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Panorama Hat Russland Sexszenen in „Rocketman“ zensiert?
Nachrichten Panorama Hat Russland Sexszenen in „Rocketman“ zensiert?
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21:32 31.05.2019
Elton John, Musiker aus Großbritannien. Quelle: Joel C Ryan/Invision/AP/dpa
Moskau

– In Russland sind aus dem Film „Rocketman“ über das Leben von Popstar Elton John mehrere Szenen mit schwulem Sex und Drogenkonsum herausgeschnitten worden. Daraufhin entbrannte eine Zensurdebatte in dem Land, in dem Homosexualität zwar legal ist, aber weitgehend tabuisiert wird. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International verlangte am Freitag, dass der Streifen ungekürzt gezeigt wird. Demnach hatten sich Filmkritiker, die das Biopic beim Festival in Cannes gesehen hatten, bei einer Vorführung am Donnerstagabend in Moskau über fehlende Szenen gewundert.

Kulturministerium weist Vorwürfe von sich

Das russische Kulturministerium in Moskau wies die Verantwortung von sich. Es seien keine Anweisungen gegeben worden. Es handele sich wohl um einen Fall von „Selbstzensur“, sagte die Leiterin der Filmabteilung im Ministerium, Olga Ljubimowa, der Agentur Interfax. Das Ministerium habe die vorgelegte Version des Films mit der Altersfreigabe 18+ für den Vertrieb in Russland abgesegnet.

„Tatsächlich gab es Veränderungen in dem Film gemäß der russischen Gesetzgebung“, sagte eine Sprecherin des russischen Vertriebsunternehmens Central Partnership der Staatsagentur Tass. Amnesty International sprach von „schwulenfeindlicher Zensur“ und einer Beleidigung für Homo-, Bi-, Trans- und Intersexuelle. Offiziell gibt es keine Zensur in Russland, weshalb solche Veränderungen auch nach russischem Recht illegal sein dürften.

Umstrittenes Gesetz

Zwar hat Russland ein international umstrittenes Gesetz, das „Homopropaganda“ verbietet. Dabei geht es laut Gesetz darum, dass es in Gegenwart von Kindern keine lebensbejahenden Darstellungen gleichgeschlechtlicher Liebe geben darf. Entsprechend benötigen etwa Filme eine Altersfreigabe. Homosexuelle sind in Russland immer wieder schwersten Anfeindungen ausgesetzt – bis hin zu Todesdrohungen.

Von RND/dpa