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Panorama Mädchen inszenierte die eigene Entführung
Nachrichten Panorama Mädchen inszenierte die eigene Entführung
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14:30 25.11.2016
Nachdem die gefesselte Frau gefunden worden war, suchte die Polizei am Funort nach Spuren. Ihre Ermittlungsergebnisse passten nicht zu den Aussagen der 18-Jährigen. Quelle: dpa
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Celle/Hambühren

Am Mittwochabend hatte eine Autofahrerin die junge Frau mit gefesselten Händen an einer nahe gelegenen Landstraße aufgegriffen und die Polizei verständigt. Anschließend sprachen die Ermittler von „Verdachtsmomenten“, „die auf eine Freiheitsberaubung am Dienstagabend schließen lassen“.

Den Ermittlern kamen aber bald Zweifel. Die Schilderungen des angeblichen Opfers seien nicht mit den Spuren und den weiteren Ermittlungsergebnissen in Einklang zu bringen gewesen, erklärten die Beamten. Schließlich habe die 18-Jährige eingeräumt, ihre angebliche Entführung und die Situation ihrer Entdeckung inszeniert zu haben.

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Das Motiv ist noch unklar

In Wahrheit sei sie am Dienstagabend freiwillig in das Auto von Bekannten eingestiegen und habe mit ihnen die folgende Nacht verbracht. Am Mittwoch habe sie mit ihnen die Entführung inszeniert und sich gefesselt in einem Waldstück aussetzen lassen.

Als Motiv für den Schwindel verwies die 18-Jährige den Angaben zufolge auf „kriminelle Machenschaften, in die sie verwickelt sein will“. Die Ermittler äußerten sich aus ermittlungstaktischen Gründen zunächst nicht zu weiteren Details des Falls, der bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt hatte. Gegen die 18-Jährige werde nun wegen Vortäuschens einer Straftat ermittelt.

Bereits zuvor hatten die Ermittler bekanntgegeben, dass die junge Frau in der Region wegen einer Vielzahl von Sachbeschädigungen an Autos, Kennzeichendiebstählen und Brandstiftungen verdächtigt wird.

Wie die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ berichtet, soll die junge Frau Anfang des Jahres mit den Straftaten begonnen haben. Sogar eine „Bürgerpatrouille“ wurde in ihrem Heimat Hambühren vorübergehend ins Leben gerufen, um mit Streifengängen weiteren möglichen Taten vorzubeugen.

Erst in der vergangenen Woche sollen in dem Ort wieder Autos zerkratzt worden sein. In zwölf Fällen hat die Staatsanwaltschaft inzwischen Anklage erhoben. Ein Prozess vor dem Amtsgericht Celle ist für den 8. Dezember terminiert, wie Amtsgerichtdirektor Dieter-Philipp Klass bestätigte.

Viel zu spät, wie viele Menschen in Hambühren finden. Sie werfen der zuständigen Richterin am Amtsgericht vor, nicht entschieden genug gegen die junge Frau eingeschritten zu sein. Amtsgerichtsdirektor Klass wies den Vorwurf zurück. „Die Richterin hat zügig gearbeitet“, sagte er. Schneller sei es aufgrund der Vorschriften und Fristen nicht möglich gewesen.

Auch der Versuch des Landkreises Celle, die 18-Jährige in eine psychiatrische Klinik einweisen zu lassen, scheiterte nach Informationen der HAZ. Das Betreuungsgericht am Amtsgericht Celle soll am Freitag einen entsprechenden Antrag zurückgewiesen haben.

Der Landkreis wollte sie mit der Begründung einweisen lassen, das Verhalten der jungen Frau stelle eine Gefahr für die Allgemeinheit und auch für sich selbst dar. Weder das Amtsgericht noch der Landkreis Celle konnten sich am Freitag dazu äußern.

Von dpa/afp/RND/frs/doe