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Politik Die Ärzteplage
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22:00 17.10.2017
Warten auf Patienten – weil es zu viele Ärzte gibt? Quelle: dpa
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Berlin.

Es gibt immer mehr Krankenhausärzte. 66,7 Prozent mehr in 15 Jahren, um genau zu sein. Doch die Zahl der zu behandelnden Fälle pro Arzt sinkt. Das heißt, es fehlt an Patientenmaterial. Hier müsste die Politik eingreifen.

Warum sollen junge Menschen ihre Zeit mit einem ewig langen Medizinstudium vergeuden, wenn sie als Patienten später ein gutes Auskommen haben könnten? Patient muss Ausbildungsberuf werden, es reicht nicht zu sagen: „Immer wenn ich so mache, dann tut es hier unter weh.“ Man sollte den Arzt auch mit spannenden Symptomen erfreuen. Und dazu braucht man unbedingt eine fundierte Ausbildung.

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Die vielen Mediziner in Deutschland sind übrigens sehr ungleich verteilt. 90 Prozent der niedergelassenen Ärzte konzentrieren sich auf Berlin, Hamburg, München und Frankfurt. Häufig teilen sich dort vier Ärzte einen Privatpatienten. Man kann von einer echten Ärzteplage sprechen. Sobald sich in der Großstadt jemand räuspert, ist er von HNO-Ärzten umgeben, die ihre Dienste anbieten. Es kommt zu regelrechten Treibjagden auf Passanten, die den Fehler gemacht haben, sich die Schulter zu reiben. Wie aus dem Nichts taucht ein Rudel Orthopäden auf, die den Spaziergänger müde hetzen und ihn dann nach allen Regeln der Kunst zwangsoperieren.

Andererseits arbeiten aber in Krankenhäusern immer weniger Pflegekräfte, die sich um immer mehr Fälle kümmern müssen. Wenn der Mediziner also seine Arbeit getan hat, bleibt der Patient mehr oder weniger sich selbst überlassen, wird nicht richtig gesund und muss zurück zu den Ärzten, von denen es aber ja glücklicherweise mehr als genug gibt.

Hans Zippert ist Satiriker und Autor.

Von Hans Zippert

17.10.2017