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Politik Amazonasländer einigen sich auf Schutzpakt - Experten zweifeln
Nachrichten Politik Amazonasländer einigen sich auf Schutzpakt - Experten zweifeln
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11:24 07.09.2019
Leticia, Kolumbien: Iván Duque (M.), Präsident von Kolumbien, spricht vor Journalisten mit Martin Vizcarra (l.), Präsident von Peru, und Lenin Moreno (r.), Präsident von Ecuador, an seiner Seite. Quelle: Fernando Vergara/AP/dpa
São Paulo

Die Staatschefs von sieben südamerikanischen Ländern haben sich auf einen Pakt zum Schutz des Amazonasregenwaldes geeinigt. Man werde „konkrete Maßnahmen“ gegen Brandrodung und illegalen Bergbau ergreifen, erklärten die Regierungen der Amazonasanrainer bei einem Treffen am Freitag (Ortszeit) in der kolumbianischen Stadt Leticia, wie die Tageszeitung „El Espectador“ berichtete.

Außerdem soll ein gemeinsames Frühwarnsystem geschaffen werden, um Katastrophen wie flächendeckende Waldbrände zu verhindern. Dafür sollen „private und öffentliche Mittel“ bereitgestellt werden, hieß es in der Erklärung von Kolumbien, Peru, Brasilien, Ecuador, Bolivien, Suriname und Guyana. Eine konkrete Zahl wurde jedoch nicht genannt. In der Amazonasregion wüten derzeit die schwersten Waldbrände seit Jahren. Besonders betroffen sind Brasilien und Bolivien.

Bolsonaro wiederholt Kritik an Macron

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro setzte durch, dass in dem Papier auch das Recht auf Souveränität über den Amazonasregenwaldes und die Ausnutzung der Ressourcen aufgenommen wird. Er wiederholte seine Kritik an Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron, dem er Einmischung in die inneren Angelegenheiten Brasiliens vorgeworfen hatte. Bolsonaro nahm nicht persönlich an dem Treffen teil, wurde aber per Videokonferenz zugeschaltet.

Ivan Duque (5. v. l.), Präsident von Kolumbien, spricht über die Bedeutung des Amazonasgebietes am Beginn eines Treffens mit Evo Morales (4. v. l.), Präsident von Bolivien, Lenin Moreno (r.), Präsident von Ecuador, Ernesto Araujo (3. v. r.), Außenminister von Brasilien, Mitgliedern einer indigenen Gemeinschaft und weiteren Vertretern der Länder des Amazonasgebietes. Quelle: Nicolas Galeano/Presidencia Colo

Er hält sich im Krankenhaus auf und bereitet sich auf eine weitere Operation nach einem Messerattentat im vergangenen Jahr vor, bei dem er schwer verletzt wurde. Boliviens Präsident Evo Morales sagte, die „Erde sei durch die Klimaveränderungen in Gefahr zu sterben“. Er kritisierte, dass Venezuelas Präsident Nicolás Maduro aufgrund „politischer Differenzen“ nicht zu dem Treffen eingeladen worden war. Die Ureinwohner machten bei dem Treffen auf die Zerstörung des Amazonas und damit ihrer Lebensgrundlage aufmerksam.

"Wir töten die Erde"

Auf der anderen Seite des politischen Spektrums überraschte der im Amazonas-Gebiet geborene Präsident Ecuadors, Lenin Moreno, mit einer emotionalen Hommage an seine Heimat. Er würdigte das vielfältige Tier- und Pflanzenleben, unter dem er aufgewachsen sei. Moreno sang auch. „Wir töten die Erde“, erklärte er. Als er von seinem Flug über den Amazonas-Fluss berichtete, kämpfte er mit den Tränen. Der Strom habe einer gigantischen, toten Anakonda geglichen. „Und wir alle sind verantwortlich“, sagte er.

Fachleute zeigten sich skeptisch, ob ein in Leticia vereinbarter Aktionsplan mit 16 Punkten tatsächlich Früchte tragen wird. „Viele dieser Länder haben noch nicht einmal genügend Kapazität, um illegale Aktivitäten in ihren eigenen Grenzen zu bekämpfen“, sagte Adriana Ramos von der brasilianischen Forschungseinrichtung Instituto Socioambiental.

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Die Feuer sind durch die große Trockenheit, aber vor allem infolge von Brandrodung ausgebrochen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Landwirte, die verdächtigt werden, bewusst Feuer gelegt zu haben. Auch in den angrenzenden Ländern wüteten die Feuer. In Bolivien wurden offiziellen Angaben zufolge bereits 1,7 Millionen Hektar an Wald und Buschland vernichtet.

RND/epd/AP

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