Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Politik SPD-Politiker Martin Schulz brachte Ermittler auf die Spur der Hacker
Nachrichten Politik SPD-Politiker Martin Schulz brachte Ermittler auf die Spur der Hacker
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:53 04.01.2019
Ex-SPD-Chef Martin Schulz: unbekannte Anrufer auf dem Privathandy. Quelle: Wolfgang Kumm/dpa
Berlin

Die massenhafte Veröffentlichung privater Daten von Politikern und Künstlern ist durch Anrufe von Unbekannten bei dem SPD-Politiker Martin Schulz bekannt geworden. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur und beruft sich auf Informationen aus Sicherheitskreisen. Den Angaben zufolge hatte ein Mitarbeiter des ehemaligen SPD-Spitzenkandidaten am Donnerstag der Polizei in Aachen mitgeteilt, Schulz sei von Fremden auf seiner nicht öffentlich zugänglichen Nummer angerufen worden. Daraufhin wurde den Angaben zufolge auch das Landeskriminalamt von Nordrhein-Westfalen aktiv. Der Bundestag erfuhr dann in der Nacht, dass auch zahlreiche andere Abgeordnete betroffen sind.

Lesen Sie auch: Was wir über den Hackerangriff wissen

Aufgewacht ist das nach den Feiertagen noch sehr dünn besiedelte politische Berlin dann erst am Freitagmorgen. Viele Abgeordnete hörten am Morgen eher zufällig, manche aus den Medien, dass auch von ihnen Handynummern, zum Teil auch Chat-Nachrichten, im Netz kursierten. „Was steht denn von mir drin?“, fragt ein Bundestagsabgeordneter, als ihn eine Journalistin anruft. Es herrscht maximale Verunsicherung.

Darauf, dass die Daten aus dem Netz des Bundestages abgeschöpft wurden, gibt es bisher keinen Hinweis. Auch für einen Hackerangriff auf das Netz der Bundesregierung spricht zunächst nichts. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), der zwar Mitglied der Regierung aber kein Abgeordneter ist, zählt denn auch nicht zu den Betroffenen. Viel dürfte bei ihm ohnehin nicht abzuschöpfen sein. Denn der 69-Jährige ist kein „digital native“.

Einen Skandal gibt es bislang nicht

Eine hohe politische Brisanz wie bei den Veröffentlichungen geheimer Regierungsdokumente durch Wikileaks hat die „Adventskalender“-Aktion nicht. Eine erste Durchsicht der verbreiteten Daten fördert auf jeden Fall - anders als bei den Veröffentlichungen der Enthüllungsplattform - keinen politischen Skandal zutage.

Überhaupt wirkt der inzwischen gesperrte Twitter-Nutzer „G0d“, der die Daten veröffentlich hat, vor allem wie einer, der sich wichtig machen will. „Bald kommt das Adventskalender-Event! Seid gespannt, könnte für manche zu heftig werden“, schreibt der User am 24. November. Am 1. Dezember geht es dann - wie versprochen - los.

Lesen Sie auch: Hackerangriff: Mit diesen Tipps schützen Sie sich

Doch die von da an Tag für Tag veröffentlichten Telefonnummern, Adressen und sonstigen sensiblen Daten von Fernsehjournalisten, Satirikern, deutschen Rappern und YouTubern schrecken in der Online-Welt zunächst niemanden so richtig auf. Vielleicht auch, weil erst kaum jemand von der Aktion Notiz nimmt. Selbst dann nicht, als auf dem Twitter-Account am 20. Dezember Links zu einer Liste mit Daten von Politikern der FDP auftaucht. Bis zum Heiligabend folgen weitere Listen mit Nummern, Chats und Adressen von Politikern aller anderen im Bundestag vertretenen Parteien mit Ausnahme der AfD. Erst die Anrufe bei Schulz bringen die Sache ins Rollen.

Sind Karten für eine Erotik-Messe wirklich interessant?

