Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Politik Angriff auf deutschen Tanker – Besatzung sah „fliegende Objekte“, US-Video soll Iran belasten
Nachrichten Politik Angriff auf deutschen Tanker – Besatzung sah „fliegende Objekte“, US-Video soll Iran belasten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:20 14.06.2019
Ausschnitt aus Video des US-Militärs: Mit diesen Aufzeichnungen wollen die USA die Verantwortung des Irans für die Angriffe auf Schiffe nahe der Straße von Hormus beweisen. Quelle: Screenshot/U.S. Central Command Public Affairs
Washington/Dubai

Nach den Vorwürfen der USA hat der Iran die Verantwortung für Angriffe auf zwei Schiffe nahe der Straße von Hormus „kategorisch“ zurückgewiesen. Es handele sich um Einschüchterungsversuche und „böswilliges Verhalten“ der USA, teilte die iranische Botschaft vor den Vereinten Nationen in einer Mitteilung am Donnerstag (Ortszeit) mit. US-Außenminister Mike Pompeo hatte von einer Kampagne der „eskalierenden Spannungen“ Teherans gesprochen.

Mit einem Video in schwarz-weiß, sowie mit Standbildern wollen die USA jetzt die Verantwortung des Irans für die Angriffe auf Schiffe beweisen. In dem am Freitag vom US-Militär veröffentlichten Video seien Angehörige der Iranischen Revolutionsgarde zu sehen, die eine nicht explodierte Haftmine von einem der beiden beschädigten Schiffe entfernten, teilte das für den Nahen Osten zuständige Regionalkommando der US-Streitkräfte mit. Damit suggerierten die USA, der Iran versuche, Beweise zu vernichten.

Video der US-Marine soll Angehörige der Iranischen Revolutionsgarde zeigen

Am Donnerstag war es auf zwei Öltankern nahe der strategisch wichtigen Straße von Hormus, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman verbindet, zu Explosionen gekommen, die Schiffe wurden beschädigt. Die US-Marine, die den Schiffen zur Hilfe eilte, und die Besitzer der Schiffe teilten zunächst nicht mit, mit welcher Waffe die norwegische „MT Front Altair“ und die japanische „Kokuka Courageous“ vor der iranischen Küste getroffen worden sein sollen, doch wurde von einem Angriff ausgegangen.

Beide waren mit Erdölprodukten beladen, die „Front Altair“ brannte über Stunden hinweg, dichter, schwarzer Rauch stieg auf. Die jeweiligen Besatzungsmitglieder wurden in Sicherheit gebracht. Insgesamt handelte es sich den Angaben zufolge um 44 Seeleute.

Das sagt die Crew eines der Öltanker

Crewmitglieder des japanischen Öltankers „Kokuka Courageous“ – dieser wird von einem deutschen Unternehmen betrieben – sahen nach Angaben des Besitzers vor dem Angriff „fliegende Objekte“. Der Präsident des Besitzerunternehmens, Yutaka Katada, war am Freitag aber der Meinung, das Schiff sei nicht durch Minen oder Torpedos beschädigt worden, weil die Schäden am Schiff über der Wasserlinie gewesen seien. Katada sagte, die „fliegenden Objekte“ seien womöglich Kugeln gewesen. Berichte über einen Minenangriff bezeichnete er als „falsch“. Katada berichtete, dass die Crewmitglieder auch ein iranisches Marineschiff in der Nähe gesehen hätten. Er sagte nicht, ob das vor oder nach den Angriffen gewesen sei.

Nach dem mutmaßlichen Angriff auf den Frachter sind die 21 Seeleute wieder an Bord. Wie die Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM) am Freitag in Singapur weiter mitteilte, besteht keine Gefahr, dass der Tanker namens „Kokuka Courageous“ sinkt. Er verliere auch keine Ladung. Das Schiff, der unter der Flagge Panamas führt, soll nun in den Hafen Khor Fakkan in den Vereinigten Arabischen Emiraten geschleppt werden.

Iran zeigt sich wegen der „verdächtigen Vorfälle“ besorgt

Der Iran verurteilte den Angriff laut der Mitteilung vom Donnerstag ebenfalls „aufs Schärfste“ und rief zu einem dringenden Dialog auf. Die internationale Gemeinde müsse „die rücksichtslosen und gefährlichen Politiken und Praktiken der USA und ihrer regionalen Alliierten der Verschärfung der Spannungen in der Region“ verhindern, hieß es in der Mitteilung des Iran. Teheran sei wegen der „verdächtigen Vorfälle“ besorgt und wolle sich für Frieden, Stabilität und Sicherheit in der Region einsetzen.

Auf einem Videostandbild wurden mit roten Pfeilen Stellen am Rumpf des Schiffes Kokuka Courageous markiert, an der zum einen eine Explosion statt fand und an der zum anderen eine angebliche Mine befestigt ist. Das Video, aus dem das Bild stammt, wurde vom US Militär als Beweis verbreitet, dass der Iran hinter den jüngsten Anschlägen auf zwei Schiffe im Persischen Golf steckt. Quelle: U.S. Central Command/AP/dpa

Auch der UN-Sicherheitsrat verurteilte die Angriffe nach Angaben des Botschafters von Kuwait geschlossen. Der Rat fordere eine gründliche Untersuchung, sagte Mansur al-Otaibi am Donnerstag nach einem von den USA einberufenen Treffen hinter verschlossenen Türen. Kuwait hält in diesem Monat den Vorsitz des Weltsicherheitsrats. Eine offizielle Stellungnahme zu den jüngsten Angriffe könne er nicht abgeben, sagte Al-Otaibi Reportern, fügte jedoch hinzu: „Es ist ein Verstoß gegen internationales Recht und es ist ein krimineller Akt.“ UN-Generalsekretär António Guterres sagte, die Welt könne sich eine große Konfrontation in der Golfregion nicht leisten. Faktenlage und Verantwortung müssten geklärt werden.

Solidarität „angesichts iranischer Einmischung und Praktiken“

Die Arabische Liga rief den Weltsicherheitsrat auf, gegen die Verantwortlichen der jüngsten Angriffe vorzugehen. „Manche Parteien in unserer Region versuchen, Feuer in unserer Region zu entzünden, und wir müssen uns dessen bewusst sein“, sagte der Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Abul Gheit. Die internationale Gemeinschaft müsse den Nachbarn in der Region eine unmissverständliche und eindeutige Botschaft senden, „dass subversive Handlungen nicht länger akzeptabel“ seien.

Ein von der Iranian Students' News Agency (ISNA) zur Verfügung gestelltes Foto zeigt einen brennenden Öltanker. Quelle: Uncredited/Iranian Students' New

Bereits bei einem Dringlichkeitstreffen der Liga Ende Mai seien vorherige „terroristische Angriffe“ auf saudische Ölanlagen und auf Handelsschiffe in den Gewässern der Vereinigten Arabischen Emirate verurteilt und die Solidarität „angesichts iranischer Einmischung und Praktiken“ betont worden, so Gheit.

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran haben sich zuletzt massiv verschärft. Schon vor einem Monat war es vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate sogenannte Sabotageakte gegen vier Handelsschiffe gegeben. Auch damals zogen die USA eine Verantwortung des Irans in Betracht.

Von RND/fw/dpa/AP