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Nachrichten Politik Sozialdemokrat gibt nach 18 Jahren Bundestag-Comeback
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16:53 04.10.2019
Eberhard Brecht zusammen mit der Vizepräsidentin des europäischen Parlamentes, Katarina Barley (beide SPD). Quelle: Brecht
Berlin

Eberhard Brecht will sich in Berlin ein Hotelzimmer nehmen. Eine Wohnung sei „schon aus Kostengründen keine Option“, sagt er am Telefon. Aus dem Hotel kommend wird er sich morgens in Richtung Bundestag begeben, seinen neuen Arbeitsplatz. Das Ganze wird, wenn es regulär zugeht, zwei Jahre dauern. Wenn es nicht regulär zugeht und Brechts Partei, die SPD, aus der großen Koalition aussteigt, dann könnte bereits im Frühjahr wieder Schluss sein.

Dabei ist das Besondere an Brecht nicht, dass er erst zur Mitte der Legislaturperiode ins Parlament einrückt und schon 69 Jahre alt ist. Nachrücker gibt es öfter. Und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) ist acht Jahre älter als Brecht. Das Besondere ist, dass er von 1990 bis 2001 schon mal Abgeordneter war und fast 20 Jahre später ein Comeback gibt. Das ist einmalig.

Politik ist ein Geschäft auf Zeit.

Eberhard Brecht; künftiger SPD-Bundestagsabgeordneter

Brecht wurde 1950 in Quedlinburg geboren, machte Abitur und erwarb in Leipzig ein Diplom als Physiker. Im September 1989 trat der bis dahin Parteilose ins Neue Forum ein, wechselte zur SPD, rutschte zunächst in die erste und letzte frei gewählte Volkskammer der DDR und anschließend in den Bundestag, wo er den Beginn der rot-grünen Koalition und den Kosovo-Krieg begleitete. Eine typische Wende- und Nachwende-Karriere. Aus der Bundespolitik bewarb sich Brecht um das Amt des Quedlinburger Oberbürgermeisters. Er wurde gewählt, 2008 bestätigt und ging 2015 in Pension.

Doch weil sich 2017 kein jüngerer Kandidat fand, was wegen der geringen Mitgliederzahlen politischer Parteien im Osten kein Einzelfall ist, und der Magdeburger Abgeordnete Burkhard Lischka nun auf sein Mandat verzichtete, rückt Brecht ein viertes und vermutlich letztes Mal in den Bundestag ein. In der SPD-Fraktion kennt er nur noch vier bis fünf Leute persönlich.

Kritik an „westlichen Politikerkarrieren“

Als Brecht 2001 aus dem Hohen Haus ins Rathaus wechselte, sagte ihm jemand: „Sie werden es künftig nicht mehr mit Kofi Annan (dem damaligen UN-Generalsekretär) zu tun haben, sondern mit den Mitarbeitern der Kläranlage.“ Der künftige Kommunalpolitiker erwiderte: „Das Gespräch mit den Mitarbeitern der Kläranlage hat unmittelbare Folgen. Das macht den Charme der Kommunalpolitik aus.“ Überhaupt findet der Vater von drei Kindern, Politik sei „ein Geschäft auf Zeit“, und „die westlichen Politikerkarrieren“ – bekannt als Trias Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal – seien längst „ein Teil des Problems in der Dialogunfähigkeit zwischen Politik und Bürgern“.

Allerdings weiß Brecht aus Erfahrung, dass man den Bundestag gut kennen muss, um in ihm effektiv arbeiten zu können. So kam der Sozialdemokrat seinerzeit erst nach fünf bis sechs Jahren „an den Punkt, an dem ich dachte: Jetzt kannst du richtig gestalten.“ Demnächst muss er sich einerseits wieder „hinten anstellen“ und andererseits schneller warm werden.

In der GroKo will er bleiben

Radikal anders ist das Umfeld. Als er 1990 nach Berlin kam, empfand Brecht die Ostdeutschen als „hoch politisiert und politisch hoch gebildet“. Als er 2001 ging, hatte er „das Gefühl, dass zwischen Politik und Bürgern eine Riesendistanz existiert“, die sich jedoch lediglich „als Maulen“ artikuliert habe. 2019 herrsche offener Protest in Gestalt der AfD. Schon was als wahr und unwahr gelten könne, stehe „in der Diskussion“. „Ich sehe das als Verschärfung.“

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So freut sich Eberhard Brecht zwar „riesig auf die neue Herausforderung“. Er zählt in der SPD zu jenen, die die GroKo noch wollen. Nur: Wenn sie doch auseinanderfliegen sollte, dann hätte er keine Wohnung, sondern bloß ein Büro und ein Hotelzimmer aufzulösen. „Das“, sagt er, „nehme ich hin.“

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Von Markus Decker/RND

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