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Panorama Nadine Berneis ist die neue „Miss Germany“
Nachrichten Panorama Nadine Berneis ist die neue „Miss Germany“
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17:35 24.02.2019
Nadine Berneis wird im Europa-Park zur "Miss Germany 2019· gekürt. Sie erhält dabei die Krone von Miss Germany 2018, Anahita Rehbein. Quelle: Uli Deck/dpa
Rust

Die neue „Miss Germany“ ist kein Model und auch keine Hairstylistin: Nadine Berneis, amtierende Miss Baden-Württemberg, arbeitet als Polizistin – und will zeigen, dass es kein Widerspruch ist, im Job tough zu sein und ernstgenommen zu werden und gleichzeitig an einem Schönheitswettbewerb teilzunehmen.

Die Stuttgarterin, die sich am Samstagabend im Europa-Park Rust gegen 15 Konkurrentinnen durchsetzte und zur schönsten Frau Deutschlands gewählt wurde, ist nicht die erste Polizistin, die zwischen Job und Influencer-Dasein – denn auch das ist mittlerweile ein Teil des Lebens als „Miss Germany“ – hin- und herspringt. Vor nur wenigen Monaten sorgte die Dresdnerin Adrienne Koleszar, die oft als „schönste Polizistin Deutschlands“ bezeichnet wird, für Aufsehen: Sie sollte sich zwischen ihrem Job als Polizistin und dem Modeln auf Instagram entscheiden, so die Aufforderung der Polizei Dresden.

Im Europa-Park Rust ist die „Miss Germany“ 2019 gekürt worden. Gewonnen hat die 28-jährige Stuttgarterin Nadine Berneis. Sie setzte sich gegen 15 Konkurrentinnen durch. Wir zeigen die Bilder des Schönheitswettbewerbes.

Für die 28-jährige Berneis, die Koleszar jetzt den Rang der schönsten Polizistin streitig macht, scheint das auf den ersten Blick einfacher zu sein: „Ich lasse mich für ein Jahr beurlauben“, sagt die frischgekürte „Miss Germany“. In diesem Jahr wolle sie sich ganz auf ihre Aufgaben als Schönheitskönigin konzentrieren.

„Natürlich geht das mit dem beurlauben nicht einfach so. Ich musste das vorher abklären, aber es sieht gut aus. Der Beurlaubungsantrag liegt beim Innenministerium, und wenn die jetzt erfahren, dass ich „Miss Germany“ geworden bin, unterschreiben sie ihn hoffentlich schnell“, erklärt sie das Vorgehen.

Wie Dresdens Polizistin Koleszar postet auch Berneis regelmäßig Bilder von sich auf Instagram. Nicht in Uniform von der Streife, sondern in Kleidchen, Sportsachen oder Bikini lächelt einem die junge Frau mit der auffälligen Zahnlücke zwischen den oberen Schneidezähnen dort entgegen. Während Koleszar mehr als eine halbe Millionen Menschen folgen, sind es bei der „Miss Germany“ 2019 bisher nur etwas über 4000. Das könnte sich mit ihrem neuerworbenen Titel bald ändern.

Berneis, die in ihrer Freizeit gern Rennrad fährt, will nach dem Jahr aber wieder zurück in den Beamtendienst und nicht etwa hauptberuflich eine Modelkarriere starten. „Ich bin Ermittlerin für Cyberkriminalität“, erzählt sie. Statt Streife zu fahren setze sie sich also beispielsweise mit Betrügern auf Ebay oder Beleidigungen in sozialen Netzwerken auseinander.

„Ein Traum von mir wäre, mal in der Hubschrauberstaffel zu arbeiten“, verrät sie. Und auch sonst hat sie schon Zukunftspläne: „Ich werde dieses Jahr auf jeden Fall für mich mitnehmen, weil in zwei Jahren bin ich 30, dann will ich auch langsam mit der Familienplanung anfangen“, sagt Berneis, die mit ihren 28 Jahren die älteste amtierende „Miss Germany“ ist, die je seit Einführung der Wahlen im Jahr 1927 gewählt wurde.

Auch die Vize-„Miss Germany“ Pricilla Klein aus Hamburg und die Drittplatzierte Anastasia Aksak aus Sachsen sind mit ihren 23 und 21 Jahren um einiges jünger als die Polizistin. Zwischen 18 bis 29 Jahren alt dürfen die Kandidatinnen sein – und seit diesem Jahr auch verheiratet oder mit Kindern, was aber keine der Kandidatinnen war.

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Außerdem liefen die Missen bei dieser Wahl erstmals nicht im Bikini – eine Neuerung im Reglement. Gewinnerin Berneis sagt dazu: „Ich persönlich finde es gut, dass es keinen Bikini-Walk mehr gibt. Es war einfach unangenehm wenn man in Kaufhäusern oder vor so vielen Leuten im Bikini laufen muss.“ Die Städte- und Bundeslandwahlen werden unter anderem in Kaufhäusern ausgetragen. „Und es ist auch nicht mehr unbedingt zeitgemäß“, so Berneis weiter – stehe doch nicht nur das Aussehen, sondern auch die Persönlichkeit bei der Wahl im Vordergrund.

Dass die Kandidatinnen vorher zahlreiche Shootings in Bademode haben – auch eine Choreografie nur im BH mit offenem Blazer darüber auf der Bühne vorführen – sehen sie offenbar nicht als Widerspruch dazu. „Das widerspricht sich nicht. Das eine ist ein Modelshooting im geschützten Rahmen, wo es selbstverständlich ist, im Bikini auch zu arbeiten. Das andere ist ein Laufsteg mit Live-Publikum“, meint Make-up-Artist und Jurymitglied Boris Entrup.

Auch CDU-Politiker Wolfgang Bosbach, der seit Jahren als Juror dabei ist – und seine Kompetenz, Frauen zu bewerten, nach eigenen Aussagen aus dem Zusammenleben mit seiner Frau und den vier Töchtern zieht – sieht „Miss“-Wahlen heutzutage noch als zeitgemäß an: „Schönheitswettbewerbe sind genauso zeitgemäß wie früher auch. Tausende junge Damen bewerben sich, für sie soll ein Traum in Erfüllung gehen, für sie ist das ein wunderschönes Ereignis“, sagt er.

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Von Hannah Scheiwe/dpa