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Panorama Mario Barth: „Es gehörte zum guten Ton, mich zu dissen“
Nachrichten Panorama Mario Barth: „Es gehörte zum guten Ton, mich zu dissen“
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18:26 01.04.2019
Mario Barth ist zurzeit auf Tour, unter anderem tritt er am 4. Mai in Hannover auf. Dort werden auch Aufnahmen für eine DVD aufgezeichnet. Quelle: Uwe Anspach/dpa

Es ist 30 Minuten nach Show-Ende. Andere würden feiern, Sie geben ein Interview und trinken Thymian-Tee.

Mario Barth: Das klingt jetzt nicht so cool, ne? Aber wenn du zwei Stunden so Kehlkopfdruck auf der Bühne gibst wie ich, schwellen die Stimmbänder an. Zur Entspannung trinke ich auf Tour deshalb nur Thymian-Tee. Ich bin 46 und möchte auch nicht mehr bis in die Puppen feiern. Außerdem analysiere ich nach jeder Show noch meinen Auftritt.

Wie sieht das aus?

Das klingt vielleicht bekloppt, aber: Seit 19 Jahren lasse ich jede Show filmen. Dann schaue ich es mir nachts an und mir fallen Kleinigkeiten auf: Warum bin ich jetzt nach links gelaufen, mache aber rechts eine Armbewegung? Oder warum laber ich da so lange und komme nicht auf den Punkt? Das ist perfektionistisch. Aber manchmal habe ich einfach Schiss, weil ich mir nicht erklären kann, warum ich so erfolgreich bin. Vielleicht ist es auch genau das: dass ich mich nie auf etwas ausruhe.

In der Comedybranche hat man das Gefühl, dass die Kollegen Sie …

... hassen? (lacht) In der Branche gehörte es eine Zeit lang zum guten Ton, Barth zu dissen. Wir haben den Comedymarkt neu erfunden, aber auch Türen geöffnet. Es gab Comedy nicht in so großen Hallen, erst recht nicht vor so vielen Tausend Menschen. Außerdem spielen Neid und Missgunst im Leben immer eine große Rolle, auch wenn mir das fremd ist. Wenn sich Kollegen ein Flugzeug oder Boot gönnen, dann denke ich: Ja, warum denn nicht?

Mario Barth: Aufreger und Rekorde

Der Comedian Mario Barth hat beruflich schon Rekorde aufgestellt, gleichzeitig steht er oft in der Kritik. So hatte er 2016 ein Video auf Facebook gepostet, in dem behauptet, es gebe die von Medien verbreiteten Proteste vor dem Trump Tower nicht. Die Kritik folgte zugleich: Barth verbreite mit solchen Scherzen das rechte „Lügenpresse“-Stereotyp. Barths Antwort: Ihn dem rechten Milieu zuzuordnen sei Quatsch, sein Urgroßvater sei jüdisch gewesen. Bereits 2011 hatte der Comedian einen Rechtsstreit mit der Linksjugend Solid aus Mecklenburg-Vorpommern, weil die bei einer Kampagne gegen sexistische Rollenklischees ein Bild von Barth auf ein Poster gedruckt hatten.

Gleichzeitig hat Barth beruflich viel Erfolg: Er hat bereits elfmal den Deutschen Comedypreis gewonnen, unter anderem für sein Programm „Männer sind primitiv, aber glücklich!“. Die Live-CD und -DVD dazu gilt als meistverkaufter Comedytonträger in Deutschland. Er veröffentlichte auch ein Wörterbuch: „Frau – Deutsch, Deutsch – Frau“.

Sagt sich natürlich leicht, wenn man es selbst auch kaufen könnte.

Das war ja nicht immer so, ich komme aus sehr einfachen Verhältnissen. Meine Mutter hat mich und meine Geschwister groß gezogen. Da gab’s keine Adidas-Schuhe. Ich weiß heute noch genau, was 50 Euro sind.

Treten Sie denn heute noch des Geldes wegen auf?

