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Politik Der Schutzmann des Gipfels
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17:23 05.07.2017
Alles im Griff: Thomas Przybyla aus Hannover, G-20-Einsatzleiter der Bundespolizei. Quelle: Marco Tripmaker
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Hamburg

Mit forschen Schritten betritt der Mann mit dem beinahe unaussprechlichen Namen den Raum im riesigen Bürohaus in der Hamburger City-Nord: Thomas Przybyla (56) aus Hannover, verheiratet, drei Kinder und während des G-20-Gipfels Einsatzleiter für die Bundespolizei. „Entschuldigen Sie die Verspätung, aber wir hatten Lagebesprechung“, sagt er und drückt zur Begrüßung kräftig die Hand.

Przybyla ist während des G-20 verantwortlich für 3800 Bundespolizisten aus ganz Deutschland: Sie schützen den Flughafen sowie Bahnhöfe und Bahnanlagen. „Eine hochkomplexe Aufgabe“, sagt der Einsatzleiter.

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Eine neue Drohne soll ausprobiert werden

Dort wo ein Versicherer sonst Lebens- oder Zahnzusatzversicherungen verkauft, hat sich der mehrere hundert Mitarbeiter starke Führungsstab der Bundespolizei auf zwei Etagen eingerichtet. Schon zum OSZE-Gipfel Ende vergangenen Jahres hatte man hier am Überseering sein Quartier aufgeschlagen, ganz in der Nähe des zu schützenden Flughafens in Fuhlsbüttel.

„Der Airport ist mit seinen 18 Kilometern Zaun und 570 Hektar ein ganz besonders sensibler Bereich. Wir werden dort an den Ankunfts- und Abflugtagen der Politiker und Delegierten bis zu 600 Kräfte stationieren, um die Sicherheit im Flughafengebäude und auf dem Vorfeld zu garantieren“, sagt Przybyla, der sein Team gut gerüstet sieht. Die Bundespolizei verfügt während des G-20 allein über 17 Hubschrauber, von denen viele zum Observieren über dem Flughafen kreisen werden. Auch eine neue Drohne soll ausprobiert werden. Grundsätzlich gilt: Vor dem Zaun ist die Landespolizei zuständig, dahinter die Bundespolizei. „Eine hervorragende Zusammenarbeit“, so Przybyla.

Neuralgische Punkte sind die Fernbahnhöfe

Welche Szenarien am Flughafen denkbar sind, darüber hüllt sich der Einsatzleiter weitgehend in Schweigen, „um nicht noch Anleitungen für radikale Aktivisten anzubieten. Aber wir haben eine Vorstellung davon.“ Aufsteigende Luftballons würden unter Umständen schon ausreichen, um den Flugbetrieb zu stören. Mit Kameras, die rund um den Airport auf Gebäuden oder an Masten montiert wurden, will man die Lage im Blick behalten.

Weitere neuralgische Punkte sind die Fernbahnhöfe Harburg, Dammtor, Bergedorf, Altona und der Hauptbahnhof. Auch dort werden etliche Einsatzkräfte stationiert sein. Am Donnerstagmorgen um 6.15 Uhr soll ein Sonderzug mit 1000 Aktivisten aus Basel eintreffen, alle sollen bereits in Basel grenzpolizeilich gecheckt werden, um später keine unliebsamen Überraschungen zu erleben.

Ebenfalls knifflig: der Passagierwechsel auf dem Kreuzfahrtschiff „Aidaprima“ am Sonnabend. „An diesem Tag wird sich im öffentlichen Nahverkehr einiges vermischen. Darauf sind wir eingestellt“, so Przybyla. Um die Bahnhöfe parkende Lieferwagen und Autos, die beladen mit Sprengstoff eine mögliche Terrorgefahr darstellen könnten, würden übrigens nicht entfernt. „Eine 100 prozentiger Sicherheit gibt es nicht“, sagt der Bundespolizist, der bereits den Einsatz bei der Expo 2000 in Hannover oder Castor-Transporte verantwortet hat.

Im Notfall ruft Przybyla die GSG9

Die Bundespolizei wird während des Gipfels insgesamt 190 Kilometer Bahngleise überwachen, darunter allein 90 Kilometer S-Bahn-Gleise. Sabotagefälle sollen unbedingt verhindert werden, damit der Verkehr nicht komplett zusammen bricht - ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf die Bahnstrecken direkt hinter dem Veranstaltungsort Messehallen. Dort wurde bereits großflächig mit Gittern abgesperrt.

„Ein Ausfall hier in Hamburg hätte natürlich Folgen auf den gesamten Bahnverkehr in Deutschland“, so Przybyla, der auch die Spezialeinheit GSG9 im Einsatz haben wird. „Alles was in Deutschland an Anti-Terror-Expertise zur Verfügung steht, wird auch in Hamburg sein“, hatte bereits Hamburgs Innensenator Andy Grote im RND-Interview angekündigt.

„Ich glaube, wir haben ein sehr gutes Konzept, damit der Gipfel sicher über die Bühne gehen kann“, sagt Thomas Przybyla, steht auf und verabschiedet sich wieder mit einem kräftigen Händedruck. Die nächste Besprechung im rund um die Uhr besetzten Lagezentrum ruft.

Von Marco Tripmaker

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