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Politik Deshalb wollten die USA Atombomben auf eine Kleinstadt in Sachsen abwerfen
Nachrichten Politik Deshalb wollten die USA Atombomben auf eine Kleinstadt in Sachsen abwerfen
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22:26 14.05.2019
Das undatierte Foto zeigt einen Atompilz nach der Explosion über dem Testgelände in der Wüste von Nevada. Quelle: dpa
Borna

Es ist eine unglaubliche Vorstellung: Wäre es in den Hoch-Zeiten des Kalten Kriegs zu einer militärischen Auseinandersetzung zwischen Ost und West gekommen, wären auch über der Kleinstadt Borna drei Atombomben abgeworfen worden. Das geht aus geheimen Planungspapieren des Strategischen Luftkommandos der USA hervor, über die der MDR kürzlich berichtete. Von Borna wie von der gesamten damaligen DDR wäre dann wohl nichts mehr übrig geblieben.

„Als ich den Beitrag gesehen habe, hatte ich Bammel“, sagt Thomas Bergner der „Leipziger Volkszeitung“. Der 52-Jährige, Mitarbeiter des Bornaer Museums und ausgewiesener Experte in Sachen Bornaer Stadtgeschichte, wusste wie wohl alle Bornaer nichts von den Plänen der Strategen im Pentagon in Washington. Die planten im Jahr 1956, im Fall der Fälle 258 Städte in der DDR zu bombardieren. Allein auf Leipzig sollten 37 Atombomben fallen.

Kreis Borna industriell bedeutend im Bezirk Leipzig

Dass Borna zu den Zielorten gehören sollte, hat mit der wirtschaftlichen Bedeutung der Stadt und des Kreises zu tun. Der galt im damaligen Bezirk Leipzig immerhin als der industriell bedeutendste. Auf der Zielliste stand dabei ein Braunkohle-Tagebau, nach Ansicht von Stadthistoriker Bergner der damalige Tagebau Süd, die heutige Adria.

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Auch im Visier: die Kaserne in der heutigen Stauffenbergstraße, die damals und bis zur Wende den passenden Namen Straße der Roten Armee trug, in der die Soldaten der Sowjetarmee untergebracht waren. Wobei die Straße bis Anfang der 50er-Jahre noch abgesperrt war, so dass der Durchschnittsbornaer nicht einfach an der Russenkaserne, wie die Gebäude des einstigen sächsischen Karabinierregiments im Volksmund hießen, vorbeispazieren konnte.

Bahngleis von Borna nach Geithain demontiert

Es waren überhaupt ganz besondere Jahre, die Zeiten nach dem Krieg, in denen der Wiederaufbau der Industrie begann. So war das Espenhainer Werk nach Jahren als Sowjetische Aktiengesellschaft (SAG) Anfang der 50er-Jahre in einen Volkseigenen Betrieb (VEB) umgewandelt worden. Unübersehbar auch, was die Sowjets als Reparationen abgebaut und mitgenommen hatten. Dazu gehörte ein Gleis der Eisenbahnstrecke von Borna nach Geithain, woran sich bekanntlich bis heute nichts geändert hat.

Genauso verhält es sich mit der so genannten Querbahn, wie Thomas Bergner sagt. Dabei handelte es sich um eine Eisenbahnverbindung, von der sich heute nur noch träumen lässt – und zwar direkt von Borna über Großbothen nach Grimma. Die war im Jahr 1937 nach jahrzehntelangen Planungen in Betrieb genommen worden und wurde auf Geheiß der sowjetischen Sieger zehn Jahre später abgebaut.

Borna lockte in den 50er-Jahren Leute an

Die 50er-Jahre, in denen Borna ins Visier der US-Militärs rückte, waren eine Zeit, in der die durchaus lukrative Beschäftigung im Bergbau Leute aus der gesamten DDR nach Borna lockte. Andererseits, so Bergner weiter, setzten sich bis zum Mauerbau am 13. August 1961 auch viele Bornaer Richtung Westen ab. Die Stadt hatte in diesen Jahren, noch ohne die heutigen nördlichen und südlichen Ortsteile, etwa 15.000 Einwohner – so viele wie auch heute in der Kernstadt Borna leben.

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Von Nikos Natsidis/RND

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