Geld hat für mich heute eine andere Wertigkeit, Geld ist eine Wertschätzung. Aber: Man bekommt mich heute nicht mehr für Geld. Ich hatte mal vor Jahren eine Anfrage von Carsten Maschmeyers AWD – für keinen Preis der Welt hätte ich das gemacht. Ich hab den Job noch nie für die Kohle gemacht. Ich kann heute noch nicht mal sagen, was ich an dem Abend verdient hätte.

Man sieht sie immer als Strahlemann – wann weint Mario Barth?

Ich weine genau wie jeder andere, wenn er einen geliebten Menschen verliert. Als mein Kinofilm anlief, hab ich ausgerechnet auf dem Weg zum roten Teppich die Nachricht bekommen, dass meine Oma gestorben ist. Da musste ich erst mal mit dem Auto einige Runden drehen, um mich zu fangen – und kam deshalb auch zu spät zu meiner eigenen Premiere. Aber ich weine auch mal vor Freude: Als ich 2008 auf der Center Stage vom Olympiastadion lag und die Show vor 70 000 Menschen vorbei war, da hatte ich vor Glück und Stolz Tränen in den Augen.

Was machen Sie, wenn Sie mal nicht auf der Bühne stehen?

Ich lese Sachbücher: Psychologie, Management, Mitarbeiterführung, Rhetorik. Ich liebe das. Und ich male: Öl auf Leinwand, eher surrealistisch. Die hängen bei mir zu Hause. Ich hab die früher verkauft und vor 20, 30 Jahren damit mein erstes Geld verdient. Dann hab ich sie alle zurückgekauft – bis auf eins. Der eine hat’s leider gerafft und wollte es mir nicht zurück verkaufen.

Wer schreibt Ihre Witze?

Ich schreibe alle Gags selbst. Das liegt aber nicht daran, dass ich so ein geiler Typ bin – sondern dass ich bislang keinen Autoren gefunden habe, der so tickt wie ich. Ich kann leider gar nichts auswendig lernen, daher erzählte ich Dinge, die ich selber erlebt habe.

Im nächsten Jahr sind Sie 20 Jahre auf Tour…

Ununterbrochen! Wir feiern das groß am 6. Juni 2020 in der Waldbühne, mit vielen nationalen und internationalen Stars, die mich in den vergangenen Jahren auf meinem Weg begleitet haben. Vorab haben wir die Fans entscheiden lassen: Sollen wir das aktuelle Programm spielen – oder mein allererstes „Männer sind Schweine – Frauen aber auch.“ 70 Prozent waren für das alte. Nun muss ich mir erst mal die Gags wieder ins Gehirn reinpopeln. Einige davon sind auch überholt: Detlef Dee Soost, der dicke Tanzlehrer aus dem Osten, hat leider zu viel trainiert und ist jetzt nicht mehr dick.

Worüber darf man heute keine Witze mehr machen?

Wir leben heute in einer Gesellschaft, in der alle versuchen, 200 Jahre alt zu werden. Alles muss politisch korrekt sein. Dabei hat doch Comedy zum Beispiel zu Zeiten von Loriot nur funktioniert, weil es politisch inkorrekt war. Der hat einen Mann vorgeführt, der eine Nudel im Gesicht hängen hatte. Auch die Nummer mit den beiden Männern in der Badewanne würde heute wahrscheinlich nicht mehr gehen. Wir müssen wieder mutiger werden und uns bewusst machen: Man muss sich nicht immer für alles entschuldigen! Und der deutsche Humor ist viel besser als sein Ruf: Was gibt es dank Otto und Michael Bully Herbig für tolle, witzige Filme. Wir haben tolle Komiker, gute Schauspieler, super Musiker. Ich bin stolz auf unser Land und bin ein echter Patriot. Deswegen lebe ich auch hier und nicht in der Schweiz, auch wenn ich da deutlich weniger Steuern zahlen würde.

Von Lena Obschinsky/RND

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