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Panorama Niels-Högel-Prozess: Zeugin spricht von „Mauer des Schweigens“ bei Klinikleitung
Nachrichten Panorama Niels-Högel-Prozess: Zeugin spricht von „Mauer des Schweigens“ bei Klinikleitung
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17:33 21.02.2019
Der wegen Mordes an hundert Patienten an den Kliniken in Delmenhorst und Oldenburg angeklagte Niels Högel steht am Prozesstag im Gerichtssaal. Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Oldenburg

Im Umgang mit dem wegen 100-fachen Mordes angeklagten Ex-Pfleger Niels Högel hat es seitens der damaligen Klinikleitung in Oldenburg nach Zeugenaussagen offenbar eine Mauer des Schweigens gegeben. Eine frühere Betriebsrätin sagte am Donnerstag im Prozess vor dem Landgericht Oldenburg, dass die Klinikleitung im August/September 2002 aus ihrer Sicht nicht alles gesagt habe, was sie wisse. „Es war schon mein Eindruck, dass gemauert wurde. Immer, wenn man nachgefragt hat, gab es ausweichende Antworten“, sagte die heute 59-jährige Krankenschwester, die damals für die Betriebsratsarbeit freigestellt war.

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Richter machte mit Högel bereits schlechte Erfahrungen

Högel arbeitete von Juni 1999 bis Oktober 2002 am Klinikum Oldenburg und wechselte dann im Dezember 2002 bis zu seiner Festnahme im Juli 2005 ans Klinikum Delmenhorst. Ende 2002 wurde ihm auch vom Betriebsrat nahegelegt, die Klinik in Oldenburg zu verlassen, wo es laut Geschäftsführung keine Vertrauensbasis mehr für eine weitere Zusammenarbeit gab. In Oldenburg soll er 36 Patienten, in Delmenhorst 64 Patienten mit Medikamenten zu Tode gespritzt haben. Nach Schilderung der Betriebsrätin gab es seitens der Klinikleitung in Oldenburg damals lediglich „nebulöse Verdächtigungen, die aber nicht konkret gemacht wurden“.

Am 12. Verhandlungstag appellierte Richter Sebastian Bührmann noch einmal eindringlich an Högel: „Es ist für die Wahrheit nie zu spät.“ Dies gelte auch für den jetzigen Verhandlungsstand, wo sicher zwei Drittel der Zeugen gehört worden seien. „Wir alle, besonders die Nebenkläger, die hier sitzen, gieren nach der Wahrheit“, sagte der Richter, der in einem vorigen Prozess negative Erfahrungen mit Högel gemacht hatte. Lange Zeit habe dieser geleugnet, dass er im Klinikum Oldenburg überhaupt Patienten getötet hatte.

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Högels Taten hätten aber „fast suchtartige Züge“

Der Prozess in der Weser-Ems-Halle fand am Donnerstag unter großem Öffentlichkeitsinteresse mit rund 200 Besuchern statt. Der Richter erinnerte daran, dass Högel zum Ende seiner Tätigkeit in der Klinik Oldenburg von Januar bis September 2002 in der Anästhesieabteilung gearbeitet habe. Dort seien keine Tötungsfälle bekannt. Högels Taten hätten aber „fast suchtartige Züge“, so Bührmann. Es sei deshalb nur schwer vorstellbar, dass Högel nach der Versetzung in die Anästhesiestation monatelang nur stillgehalten habe.

Der 2015 unter anderem wegen Mordes verurteilte Högel (42) sitzt bereits wegen des Todes von sechs Patienten lebenslang in Haft. Am Donnerstag sagte auch ein Ex-Kollege aus Oldenburg über drei Stunden vor Gericht aus. Er beschrieb Högel als kompetent, beliebt und dynamisch. Im Rückblick erinnerte er sich aber auch an den Spitznamen „Sensen-Högel“. Der 48-Jährige berief sich wie viele Zeugen zuvor trotz intensiven Nachfragens und des Vorhaltens früherer Aussagen von 2014 in vielen Punkten auf Erinnerungslücken. „Es fällt mir schwer, dass Sie sich 2014 an solche intensiven Sachen erinnern und 2019 nicht mehr“, sagte Bührmann.

Erinnerungslücken bei Zeugen

Der Richter hielt dem Zeugen mehrfach SMS-Nachrichten und E-Mails aus dem Jahr 2014 vor, in dem sich der 48-Jährige mit einem damals befreundeten Kollegen offen über die Lage im Oldenburger Klinikum und die Stimmung austauschte. Darin hatte sich der Zeuge aus Sicht des Gerichtes wesentlich deutlicher geäußert als derzeit. Auch Teile eines Gesprächsprotokolls nach einem Treffen mit dem Oldenburger Klinik-Chef Dirk Tenzer wollte er nur teilweise bestätigen. Damals soll sich der Zeuge mit Blick auf die Vorgänge um Högel verwundert gezeigt haben, dass alles so lange nicht hochgekocht und „verschwiegen“ worden sei.

Was er am Donnerstag schilderte, habe dagegen einen ganz anderen Zungenschlag, so Bührmann, der den Zeugen zum Schluss seiner Aussage vereidigen ließ. Das hatte die Kammer an vorangegangenen Prozesstagen auch mit anderen Zeugen gemacht, die ebenfalls mehrfach durch Erinnerungslücken auffielen. Die Oldenburger Staatsanwaltschaft leitete inzwischen gegen vier Zeugen Verfahren wegen des Verdachts auf Meineid ein.

Von RND / dpa

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