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Panorama Drei Eimer Strafwein: Narrengericht verurteilt Kramp-Karrenbauer
Nachrichten Panorama Drei Eimer Strafwein: Narrengericht verurteilt Kramp-Karrenbauer
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21:25 28.02.2019
Die Bundesvorsitzende der CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer, steht vor dem Narrengericht und verzieht das Gesicht. Quelle: Patrick Seeger/dpa
Stockach

Annegret Kramp-Karrenbauer war eigentlich vor dem Narrengericht angeklagt, zeigte sich aber unbeeindruckt. Sie habe lange überlegt, ob sie überhaupt erscheinen solle, sagt Annegret Kamp-Karrenbauer vor dem traditionellen Stockacher Narrengericht. „Ich frage Euch: Wann ist jemals in der Geschichte der Menschheit irgendetwas Vernünftiges dabei herausgekommen, wenn 20 Männer ohne die Beteiligung einer Frau etwas beraten haben? Noch nie.“

Die mehr als 600 Jahre alte Tradition des „Hohen Grobgünstigen Narrengericht zu Stocken“ gehört zu den Höhepunkten der schwäbisch-alemannischen Fastnacht in Baden-Württemberg. Sie geht der Legende nach zurück auf den Hofnarren Hans Kuony des Habsburger Herzogs Leopold I. Als Dank für seine Ratschläge erhielt er 1351 das Privileg, jedes Jahr ein Narrengericht abhalten zu dürfen.

„Gewaltsame Kastration der CDU“

In diesem Jahr hält der Kläger Kramp-Karrenbauer insgesamt drei Anklagepunkte vor:

Sie habe sich erstens der „gewaltsamen Kastration der CDU“ schuldig gemacht. Die Futterliste der von ihr gerissenen politischen Platzhirsche sei gewaltig - und die halbe CDU entmannt.

Außerdem habe der damalige Papst Benedikt ihr 2013 am „Schmotzigen Dunschtig“ eine Privataudienz gewährt. „Nur vier Tage später ist er völlig überraschend vom höchsten Amt zurückgetreten. Ich möchte gar nicht wissen, was sie dem armen Papst alles abgebissen hat.“ Zur Sicherheit trage das Narrengericht lange Unterhosen. 

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Was Kramp-Karrenbauer dazu sagt? Ja, sie sei beim Papst gewesen. Ja, er sei vier Tage später zurückgetreten. „Und danach wurde Annette Schavan deutsche Botschafterin beim Vatikan. Also wisst ihr, was nächste Woche auf Euch zukommen wird.“ 

Die weiteren Vorwürfe: „Thronraub durch Verführung Minderjähriger“ - weil Kramp-Karrenbauer die Wahl um den CDU-Vorsitz im vergangenen Dezember nur mit Hilfe der Jungen Union gewonnen habe - sowie „die Unterjochung und Zersetzung der Republik durch saarländische Leitkultur.

Milde Strafe für AKK

Kramp-Karrenbauer weist alle Punkte überzeugt von sich. Dass so viele Saarländer in Berlin seien, sei nur der Not geschuldet - auch sie sei nur im Konrad-Adenauer-Haus, weil man dort einen brauche, der die Scherben der anderen unter den Teppich kehre.

Der letzte Anklagepunkt überzeugte die närrischen Richter dann auch nicht - Kramp-Karrenbauer wurde nur in den ersten beiden Punkten für schuldig befunden. Zahlen müsse sie drei Eimer Wein à 60 Litern - einer in Weiß, zwei in Rot, urteilte der Narrenrichter.

Die CDU-Bundesvorsitzende saß in Baden-Württemberg auf der Anklagebank – vor dem traditionellen Narrengericht.

Damit blieb das Gericht vergleichsweise mild - im vergangenen Jahr wurde Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) zu einer Strafe von sechs Eimern Wein - allerdings zu je 41 Litern - verurteilt. Ob sie das Urteil annehme? „Ohne Überzeugung, aber aus Respekt vor dem Grobgünstigen Narrengericht“, sagte die 56-Jährige. 

Die mehr als 600 Jahre alte Institution des Narrengerichts macht jährlich Polit-Prominenz satirisch den Prozess. Auf der Anklagebank saßen unter anderen bereits der inzwischen verstorbene CSU-Politiker Franz Josef Strauß (CSU), Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) oder der ehemalige FDP-Chef Philipp Rösler (FDP).

Von RND/dpa