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Politik Darum sitzt ein deutscher Journalist in Venezuela in Haft
Nachrichten Politik Darum sitzt ein deutscher Journalist in Venezuela in Haft
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21:14 31.01.2019
Der Journalist Billy Six nimmt an einer Pressekonferenz in Berlin teil. Reporter ohne Grenzen (ROG) fordert die Freilassung des in Venezuela inhaftierten deutschen Journalisten. Quelle: Kay Nietfeld/dpa
Berlin

Wenn es um Venezuela geht, verzichtet Bundesaußenminister Heiko Maß auf diplomatische Zurückhaltung und spricht Klartext: In dem Land würden Demokratie und Rechtsstaatlichkeit von Präsident Nikolas Maduro mit Füßen getreten. Nur die Nationalversammlung und deren Präsident Juan Guaido verfüge über die demokratische Legitimation, betont der SPD-Politiker immer wieder.

Die Wirtschaftsbeziehungen zu dem lateinamerikanischen Land sind zwar minimal, aber dennoch muss Deutschland beim Umgang mit Maduro eines im Blick behalten: Seit vergangenen Herbst sitzt der deutscher Journalist Billy Six in Venezuela im Gefängnis. Ihm drohen unter anderem wegen Spionage 28 Jahre Haft.

Der 32-jährige Reporter war nach übereinstimmenden Angaben seiner Familie, seiner Redaktion und von Menschenrechtsorganisationen am 17. November 2018 vom venezolanischen Geheimdienst SEBIN festgenommen worden.

Er sitzt seitdem in einer Einzelzelle im berüchtigten Gefängnis “El Helicoide“ in Caracas. Nach Einschätzung der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch und Amnesty International werden dort politische Gefangene festgehalten, unter Bedingungen, die gegen internationales Recht verstoßen.

Haarsträubende Vorwürfe

Six’ Eltern zufolge werden ihm Spionage, Rebellion und das Verletzen von Sicherheitszonen vorgeworfen: Er habe bei Militärparaden anlässlich des Unabhängigkeitstages am 5. Juli 2017 und 2018 Fotos gemacht, Staatspräsident Nicolás Maduro auf einer Wahlkampfveranstaltung im Mai 2018 innerhalb einer Sicherheitszone fotografiert und sich mit der kolumbianischen Guerrillagruppe FARC getroffen.

Die Eltern haben die Vorwürfe in einem offenen Brief zurück gewiesen. Ihr Sohn habe als Journalist gearbeitet. „Wir haben den Eindruck, an unserem Sohn soll in Venezuela ein Exempel durchgeführt werden, um weitere Berichterstattungen zu unterbinden und andere Journalisten abzuschrecken. Die „Beweise“ für die Behauptungen des Militärgerichtes sind haarsträubend“, heißt es in dem Brief.

Anwalt hat keinen Zugang

Auch die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) nannte das Verfahren eine Farce. ROG-Geschäftsführer Christian Mihr erklärte, nach venezolanischem Gesetz habe jeder Beschuldigte das Recht, vom Beginn der Ermittlungen an von einem Verteidiger seiner Wahl vertreten zu werden. Dieses Recht werde Six seit seiner Festnahme verwehrt. Zudem habe Six als Zivilist nichts vor einem Militärgericht zu suchen.

Ein für den 23. Januar in Falcón im Norden des Landes angesetzter Gerichtstermin fand laut ROG nicht statt. Nach Angaben seiner Eltern durfte er am 24. Januar erneut mit der deutschen Botschaft telefonieren.

Das Auswärtige Amt setzt sich nach eigenen Angaben dafür ein, „dass er ein faires und rechtsstaatliches Verfahren bekommt“. Auch Reporter ohne Grenzen fordert ein rechtsstaatliches Verfahren. Er müsse unverzüglich freikommen, da das Gericht nichts gegen Six in der Hand habe, so die Organisation.

Unterstützung von Yücel

Der Reporter berichtete für die rechtskonservativen Medien „Junge Freiheit“ und „Deutschland Magazin“ über die Folgen der Wirtschaftskrise in Venezuela. Letzteres hatte den freien Journalisten im vergangenen Jahr nach Venezuela geschickt. Zuvor hat er unter anderem aus Syrien berichtet. Sein Bruder hatte in einem Interview gesagt, Billy sei ein „gesellschaftskritischer Mensch“. Mit Rechtsextremen habe er aber „nichts zu tun“.

In einer Reportage auf der Homepage des „Deutschland Magazin“ zeigt sich allerdings eine kritische Haltung des Reporters zum Thema Migration. Unter der Überschrift „Exodus aus Venezuela – die nächste Völkerwanderung!“ berichtet Six über die Flucht von Hunderttausenden Menschen aus Venezuela und weist extra darauf hin, dass es bisher einen visafreien Reiseverkehr mit der EU gebe. „Noch halten sich deutsche Medien zurück – doch die Welle millionenfacher Abwanderung aus Venezuela wird über kurz oder lang auch an Europa nicht spurlos vorüberziehen“, schrieb er.

Um Druck aufzubauen, haben Unterstützer der Familie bei Facebook eine eigene Seite mit dem Namen „FreeBillySix“ eingerichtet und eine Onlinepetition ins Leben gerufen. Sie wurde bisher von mehr als 5000 Menschen unterzeichnet. Auch der Journalist Deniz Yücel, der ein Jahr in einem türkischen Gefängnis saß, unterstützt die Familie.

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Von Timot Szent-Ivanyi/RND

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