Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Politik Boris Palmer bei Plasberg: „Die Grünen treiben Wähler zur AfD“
Nachrichten Politik Boris Palmer bei Plasberg: „Die Grünen treiben Wähler zur AfD“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:59 14.05.2019
Boris Palmer war zu Gast bei „Hart aber fair“ (Archivbild) Quelle: imago images / Jürgen Heinrich
Berlin

Noch eine ganze Sendung über Populismus – kann man machen. Frank Plasberg hat es am Montagabend bei „Hart aber fair“ versucht. Statt über unbequeme Wahrheiten stritten die Teilnehmer allerdings zu lange über alte Kamellen.

Das Thema

„Wie viel Populismus verträgt die Politik?“, fragt Frank Plasberg und hat seine Sendung um ein politisches Sachbuch herumgebaut. „Lasst uns Populisten sein“, fordert der „Bild“-Journalist Ralf Schuler (Herder Verlag). „Populismus ist die Grundzutat jeder Politik. Aber Populismus gehört in die Mitte der Gesellschaft, nicht an die Ränder“, sagt Schuler. Oder soll man es lassen?

Die Gäste

Neben Schuler waren ursprünglich drei Politiker eingeladen, die mit dem Populismus verheiratet sind oder zumindest heftig flirten: Guido Reil, AfD-Kandidat für die Europawahl. Boris Palmer, grüner Oberbürgermeister von Tübingen und der Gottseibeiuns seiner Partei. Kevin Kühnert, Juso-Vorsitzender, der klassische Juso-Thesen vertritt. Über linken Populismus au Kevin konnte Plasberg dann nicht diskutieren, weil eine Grippe den Juso-Chef ans Bett fesselte. Guido Reil wird aufgeatmet haben, die letzte Begegnung mit Kühnert bei „Markus Lanz“ hat er in schlechter Erinnerung. Reil war unvorbereitet und warf hinterher dem ZDF vor, gemeinsame Sache mit Kühnert gemacht zu haben, der ihn vorführte. Dazu kamen die schlagfertige ARD-Moderatorin Isabel Schayani und der durchsetzungsstarke österreichische Politikwissenschaftler Peter Filzmaier.

Die klassische Tragödie des Abends

Filzmaier ging erstmal ganz weit zurück bis zu dem antiken griechischen Philosophen Aristoteles: Auch der habe schon gewusst dass Politik eine Mischung aus Sachargument und Vereinfachung, also Rhetorik, sei. Aber Aristoteles habe auch gewarnt: Politiker dürften ein Mindestmaß an Seriosität nicht unterschreiten und ein Höchstmaß an Populismus nicht überschreiten. „Das kann jeder Politiker mal privat vor dem Spiegel ausprobieren“, schlug er vor.

Reil kam schnell zu dem Schluss, er sei ein Populist: „Wir schauen dem Volk aufs Maul.“ Palmer wies das interessanterweise weit von sich, und Schuler zweifelte am Sinn von Filzmaiers Methode: Die meisten Politiker würden sich selbst glauben, was sie vor dem Spiegel erzählen. „Der Populismus ist so stark, weil die anderen opportunistisch sind. Deshalb glaubt man den etablierten Politikern nichts mehr.“ Was Schuler vor dem Spiegel macht, ist nicht bekannt.

Der Kracher des Abends

Wie stark Boris Palmer an seinen Grünen leidet (und umgekehrt), wurde in der Diskussion um seinen Bahn-Kommentar überdeutlich. „Sobald ich mal eine gesellschaftliche Mittelposition einnehme, kommt die Kavallerie und ich werde mit Rassismusvorwürfen niederkartätscht“, erregte sich der Tübinger und beklagte gar „jakobinische Verdammungsorgien“. So blutrünstig und kriegerisch wirken die verwuschelten Habeck/Baerbock-Erfolgsgrünen sonst eigentlich gar nicht. Aber Palmer meint ja auch vor allem Claudia Roth. Und schob noch einen hinterher: „Ich will, dass meine Partei aufhört, immer mehr Leute zur AfD zu treiben.“

Schuler sprang Palmer bei: Dessen Kommentar zur Bahn-Werbung sei „praktizierte Populismus-Prävention“. Als gelernter DDR-Bürger widerstrebe ihm Werbung besonders, die ein bestimmtes Menschenbild transportieren solle. Plasberg tat seinem themengebenden Gast den Gefallen und blendete ein DDR-Propagandaplakat mit einem lächelnden Traktoristen ein. Dass sich vor Boris Palmer niemand, noch nicht einmal die üblichen Verdächtigen, an den Werbeträgern der Bahn gestört hatte, blieb unerwähnt.

Die Heimatkunde des Abends

ARD-Moderatorin Isabel Schayani versuchte Reil mit Ruhrgebiets-Charme etwas Tiefgründigeres zu entlocken: „Wir kommen beide aus Essen“, leitete sie eine Frage ein. „Sie aus dem Norden, ich aus dem Süden.“ Von Reil kam nur: „Habe ich mir fast gedacht.“ Nördlich des Ruhrschnellwegs wohnen in Essen die Malocher, südlich die Bürger.

Schayani fragte weiter: „Unter Tage hilft einer dem Anderen. Was ist dort passiert, dass sie jetzt gegen die Leute sind, mit denen sie unter Tage waren?“ Sie meint die muslimischen Einwanderer im Ruhrgebiet. Reil konterte, die alteingesessenen Migranten hätten nichts gegen die AfD: „Die Türken wollen das alte Deutschland zurück.“ Was er konkret gegen den Islam hat, führte Reil dennoch nicht aus. Auch Plasberg interessierte das nicht. Reil durfte sich aber wortreich beklagen, dass er den Awo-Seniorenbus in Essen nicht mehr fahren darf.

Der Lehrsatz des Abends

„Für “das Volk” sprechen zu wollen, ist übelst populistisch. Es gibt kein Thema, bei dem sich alle einig sind.” Trocken und präzise nahm der Politologe Filzmaier der Diskussion den Wind aus den Segeln. Das geschah schon nach einer Viertelstunde. Die Sendung musste da noch 60 Minuten überbrücken. Für Kollektivierungs-Kevin wäre noch massig Zeit gewesen.

Von Jan Sternberg/RND

Politik Kommentar Verfassungsschutz und rechte Netzwerke - Der neue Verfassungsschutz-Chef blickt nach rechts

Rechtsextreme Netzwerke werden präsenter und gewaltbereiter. Unter seinem neuen Chef Thomas Haldenwang nimmt der Verfassungsschutz dies nun in den Fokus. Dazu muss er auch in die Vergangenheit blicken, kommentiert Jörg Köpke.

14.05.2019

Immer wieder gibt es in den Reihen der Polizei Probleme mit Rechtsextremismus. Der Chef des Bundeskriminalamtes will den Tendenzen mit einer klaren Halten entgegentreten.

14.05.2019

Wer Angestellter oder Beamter des Staates werden will, bei dem kann gefragt werden, ob er dem DDR-Ministerium für Staatssicherheit gedient hat. Bisher geht das nur bis Ende 2019. Die Frist soll um elf Jahre verlängert werden.

14.05.2019