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Politik Außenminister Maas auf Partnersuche in der Wüste
Nachrichten Politik Außenminister Maas auf Partnersuche in der Wüste
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06:08 17.12.2018
„Dieser Besuch hier ist sehr wichtig“: Außenminister Heiko Maas (SPD) und sein kuwaitischer Amtskollege Sabah Al-Khalid Al-Sabah bekunden am Sonntagabend ihren Willen zu einer stärkeren Zusammenarbeit. Quelle: dpa
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Kuwait Stadt

Funkelnde Kristalllüster hängen von der Decke. An den Wänden glänzt der Marmor. Und am schwer mit Blumen beladenen Pult vorne am Kopf des Prunksaals im kuwaitischen Außenministerium setzt Heiko Maas seine Unterschrift unter Erklärungen, die ihm gereicht werden.

Soeben hat der Bundesaußenminister seinen Amtskollegen Sabah Al-Khalid Al-Sabah zum Gespräch getroffen. Dabei sei „deutlich geworden“, sagt der SPD-Politiker am Sonntagabend, „wie zahlreich die Krisen und Konflikte sind, mit denen wir es hier zu tun haben“. Deutschland, das ab dem 1. Januar für zwei Jahre nicht-ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats wird, will mit Kuwait, das bereits seit Jahresbeginn in dem Gremium vertreten ist, enger zusammenarbeiten. „Der Besuch hier ist sehr wichtig“, sagt denn auch Kuwaits Außenminister Al-Sabah.

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Kuwait gilt als ehrlicher Makler in der Golfregion

Kuwait – ein kleines Land mit großen Ölvorkommen – hat in der Golfregion den Ruf eines aufrichtigen Vermittlers. Der Wüstenstaat bringt sich stark ein zur Beilegung der diplomatischen Blockade Katars, dem der große Nachbar Saudi-Arabien vorwirft, Terrorgruppen in der Region zu unterstützen. Auch bei den Bemühungen für ein Ende des verheerenden, von Riad befeuerten Jemen-Kriegs ist Kuwait ein wichtiger Treiber. Zudem hat der schiitisch geprägte Staat großes Interesse an stabilen Verhältnissen im nördlich gelegenen, derzeit ebenfalls schiitisch dominierten Irak.

Allesamt Konflikte, die auch die Bundesregierung gern befriedet wüsste. Außenminister Maas bot daher Kuwait die Unterstützung Deutschlands an. Im Mittelpunkt soll dabei das Engagement in der humanitären Hilfe stehen, etwa für notleidenden Menschen in Syrien und im Irak. Zudem ist ein engerer Austausch des diplomatischen Nachwuchses geplant.

Nach Besuchen in Israel und in Jordanien ist es die dritte Reise von Außenminister Maas in den Nahen Osten. Eigentlich war für Oktober ein Besuch in Saudi-Arabien vorgesehen. Doch die mutmaßlich aus Riads Führungszirkel heraus angeordnete Ermordung des saudischen Journalisten Jamal Kashoggi hat das Auswärtige Amt von der geplanten Reise absehen lassen. Die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Saudi-Arabien mögen von der Gewalttat ungetrübt sein. Der Besuch des deutschen Außenministers aber ziemt sich nicht in der gegenwärtigen Lage.

Nun also fand Maas über einen Abstecher nach Kuwait eine Möglichkeit, um sich von den Machtkämpfen auf der arabischen Halbinsel aus der Nähe ein Bild zu machen. „In einer Region, die gezeichnet ist von blutigen Konflikten, tiefen Gegensätzen und schweren humanitären Krisen kommt es umso mehr auf die an, die sich für Dialog und die Linderung menschlichen Leids einsetzen“, sagt Maas. Der Minister setzt große Hoffnungen in das kleine Kuwait.

Von Marina Kormbaki/RND