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Politik Die kaputten Regenschirme Hongkongs
Nachrichten Politik Die kaputten Regenschirme Hongkongs
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16:29 04.12.2017
Im Jahr 2013 waren die Straßen Hongkongs noch voller Demonstranten. Quelle: picture alliance / Alex Hofford/
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Hongkong

Selbst im Protest wahrten die Demonstranten damals die Höflichkeit. Die um den Erdball rauschende Formulierung von der Regenschirm-Revolution hießen die Bürger Hongkongs nicht gut. Vielmehr war es eine Regenschirm-Bewegung, mitunter war auch die Bezeichnung der höflichen Revolution zu hören. So reich die Anzahl an Formulierungen für den im Jahr 2014 beginnenden Protest war, so ungewöhnlich waren auch die Begleiterscheinungen. Die Protestierenden wappneten sich nicht nur mit Regenschirmen gegen Sonne, Regen und das Pfefferspray der Einsatzkräfte, sie räumten hinter ihrem Demonstrationszug auch den Müll weg und legten gegenüber den Polizisten eine überraschende Höflichkeit an den Tag.

China wollte den Bürgern eine Marionette Pekings zur Wahl stellen

Alle teilnehmenden Bürger Hongkongs einte damals der Unmut über den Beschluss, den der Nationale Volkskongress in Peking Ende August 2014 fasste. Dieser sah vor, dass künftig ein vom chinesischen Staat gebildetes Komitee die Kandidaten zur Wahl des Hongkonger Verwaltungschefs festlegen sollte, noch bevor die Einwohner Hongkongs über die Mandatsträger abstimmen konnten.

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Der Aktivist Joshua Wong muss sich am kommenden Donnerstag erneut vor Gericht verantworten. Quelle: AP

Drei Jahre später ist aus den Zehntausenden ein unerbittlich kämpfender Bruchteil geworden. Der großen Mehrheit wurde die letzte Hoffnung auf ein Ende der Einmischung Pekings mit der Haftstrafe ihrer Symbolfigur Joshua Wong genommen, der im August zu einer mehrmonatigen Haftstrafe verurteilt worden war. Zwar kam der 21-Jährige im Oktober gegen Auflagen wieder frei, muss sich jedoch am kommenden Donnerstag erneut vor Gericht verantworten. Für Erstaunen hatte diesbezüglich gesorgt, dass die Hongkonger Staatsanwaltschaft Berufung gegen das in ihren Augen zu milde Urteil gegen den jungen Aktivisten eingelegt hatte.

Für Venus Chung, die regelmäßig an Protestmärschen teilnimmt, ist die stetig abnehmende Teilnehmerzahl der Demonstrationsmärsche nicht überraschend, da viele Menschen in Hongkong eine Protestmüdigkeit entwickelt hätten. Der Grund sei, dass die Bewegung ihr Ziel des allgemeinen Wahlrechts bei der Wahl des Generaldirektors, des ranghöchsten Politikers der Stadt, nicht erreicht hätte.

Das Prinzip „Ein Land, zwei Systeme“ sehen die Aktivisten bedroht

Großbritannien hatte seine ehemalige Kronkolonie Hongkong 1997 an China zurückgegeben. Nach dem Prinzip „Ein Land, zwei Systeme“ wurden Hongkong dabei für 50 Jahre Freiheiten und Rechte garantiert, die es in der Volksrepublik nicht gibt. Die Demokratiebewegung wirft Peking jedoch vor, sich zunehmend in die Angelegenheiten Hongkongs einzumischen und damit Autonomievereinbarungen zu verletzen.

Von RND/krö/dpa