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Panorama Historische Kältewelle: US-Wetterdienst warnt vor Lebensgefahr
Nachrichten Panorama Historische Kältewelle: US-Wetterdienst warnt vor Lebensgefahr
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16:40 31.01.2019
Der Chicago River im Norden der USA unter einer dicken Eisschicht. Quelle: Patrick Gorski/XinHua/dpa
Chicago

Der Sonnenaufgang ist der kälteste Moment. Auf minus 29 Grad fällt zu diesem Zeitpunkt das Thermometer in Chicago. Die eigentliche Gefahr lauert jedoch im eisigen Wind, der die gefühlte Temperatur auf 46 Grad minus drückt. Wer sich bei diesen Bedingungen leichtfertig verhält, setzt sein Leben aufs Spiel.

Der Nationale Wetterdienst sowie Ärzte und Nothelfer warnten vor „lebensbedrohlichen“ Bedingungen. Mindestens drei Bundesstaaten riefen den Katastrophenfall aus. Bis zum Mittwoch starben bereits acht Menschen an den Folgen der Kälte, wie der Sender ABC berichtete.

Eindringlich appelliert auch Rahm Emanuel an die Menschen in seiner Heimatstadt: „Wir haben 270 Wärmezentren in der Stadt. Nutzt sie! Bleibt nicht in der Eiseskälte!“ Die Sorge des Bürgermeisters gilt vor allem den Obdachlosen, die sich in akuter Lebensgefahr befinden, sollten sie die Nächte im Freien verbringen. Um auch denen zu helfen, die sich nicht in städtische Einrichtungen begeben wollen, seien eigens mehrere Busse unterwegs, in denen sich die Betroffenen zumindest aufwärmen können: „Wir bringen die Wärmezentren zu ihnen, sodass sie ihre angestammten Plätze nicht verlassen müssen. Sie können so lange in den Bussen bleiben, wie sie wollen“, sagt Emanuels Sprecherin Christina Villarreal.

Klirrende Kälte und zweistellige Minusgrade: In den USA hat der Nationale Wetterdienst vor „lebensbedrohlichen Bedingungen“ gewarnt.

Aber auch für alle anderen Einwohner der Stadt hält Emanuel eindringliche Warnungen parat: „Nur mit voll aufgeladenem Mobiltelefon das Haus verlassen. Und für den Notfall immer eine oder mehrere Decken im Auto deponieren.“

22-Jähriger erfror nach dem Schneeschippen vor seinem eigenen Haus

Tatsächlich geht die Hauptgefahr nach Einschätzung der Stadtverwaltung eher von einem unbedachten Verhalten aus: Es ist von den ersten Opfern die Rede, die nach einem Unfall in Auto sitzen blieben und erfroren. Und ein 22-Jähriger, der zum Schneeschippen vor die Tür ging, erfror vor dem eigenem Haus, da er die Schlüssel vergessen hatte.

Es mangelt denn auch nicht an Appellen: „Das kalte Wetter bringt uns Temperaturen, die wir vorher noch nicht erlebt haben. Sie stellen eine ernsthafte Gefahr für die Gesundheit der Menschen im ganzen Staat darf“, schreibt Jay Robert Pritzker, Gouverneur von Illinois. Der Nationale Wetterdienst empfiehlt den Menschen im Mittleren Westen gar, auf der Straße tiefe Atemzüge zu vermeiden und so wenig wie möglich zu sprechen: „Das ist die kälteste Luft, die viele von uns erlebt haben.“

Meteorologen sprechen von Kälte-Rekorden, da sich arktische Luftmassen über den mittleren und östlichen Landesteilen der Vereinigten Staaten über mehrere Tage hinweg festsetzen würden. So zählt Grand Forks in North Dakota zu den kältesten Orten – mit minus 37 Grad und einer gefühlten Temperatur von etwa minus 50 Grad.

US-Präsident Trump twitterte über Erderwärmung

In Illinois, Michigan und Wisconsin wurden bereits unzählige Schulen geschlossen und mehrere tausend Flüge gestrichen. Für Aufsehen sorgt auch die Post: Die amerikanischen Briefträger, die eigentlich dafür bekannt sind, bei jedem Wind und Wetter unterwegs zu sein, blieben ausnahmsweise in ihren Dienstgebäuden, da die Postzustellung zurzeit zu gefährlich sei.

Notrufe erreichten die Behörden auch aus mehreren Gemeinden der Ureinwohner: Elliot Ward, Notfallhelfer im „Standing Rock Sioux“-Reservat, spricht von mehreren Regionen in Süd und Nord Dakato, in denen Menschen nur in Behelfshäusern leben und nicht ausreichend gegen die Kälte geschützt sind. „In diesem Jahr hatten wir verheerende Wirbelstürme, die viele Häuser zerstörten. Jetzt drohen die Menschen in den Notunterkünften zu erfrieren“, so Ward.

Angesichts der dramatischen Wetterverhältnisse stoßen die jüngsten Spötteleien des Staatsoberhauptes auf wenig Verständnis. So twitterte Präsident Donald Trump: „Was zum Teufel ist mit der Erderwärmung los? Bitte komm schnell zurück, wir brauchen dich.“

Polarwirbel sorgt für eisige Temperaturen

In der Nacht zum Donnerstag wurde es zum Beispiel im Norden und in der Mitte des großen Landes kälter als minus 30 Grad Celsius. Deshalb blieben viele Schulen geschlossen. Auch Flugzeuge konnten nicht fliegen oder hoben verspätet ab, weil sie vereist waren.

Wieso es dort gerade so kalt ist? Das liegt an einem Polarwirbel, sagen Wetter-Experten. Dieser Wirbel entsteht im Winter über dem Nordpol. Weil dort kein Sonnenlicht die Luftschicht der Erde erwärmt, sammelt sich kalte Luft an. Der Luftdruck ist tief. So entstehen stärkere Winde, die aus dem Westen wehen. Die nennt man Polarwirbel.

Der Wirbel bleibt normalerweise über der Arktis, sagen die Experten. Doch es kann passieren, dass sich Teile lösen und Richtung Süden wandern. Das ist gerade der Fall. Deshalb ist es in Teilen der USA und auch in Kanada gerade so kalt.

Von Stefan Koch/RND

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