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Panorama Pädophiler Kinderarzt muss fast 13 Jahre ins Gefängnis
Nachrichten Panorama Pädophiler Kinderarzt muss fast 13 Jahre ins Gefängnis
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14:10 29.01.2019
Der wegen Kindesmissbrauchs angeklagte Mediziner vor Gericht. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Augsburg

Er hat über 16 Jahre hinweg reihenweise kleine Jungen missbraucht, rund 20 Opfer konnte die Kripo ermitteln. Schon zum zweiten Mal wurde der Kinderarzt am Dienstag vom Landgericht Augsburg zu einer hohen Strafe verurteilt. Der Mann muss demnach zwölf Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Anschließend muss der 44-Jährige wegen seiner Gefährlichkeit in Sicherungsverwahrung, bis er nach einer Therapie möglicherweise freigelassen wird. Außerdem erhielt der Mann ein lebenslanges Berufsverbot.

Die Strafkammer habe noch nie einen Angeklagten gehabt, der über einen so langen Zeitraum so viele schreckliche Taten begangen habe, sagte der Vorsitzende Richter Roland Christiani. Für ihn stand außer Frage, dass das Urteil auch im Revisionsverfahren nicht so weit unter der maximal möglichen Strafe von 15 Jahren liegen kann wie vom Angeklagten gehofft. Die Verteidiger hatten auf acht Jahre plädiert.

Zweifel an der Reue des Angeklagten

Der pädophile Kinderarzt hatte zwar alle Taten ohne jede Einschränkung zugegeben. Doch der Richter nahm ihm die Reue dennoch nicht ganz ab. Christiani nannte als Beispiel die Vernehmung einer Mutter eines missbrauchten Kindes als Zeugin. Als die Frau im Gerichtssaal über Folgen für ihren Sohn berichtete, habe der Angeklagte mit seinen Anwälten getuschelt. Da sei schon die Frage, ob bei dem Geständnis des 44-Jährigen „eine ernste Einsicht dahintersteht oder ob es nur lapidar dahergesagt war“.

Der Kammervorsitzende griff den Angeklagten hart an und warf ihm vor, nicht zu seinen Taten zu stehen. Wer, wenn nicht er als Kinderarzt, hätte wissen können, dass er mit seinen Sexualverbrechen „die Seele des Kindes stranguliert, wenn nicht mordet“.

Der Mann hatte immer wieder in Augsburg und München Jungen auf der Straße oder dem Spielplatz angesprochen, ihnen Spielzeug versprochen und sie dann in nahen Gebäuden missbraucht. Die schwerwiegendste Tat beging er im August 2014 im niedersächsischen Garbsen. Dort entführte der Arzt einen Fünfjährigen in seine Wohnung in Hannover, wo er damals an der Medizinischen Hochschule arbeitete. Der Mann narkotisierte das Kind, vergewaltigte den Buben und setzte das benommene Opfer wieder aus. Nach dieser Tat konnte die Polizei den Kinderarzt ermitteln und seine Serie von Missbrauchstaten beenden.

Ein erstes Urteil gegen den Kinderarzt hatte der BGH aufgehoben

In einem ersten Prozess war der Mediziner vor drei Jahren in Augsburg zu 13 Jahren und sechs Monaten Gefängnis sowie Sicherungsverwahrung und einem Berufsverbot verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte dieses Urteil aber aufgehoben. Die Karlsruher Richter waren der Ansicht, eine mögliche eingeschränkte Schuldfähigkeit durch eine erhebliche Beeinträchtigung der Steuerungsfähigkeit aufgrund der diagnostizierten Pädophilie sei nicht ausreichend geprüft.

In dem neuen Verfahren gab es nun vier Sachverständige dazu. Doch das Gericht kam nach deren Anhörung wieder zu dem gleichen Ergebnis: „Wir haben einen voll schuldfähigen Angeklagten“, betonte Christiani.

Keinesfalls sei der Kinderarzt ein triebgesteuerter Täter, der bei den Missbrauchstaten nicht mehr Herr seiner Sinne gewesen sei. Im Gegenteil: Er habe seine Verbrechen akribisch vorbereitet, „stets mit kühlem Kopf, stets mit Kalkül“, und bis zur Flucht alles genau geplant. „Planlos war da nichts, bei keiner Tat“, sagte der Richter.

Der Kinderarzt verfolgte den Urteilsspruch mit versteinerter Mine. Auf die Frage des Richters, ob er nun noch im Gerichtssaal das Urteil annehme, schüttelte er den Kopf. Verteidiger Moritz Bode erklärte später, sein Mandant müsse darüber erst nachdenken. Ob es zu einer erneuten Revision beim BGH kommt, ist daher noch offen.

Opferanwältin Marion Zech äußerte sich enttäuscht darüber, dass der 44-Jährige „nicht Manns genug“ gewesen sei, den Richterspruch gleich zu akzeptieren. Die „Hängepartie für die Opfer“ gehe damit weiter.

Von RND/dpa