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Panorama Obdachlose: Jetzt schon mehr Kältetote als sonst im ganzen Winter
Nachrichten Panorama Obdachlose: Jetzt schon mehr Kältetote als sonst im ganzen Winter
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17:09 23.01.2019
Die Zahl der Wohnungslosen steigt, und auch die Zahl der Kältetoten wuchs zuletzt wieder. Quelle: Tobias Hase/dpa
Hannover

Noch bis Samstag rechnen die Meteorologen in den Nächten mit hohen Minusgraden in ganz Deutschland. Für viele Obdachlose bedeutet die Wettervorhersage Lebensgefahr. Am Mittwoch wurde ein 54-jähriger Mann tot auf einer Treppe in der Nähe des „Mövenpick“ am Kröpcke in Hannover gefunden.

In Berlin starb kürzlich ein 55-jähriger Russe auf einer Parkbank. Allein in Hamburg wurden in dieser Saison vier Obdachlose entdeckt: Ein 64-Jähriger befand sich am Wahrzeichen der Stadt, dem Michel. Die Stadtreinigung fand einen Mann unter einer Brücke. Ein gebürtiger Pole hatte sich in einem leerstehenden Haus im Stadtteil Harburg aufgehalten, und eine 43-jährige Frau lag auf einer Parkbank – alle tot. Auch in Düsseldorf kamen zwei Obdachlose ums Leben, außerdem je einer in Flensburg, Essen, Köln und in Lauchhammer in der Lausitz. Der Tote in Essen war erst eine Woche zuvor aus der Justizvollzugsanstalt entlassen worden.

Die Karte zeigt, wo Obdachlose seit 2008 erfroren sind

Mitarbeiter der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) werten jeden Tag die Medienberichte aus und dokumentieren jeden Einzelfall. Allein in diesem Winter sind 12 Todesfälle durch Kälte bekannt, der Fall in Flensburg muss allerdings noch offiziell bestätigt werden. Damit sind bis heute bereits mehr Obdachlose erfroren als sonst durchschnittlich in einem ganzen Winter. Nur 2009/2010 hatte die Kälte bis zu diesem Zeitpunkt mehr Tote gefordert. Der Winter 2017/2018 war ebenfalls hart, dauerte zudem lange an: Am Ende standen 21 Kälteopfer. Insgesamt berichteten die Medien in den vergangenen 10 Jahren von mehr als 112 Kältetoten.

Dass die Zahl der Opfer zuletzt wieder wuchs, dürfte auch mit der gestiegenen Zahl der Wohnungslosen zusammenhängen. Die BAWG schätzt ihre Zahl auf mehr als eine Million. Das heißt allerdings nicht, dass diese Menschen alle auf der Straße leben. Der Großteil kommt irgendwie unter: in Notunterkünften, betreuten Wohngemeinschaften oder bei Freunden. Etwa 14 Prozent der Wohnungslosen sind tatsächlich obdachlos und übernachten auf Parkbänken, in Hausfluren, Zelten und Abrisshäusern, ergab eine Umfrage der Berliner Alice-Salomon-Hochschule.

Berlin ist die Hauptstadt der Kältetoten

Dabei hat jeder von ihnen Anspruch auf eine Notunterkunft. In vielen Großstädten fahren ehrenamtliche Mitarbeiter mit Kältebussen durch die Gegend und verteilen warme Getränke, Schlafsäcke und bieten eine Fahrt in eine Notunterkunft an. Viele Obdachlose nehmen das Übernachtungsangebot allerdings nicht an, unter anderem weil sie sich dem Alkohol- und Drogenverbot dort nicht unterwerfen wollen. Der Tagesspiegel berichtet beispielsweise, dass in Berlin jede Nacht mehr als 200 Betten leer bleiben.

Ließen sich mehr Obdachlose dazu bewegen, eines davon zu belegen, wäre Berlin möglicherweise nicht die Hauptstadt der Kältetoten: In den vergangenen 10 Jahren starben dort 16 Menschen an Unterkühlung. Platz zwei in dem traurigen Ranking belegt Hamburg mit 14 dokumentierten Toten. In Düsseldorf und Köln sind in diesem Zeitraum jeweils 5 Todesfälle registriert. Hannover hatte nun seinen zweiten Kältetoten zu verzeichnen.

Die Karte zeigt, wie viele Obdachlose in den einzelnen Städten an Unterkühlung gestorben sind

Weiterlesen:
Fast 80 Kältetote in Ungarn in diesem Winter

Von Johannes Christ/RND

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