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Politik Aktivist Wong: “Hongkong ist wie Ost-Berlin im Kalten Krieg”
Nachrichten Politik Aktivist Wong: “Hongkong ist wie Ost-Berlin im Kalten Krieg”
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11:33 10.09.2019
Joshua Wong, Demokratie-Aktivist der Proteste in Hongkong, steht bei seiner Ankunft in Berlin am Flughafen Tegel. Quelle: Christoph Soeder/dpa
Berlin

Der bekannte Hongkonger Aktivist Joshua Wong hat kurz nach seiner Ankunft in Berlin größere Unterstützung für die Demokratiebewegung in der chinesischen Sonderverwaltungszone gefordert. "Ich hoffe, dass Menschen weltweit die Leute in Hongkong unterstützen, die für Freiheit und freie Wahlen kämpfen", sagte der 22-Jährige am Montagabend der "Bild"-Zeitung.

Es sei an der Zeit, dass sich mehr Menschen in Deutschland auf Hongkong konzentrierten. "Wir haben den Eindruck, dass Hongkong wie Ost-Berlin zur Zeit des Kalten Krieges ist. Und gerade weil die Deutschen besonders in Berlin für die Freiheit gekämpft haben, bitte ich die Deutschen um Hilfe in unserem Kampf."

Wenn wir uns jetzt in einem neuen Kalten Krieg befinden, dann ist Hongkong das neue Berlin.

Joshua Wong; Demokratie-Aktivist aus Hongkong

Wong war am Abend auf dem Berliner Flughafen Tegel angekommen. Auf einem Fest im Dachgarten-Restaurant des Bundestags in Berlin sprach der 22-Jährige im Anschluss unter anderem mit Außenminister Heiko Maas (SPD).

Wong war am Sonntagmorgen vor seiner geplanten Abreise zunächst am Hongkonger Flughafen festgenommen worden. Ihm wurde vorgeworfen, seine Kautionsbedingungen verletzt zu haben. Nach 24 Stunden kam Wong wieder auf freien Fuß und flog noch am Montag nach Deutschland. Wong war bereits Ende August für einige Stunden festgenommen und auf Kaution wieder entlassen worden.

In Berlin sagte Wong Montagabend: "Wir protestieren, bis wir eines Tages freie Wahlen haben. Wenn wir uns jetzt in einem neuen Kalten Krieg befinden, dann ist Hongkong das neue Berlin." Er entschuldigte sich, dass er so spät gekommen sei. Vor 36 Stunden sei er noch in einer Polizei-Station festgehalten worden. "Ich wurde bereits acht Mal festgenommen und habe Hundert Tage im Gefängnis verbracht. Der Preis, den ich zahle, ist klein", zitierte ihn die Zeitung.

Maas hatte nach der Freilassung Wongs am Montag gesagt, es sei ein gutes Signal, dass der junge Demokratie-Kämpfer wieder auf freiem Fuß sei. "Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist ein fundamentales Prinzip. Es darf keinen Einschränkungen unterliegen", twitterte er.

Die FDP im Bundestag hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einem umgehenden Treffen mit Wong aufgefordert. „Diese Gelegenheit darf die Bundeskanzlerin nicht ungenutzt lassen. Sie muss noch heute den direkten Austausch suchen und Wong im Kanzleramt empfangen“, sagte die menschenrechtspolitische Sprecherin Gyde Jensen am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Dabei sollte Merkel deutliche Worte zur Lage in Hongkong finden, die ihr bei ihrer China-Reise fehlten.

„Die Kanzlerin und Deutschland dürfen nicht länger Zaungäste des dramatischen Kampfes der Aktivisten in Hongkong um grundlegende Freiheitsrechte sein“, sagte Jensen, die auch Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses des Bundestags ist.

Ende August war Wong wie seiner Mitstreiterin Agnes Chow vorgeworfen worden, andere zur Teilnahme an einer illegalen Versammlung in der chinesischen Sonderverwaltungszone am 21. Juni animiert und selbst daran teilgenommen zu haben. Wong muss sich auch für die Organisation der Demonstration verantworten.

Seit dem 9. Juni kommt es in der Finanzmetropole immer wieder zu Protesten, die oft mit Zusammenstößen zwischen einem kleinen Teil der Demonstranten und der Polizei endeten. Die Protestbewegung befürchtet steigenden Einfluss der chinesischen Regierung auf Hongkong. Auch fordern die Demonstranten eine unabhängige Untersuchung der Polizeigewalt bei den Protesten.

Die frühere britische Kronkolonie wird seit der Rückgabe 1997 an China in ihrem eigenen Territorium mit einem eigenen Grundgesetz nach dem Prinzip "ein Land, zwei Systeme" autonom regiert. Die Hongkonger stehen unter Chinas Souveränität, genießen aber - anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik - mehr Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Viele fordern auch freie Wahlen, wie es ihnen einst in Aussicht gestellt worden war.

Mehr zum Thema: So bilanziert Siemens-Chef Kaeser Merkels China-Reise

RND/dpa

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