quelle: Marcus Stöcklin
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Hamburg

Morgens um 10 Uhr ist Dienstbeginn für Oberkommissar Sascha Pramann (39) von der Hamburger Polizei. Normalerweise arbeitet er als Schutzpolizist in Hamburg-Bergedorf. „Verkehrskontrollen, Feste absichern, Einbrecher jagen, solche Sachen.“ Während des G-20-Gipfels aber ist er Teil eines mobilen Kommunikationsteams. Ansprechpartner für die Bürger – und im Bedarfsfall zur Begleitung von Demonstrationen abgestellt. „Wir sind da, um Fragen zu beantworten, vor allem wenn es brenzlig wird. Der Schwarze Block sorgt bei Demos häufig für Verwirrung und gibt Falschinformationen. Wir wollen verhindern, dass die anderen Demonstranten sich mit denen solidarisieren.“

Eigentlich ist Oberkommissar Sascha Pramann Schutzpolizist im Hamburger Stadtteil Bergedorf. Doch wenn sich in der Hansestadt Staats- und Regierungschefs zum G-20-treffen, krempelt das auch den Alltag des Polizisten um. Wir haben ihn begleitet.

Im Zweifel keine leichte Aufgabe. Heute aber geht es darum, Flyer zu verteilen, Karten mit der Telefonnummer des Bürgertelefons, die Bürger zu informieren über das, was noch kommt in dieser Woche.

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Der Tag hat mit der Dienstbesprechung begonnen, dann ist Pramann mit zwei Kollegen in der S-Bahn zu den Magellanterrassen in der Hafencity gefahren, um das Gespräch mit den Bürgern zu suchen. Denn die Hafencity grenzt an den Sicherheitsbereich Elbphilharmonie, der am Freitag gesperrt wird. Einige Anwohner wissen noch nicht Bescheid. Pramann und seine Kollegen klingeln, geben Auskunft. Das dauert von 11 bis 12.15 Uhr. Dann kommen Betreuer von der Polizeigewerkschaft GdP und verteilen an die Polizisten am Infostand Eis am Stiel – eine willkommene Abwechslung. Einige Passanten bleiben am Infotisch stehen, stellen Fragen

„Wo soll das noch hinführen!“

Dann macht sich der Oberkommissar mit Polizeimeisteranwärterin Kristina Vogel (20) auf den Weg um den Block, mischen sich unter die Leute. Günther Schliesing (75) spricht die beiden Unifromierten an. „Moin! Haben Sie da was Interessantes für mich?“ Er deutet auf die Flyer. Das Auto lasse er jetzt schon lieber zu Hause, erzählt er. „Fahren Busse und S-Bahnen denn weiter ohne Einschränkung?“ Pramann nickt, im wesentlichen solle es so bleiben.

Drei Studentinnen der Medical School sind ebenfalls interessiert. Auch am Demotag seien die Magellanterrassen nicht gesperrt, erklärt ihnen Pramann. „Aber man sollte ein bisschen Zeit mitbringen, wenn man hier durch will.“

„Wo soll das noch hinführen!“, ruft Anita Pokorski (74) aus Rerik (Mecklenburg-Vorpommern), die bei ihrer Freundin Marlies Reudenbach (62) in Hamburg zu Besuch ist, um sich den Gipfel anzusehen – nicht zum Demonstrieren, betont sie. „Wenn man im Fernsehen sieht, was hier los ist. Unglaublich, was sich da zusammenbraut!“ Die Polizisten nicken. Für sie bedeutet die Gipfelwoche vor allem viel Arbeit, die Familie bleibt auf der Strecke. „Meine Lebensgefährtin arbeitet im Schichtdienst“, erzählt Pramann. „Die letzten Tage haben wir uns nur die Klinke in die Hand gegeben – wirklich gesehen haben wir uns nicht.“ Dabei habe er als Beamter mit Wohnsitz bei Hamburg es noch besser als viele andere Kollegen.

Der Verpflegungsbeutel

Inhalt: Eine Dose mit Pumpernickel-Brot, eine Salzbrezel, eine Dose Fleischwurst, eine Dose Bierwurst, drei Butterportionen (je 20 Gramm), ein Schoko-Müsliriegel, ein Plastikbeutel, eine Portion Nutella (15 Gramm), Erdbeermarmelade (25 Gramm), zwei Buko-Frischkäse (je 20 Gramm), ein Stück Gouda (50 Gramm), ein Tüthen Tomatenketchup, ein Tütchen Senf mittelscharf, 4 Böklunder Würstchen, eine Dose Pringles (40 Gramm).

Zusammen rund 2500 Kalorien, gedacht als Zusatzverpflegung für einen Tag – notfalls auch als Alleinverpflegung.

„Ich helfe gern“

Gegen 14 Uhr fahren Sascha Pramann und Kristina Vogel mit der S-Bahn zurück ins Dienstgebäude. In der Kantine gibt es “Bauernfrikadelle“ mit Erbsen, Möhren und Kartoffelbrei. Um 16.45 Uhr sind sie zurück am Infostand. Bis 19 Uhr bleiben sie dort an diesem Tag noch ansprechbar.

„Ask me! G 20 – ich helfe gern“ steht auf einem Button an Pramanns blauer Weste. Darunter am Gürtel trägt er seine Walther-Dienstpistole, Kaliber 9 Millimeter, Handschellen, Reservemagazin, Pfefferspray. „Wie ein richtiger Polizist eben“, bemerkt er lachend. Gelassenheit sei Trumpf in seinem Job, auch wenn man mal beschimpft werde. Wie neulich von dem Fahrradfahrer, der im Vorbeifahren brüllte: „Verpisst euch!“ Da müsse man hanseatische Gelassenheit bewahren. Pramann zuckt die Schultern. „Wenn es ihm dann besser geht!“ Sei aber die Grenze zur Straftat überschritten, müsse gehandelt werden. „Da sind wir echte Polizisten.“

Von Marcus Stöcklin/RND