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Panorama Obdachloser Trinker (49) schlägt auf syrischen Jungen (9) ein – und Passanten schauen weg
Nachrichten Panorama Obdachloser Trinker (49) schlägt auf syrischen Jungen (9) ein – und Passanten schauen weg
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15:24 23.06.2019
Fahrgäste stehen an einem Gleis am Hauptbahnhof Hannover. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Hannover

Ein Obdachloser (49) ist am Hauptbahnhof Hannover auf einen kleinen syrischen Jungen losgegangen. Der Mann aus der örtlichen Trinker-Szene verpasste dem Neunjährigen grundlos einen Schlag gegen den Kopf. Erwachsene Reisende, die den Übergriff beobachtet hatten, schauten weg, niemand schritt ein. Vier Kinder (alle 12) dagegen bewiesen Zivilcourage. Sie schalteten den Sicherheitsdienst der Bahn ein.

Wie der Sprecher der Bundespolizeiinspektion Hannover, Martin Ackert, am Sonntag gegenüber der „Neuen Presse“ mitteilte, kam es am Sonnabend gegen 20.50 Uhr zu dem Übergriff. Tatort war ein Bahnsteig.

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Erwachsene gucken einfach weg

Im Vorbeigehen schlug der Angreifer dem Jungen gegen den Kopf. Dann ging er weiter. „Zahlreiche Reisende auf dem Bahnsteig hatten den Vorfall beobachtet“, berichtet Ackert. Doch niemand fühlte sich zuständig, den Täter aufzuhalten oder sich um den Neunjährigen zu kümmern.

Die vier Zwölfjährigen dagegen verfolgten den Schläger, als er den Bahnsteig verließ. In der Verteiler-Ebene sprachen sie Mitarbeiter der DB-Sicherheit an. Die hielten den Obdachlosen dann bis zum Eintreffen der Bundespolizei fest.

Der 49-Jährige gehört laut Ackert zur örtlichen Trinkerszene, die sich rund um den Hauptbahnhof aufhält. Der Angreifer selbst hätte weder auf dem Bahnsteig noch im Gebäude sein dürfen: Er hat Hausverbot.

Übergriff wurde gefilmt

Gegen ihn wird nun wegen Körperverletzung und Hausfriedensbruchs ermittelt. Der Übergriff auf den kleinen Jungen ist lückenlos dokumentiert: „Die Videoüberwachung hat das Geschehen aufgezeichnet“, so Ackert.

Von ihm und seinen Kollegen der Bundespolizeiinspektion Hannover gab es für die vier couragierten Zwölfjährigen ein dickes Lob für ihr umsichtiges Handeln: „Das war eine ganz starke Leistung“, sagt der Sprecher.

Von Britta Mahrholz/RND