Auch wenn dabei bislang kein Skandal aufgedeckt wurde: Unangenehm ist es für die Betroffenen schon, wenn Fremde nachlesen können, wie sie mit ihren Kindern reden. Oder wenn Abgeordnete im Chat über Parteifreunde lästern. Ob sich ein bundesweit nicht bekannter Politiker wirklich eine Karte für eine Erotik-Messe gekauft hat, wie der Datendieb in seiner Veröffentlichung nahelegt, ist wahrscheinlich nur für einen sehr eng begrenzten Kreis von Menschen von Interesse.

Wobei einige der Daten auch nicht mehr ganz taufrisch sind. Der Manager von Moderator Jan Böhmermann erklärt, man habe die Veröffentlichungen am Donnerstagabend durchgesehen. Nach einer ersten Einschätzung des Managements handelt es sich um Daten, die nicht aktuell sind - manche sogar sehr alt. Böhmermanns derzeitige Adresse etwa finde sich nicht darunter. Die Daten könnten aus einem älteren Cyberangriff stammen. Einen solchen habe es etwa vor einem halben Jahr auf ein Mail-Konto Böhmermanns gegeben, sagte der Manager. Das habe man damals auch den Behörden gemeldet. Böhmermann ist nicht der einzige prominente TV-Satiriker, den sich „G0d“ für seine Aktion ausgeguckt hat.

Da eine unerlaubte Veröffentlichung in der Regel unangenehm ist, kann man womöglich davon ausgehen, dass der Datendieb sich gezielt Prominente ausgesucht hat, die er nicht mag. Seine Auswahl lässt vielleicht auch Rückschlüsse auf seine politische Einstellung und auf sein Alter zu. Wer sich seinen Twitter-Account anschaut, kann dahinter einen jungen, politisch eher rechts zu verortenden Menschen vermuten, der die Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Medien durch den Rundfunkbeitrag kritisch sieht, in der Gamer-Szene unterwegs ist und Feminismus nicht mag. Vielleicht hat er auch etwas gegen Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge. Wer der User wirklich ist, darauf geben die zuständigen Sicherheitsbehörden, die nach anfänglichen Startschwierigkeiten jetzt in den Vorwärts-Modus gewechselt haben, bislang keine Antwort.

Die einzige Partei, die nicht betroffen ist, ist die AfD

Die AfD ist - zumindest bisher - die einzige im Bundestag vertretene Partei, deren Politiker von dem Datenklau nicht betroffen sind. Erfahrungen mit der Veröffentlichung privater Daten haben die Rechtspopulisten allerdings schon reichlich. Auf einer linken Website tauchten 2016 während ihres Bundesparteitages in Stuttgart private Adressen von Parteimitgliedern auf. Mehrere Chats von Parteimitgliedern - einige mit rechtsradikalen, andere mit peinlichen privaten Inhalten - wurden in der Vergangenheit Medienvertretern zugespielt.

Immerhin: Die Fremden, die Martin Schulz anriefen, sollen nicht unfreundlich gewesen sein. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen war der Ton der Unterhaltungen „weder bedrohlich noch beleidigend“.

Hackerangriff auf Politiker, Journalisten, Musiker

Erstmeldung: Hackerangriff - Persönliche Daten hunderter Politiker verbreitet

Fakten zum Datenklau: Was wir über den Hackerangriff wissen

Erste Hilfe: Mit diesen Tipps schützen Sie sich beim Surfen im Netz

Reaktionen: Hackerangriff löst Empörung in der Politik aus

Interview: Hackerangriff – Experte sieht Verbindung in Gaming-Szene

Von ani/dpa/RND

Bei der Zusammenkunft des neuen Kongresses zeigt sich in Washington eindrucksvoll das andere Amerika. Doch am Abend meldet sich die harte Realität zurück – in Form eines unbelehrbaren Präsidenten.

04.01.2019

Beamte aus England, Schottland und Wales bereiten sich einem Bericht zufolge auf einen Einsatz in Nordirland vorbereitet. Im Falle eines harten Brexits sollen sie etwa Unruhen eindämmen.

04.01.2019

Über die Zukunft von Hartz IV ist eine heftige Debatte entbrannt. Dabei ist die Zahl der Haushalte, die in Grundsicherung sind, gesunken. Dass dies gerade jetzt gelungen ist, halten viele für bemerkenswert – aus guten Gründen.

04.01.2019