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Politik Bahn-Logik bei Plasberg: „Wenn ein Zug nicht fährt, kann er nicht unpünktlich sein“
Nachrichten Politik Bahn-Logik bei Plasberg: „Wenn ein Zug nicht fährt, kann er nicht unpünktlich sein“
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15:23 08.10.2019
Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Bahn AG, kämpft gegen Staus und Finanzierungslücken.
Berlin

Deutschland diskutiert über den Klimaschutz – und die Deutsche Bahn soll dabei eine Schlüsselrolle spielen. Bis 2030 bekommt der Staatskonzern mit 150 Milliarden Euro so viel Geld wie noch nie. Doch die Investitionen werden erst in einigen Jahren sicht- und spürbar sein. Gegenwärtig scheint die Bahn überfordert. Ein Grund für Frank Plasberg bei „Hart aber fair“ zu fragen: „Klimaretter oder Nervenkiller – was kann die Deutsche Bahn?“

Das Thema:

Verspätungen, Zugausfälle, Dauerbaustellen: Es ist ein Thema, das quasi jeden betrifft. Und so leitet Plasberg auch seine Sendung ein: „Todsicherer Gesprächsstoff für jede Familienfeier“. Einer Familienfeier gleicht die Runde zwar nicht, alle Anwesenden dürfen aber einmal ihre Geschichte zum Thema Bahn austauschen. Das geht selten über Befindlichkeiten und Vorwürfe an Bahn-Chef Richard Lutz hinaus. Nach gut der Hälfte der Sendung merkt Plasberg, dass dieser es heute ja nicht so einfach habe.

Zwischenzeitlich wurde es dann etwas ernster bei den Fragen, wie klimafreundlich Zugfahrten wirklich sind und ob das Auto nicht doch immer noch günstiger ist. Doch mehr als ein Kratzen an der Oberfläche schaffte die Runde meist nicht. Mit Hofreiter und Althusmann hatten sich aber bereitwillig zwei Streithähne gefunden.

Kommentar: Jetzt hat die Bahn keine Ausreden mehr

Die Gäste:

Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn, war nicht gekommen, um zu beschwichtigen. Er signalisierte Verständnis, wiegelte nicht ab, konnte oder wollte aber auch nicht richtig erklären, woran es gerade bei der Bahn hakt. Den Hagel an Kritik lächelte er weg. Sein Fazit: „Am Ende des Tages müssen wir besser werden".

Micky Beisenherz, Moderator und Autor, wurde zur Sendung eingeladen, weil er in einem Instagram-Post besonders deutlich über die Bahn herzog: „Ein rollender Haufen gottverdammte Scheiße“. Vor allem die späte oder fehlende Kommunikation sei sehr frustrierend. Beisenherz hat nach eigenen Angaben schon den ein oder anderen Schaffner in den Arm genommen, wenn diese bei großen Verspätungen auch noch Zufriedenheitsbefragungen austeilen mussten.

Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender der Grünen, kritisiert die Bahn als Zumutung und Blamage für die Bundesregierung. Durch die jahrelange Mängelverwaltung gebe es nun „gigantische Kapazitätsprobleme“. Hofreiter hat bei überfüllten Zügen eine besonders clevere Strategie: Er steige direkt ins Bordbistro ein, um mit höherer Sicherheit wenigstens dort einen Sitzplatz zu ergattern.

Bernd Althusmann, Niedersächsischer Verkehrsminister (CDU), war gekommen, um die positiven Aspekte der Bahn zu hervorzuheben – und natürlich, um die Bundesregierung gegen Hofreiter zu verteidigen. „Wir klotzen ja jetzt“, stellt er fest, dann sei die Bahn das Rückgrat der Klimapolitik für die nächsten Jahre. Als Politiker aus einem Flächenland sah er sich dann noch genötigt, für seine Wähler in die Bresche zu springen. Er störe sich an denen, die mit einem Sektglas auf einer Cocktailparty stünden und den Menschen im ländlichen Raum erklären wollten, wie ihre Fortbewegung zu laufen habe.

Judith Henke, Pendlerin und Studentin, fragte sich, warum die Bahn in anderen Ländern pünktlicher ist als in Deutschland. Eine Antwort bekam sie nicht. Ihre Pendelstrecke sei trotz Stau mit dem Auto im Gegensatz zur Bahn der Himmel auf Erden.

Die Streithähne des Abends:

Es war ein kalkulierbarer Streit zwischen Hofreiter und Althusmann. Letzterer führt parteipolitischen Hickhack für jahrelange Mängelwirtschaft bei der Bahn ins Spiel. Hofreiter kontert, das sei die Entschuldigung, wenn man nichts gemacht habe. Hofreiters Bashing gegen die Bundesregierung beginne ihn zu stören, sagte Althusman leicht aufgebracht und brachte die Bahn-Diskussion endgültig auf die parteipolitische Ebene, was er zunächst noch vermeiden wollte.

Schließlich verlangten sie sich ein gegenseitiges Versprechen ab: Althusmann soll sich bei der CDU dafür einsetzen, dass Rechtsgrundlage und Geld für einen ordentlichen Grünschnitt entlang der Trassen wegen umgestürzter Bäume bereitgestellt wird, Hofreiter hingegen dafür, dass nicht direkt eine Bürgerinitiative dagegen vorgeht.

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Der Aufreger der Sendung:

Moderator Plasberg und Bahn-Chef Lutz sind sich plötzlich nicht mehr so sicher, welche Zahlen bei der Pünktlichkeit der Bahn denn nun stimmen. Lutz meint: „Ich kenne die Zahlen meines Unternehmens einigermaßen.“ Plasberg wollte mit einem Faktencheck am nächsten Tag nachlegen. Wenige Minuten später lieferte er dann schon in der Sendung kleinlaut nach – Lutz hatte Recht.

Der lustigste Moment:

Kurz nach Beginn stellt sich heraus: Micky Beisenherz, der eben noch aufs Übelste über die Bahn geschimpft hatte, besitzt eine BahnCard 100 für die erste Klasse, die sogenannte Black Mamba. Seine Erklärung: „Die wollte ich auch schon früher haben, aber der Kartenleser am Automat der Bahn habe nicht funktioniert.“

Das beste Zitat:

„Wenn ein Zug nicht fährt, kann er nicht unpünktlich sein“, antwortete Lutz auf die Frage, ob die Bahn in ihren Bilanzen zur Pünktlichkeit einen Taschenspielertrick anwende.

Fazit:

Ein trauriger Abend, nicht nur für Bahn-Chef Lutz. Die Diskussion verlässt nur selten die Ebene persönlicher Einschätzungen. Kaum ein Wort zum Klimaschutzgesetz, kaum ein Diskussionsansatz, der ins Detail geht. Oft fehlt auch bei Plasberg die Ernsthaftigkeit, über die kollektive Belustigung hinauszugehen. Etwas technische Kompetenz hätte der Runde gut getan. Lutz stimmt am Ende versöhnlich: Eigentlich seien sich doch alle einig, was sie wollten.

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Von Sebastian Stein/RND

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