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Politik Bei der Bahn fehlen mindestens 733 Lokführer
Nachrichten Politik Bei der Bahn fehlen mindestens 733 Lokführer
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16:45 22.02.2019
Ein immer seltenerer Anblick: Lokführer.dpa/Martin Schutt
Berlin

Der wegen Verspätungen und Zugausfällen in die Kritik geratenen Deutschen Bahn fehlen in diesem Jahr 733 Lokführer. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND/Sonnabend) vorliegt. Obwohl die Bahn nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums im vergangenen Jahr 1076 neue Lokführer einstellen konnte, bleibt der Personalmangel hoch.

Demnach sind im Frachtverkehr zwei Prozent der Planstellen nicht besetzt. Das entspricht rund 590 Mitarbeitern in der Gütersparte DB. Widersprüchliche Angaben machte Verkehrsstaatssekretär Enak Ferlemann (CDU) zu Sonderfahrten im Güterverkehr. So fielen nach aktuellen Ministeriumsangaben in den vergangenen fünf Jahren insgesamt nur acht dieser Züge aus. Im vergangenen Herbst hieß es noch, allein in 2018 hätten bis Ende November 3000 dieser kurzfristig angefragten Fahrten im Güterverkehr nicht wie gewünscht umgesetzt werden können. Die Hälfte der Fahrten sei erst zu einem späteren Zeitpunkt abgewickelt worden. 2017 seien 2000 Fahrten betroffen gewesen.

Personalmangel als „Bremsklotz der Bahn“

FDP-Wirtschaftsexperte Hagen Reinhold kritisierte gegenüber dem RND die Informationspolitik des Bundesverkehrsministeriums. „Wie soll die Bahn ihre Fehler korrigieren, wenn sie offenbar selbst nicht weiß, wo die Defizite genau liegen?“ Auch der Lokführermangel bestätige nur die Wahrnehmung, dass sich der „Mangel mehr und mehr zum Bremsklotz der Bahn erweist“.

Der Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GdL), Claus Weselsky, warf der Bahn „Schönfärberei“ bei den Zahlen der fehlenden Lokführer vor: Dass nur 733 Stellen unbesetzt sein sollen, bezeichnete der Gewerkschafter als „glatte Lüge“. Die Bahn habe rund 1000 angehende Lokführer, die in diesem Jahr ihre Ausbildung abschließen, bereits in die Bedarfsplanung eingerechnet. Der Bedarf an Lokführern sei somit weitaus höher. Laut Weselsky waren im vergangenen Jahr 1500 Planstellen für Lokführer unbesetzt.

Durchschnittsalter 50 Jahre

Nach Ansicht des GdL-Vorsitzenden wird sich das Problem weiter verschärfen. Das Durchschnittsalter der Lokführer liege derzeit bei rund 50 Jahren – etliche Lokführer würden in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen.

Bahn-Vorstand Richard Lutz kündigte am Mittwoch im Verkehrsausschuss des Bundestages eine Rekrutierungswelle seines Unternehmens an. Die Bahn wolle 22 000 Stellen allein in diesem Jahr neu besetzen. Laut Lutz ist es für die Bahn trotz angespannter Arbeitsmarktlage kein Problem, die benötigten Mitarbeiter zu bekommen.

Pro Bahn: „Der Markt ist leergefegt“

Detlef Neuß bezweifelt das. Der Vorsitzende des Fahrgastverbandes Pro Bahn sieht auch in den kommenden Jahren noch große Personalprobleme auf die Bahn und Frust auf die Fahrgäste zukommen. „Der Markt ist leergefegt. Es wird noch einige Jahre dauern, bis dieses Loch gestopft ist“, sagte Neuß. „Wenn dann eine Grippewelle kommt, stehen die Fahrgäste gerade im Nahverkehr wieder alleine am Bahnsteig.“ Zudem müsste die Attraktivität des Berufes wieder gesteigert werden. „Es hilft ja nichts, wenn die Bahn Kollegen bei anderen Unternehmen abwirbt“, sagt Neuß. „Dadurch werden es ja insgesamt nicht mehr Lokführer“.

Lesen Sie auch: Die Bahn hat sich verfahren

Von Jörg Köpke und Ansgar Nehls/RND

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