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Panorama Familie schmiedet Mordplan und scheitert – siebenjähriges Kind am Tatort
Nachrichten Panorama Familie schmiedet Mordplan und scheitert – siebenjähriges Kind am Tatort
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11:40 06.04.2019
Ungefähr hier sollte der Mord geschehen. Im Wald liegt ein inzwischen beschrankter Bahnübergang auf der Regionalbahnstrecke 33 von Wannsee nach Jüterbog.   Quelle: Thomas Wachs
Treuenbrietzen

Wäre das eine Tatort-Folge, würden die meisten Zuschauer am Ende wohl denken: Ganz schön weit hergeholt. Doch das Komplott der mörderischen Familie W. aus Treuenbrietzen in Brandenburg ist kein Krimi im Fernsehen, sondern das einzige Kapitalverbrechen, das die Polizei in Brandenburg/Havel im vergangenen Jahr ausermittelt hat.

Die Geschichte des misslungenen Mordes steckt voller Abgründe. Der Hass einer inzwischen 50 Jahre alten Frau aus Treuenbrietzen auf den eigenen Neffen geht im Dezember 2016 so weit, dass sie ihre Söhne dazu bringt, den eigenen Neffen in eine Falle zu locken, um ihn dort zu erschlagen.

Zwei Frauen verstecken sich in der Nähe

Die Frauen der Familie fahren mit zum Tatort, zwei von ihnen halten sich in einem nahe gelegenen Waldstück versteckt. Die dritte Frau bleibt mit ihrem sieben Jahre alten Junge ebenfalls in der Nähe. Das Kind ist der Sohn eines der Brüder, die den Mordplan umsetzen sollen.

Die Vorgeschichte: Im Jahr 2013 zieht der erwähnte Neffe in das Haus der Familie W. in Treuenbrietzen. Er ist zwar hilfsbereit, aber nicht beliebt bei Tante, Cousins und deren Partnerinnen. Sie sind neidisch auf den Trödelhändler, der etwas cleverer ist als die anderen, auch als die Tante, die als Boss der Familie das Wort führt.

Cousins oft in Geldnot

Besagter Neffe kauft Wertgegenstände seiner Cousins, die sich oft in Geldnot befinden, für wenig Geld auf. Deren Mutter entwickelt eine tiefe Abneigung gegen den jungen Mann, obwohl auch der keineswegs reich ist.

Mit den Jahren steigert die Tante ihre Abneigung in irrationalen Hass, wie die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Potsdam später feststellen wird. Die dominante Frau redet ständig, sogar vor einem Freund ihrer Söhne, davon, dass der verabscheute Neffe „vernichtet“ gehöre.

Er müsse unbedingt weg, man solle ihm „vor den Kopf hauen“, ihn „verbrennen“, „eingraben“ oder einfach „in einen Bunker schmeißen“. Denn nur so könne die Familie den lästigen Neffen und Cousin loswerden und müsste sich nicht mehr über seinen Wohlstand und seine Methoden ärgern.

Die von Hass zerfressene Frau lässt nicht locker, schickt einen ihrer Söhne sogar zu den „Russen“ aus Altes Lager bei Jüterbog, um sie auf den arglosen Neffen anzusetzen. Ohne Erfolg.

Hasstiraden bringen gewünschten Effekt

Kurz vor Weihnachten 2016 hat die Frau ihre etwas einfältigen, damals 27 und 24 Jahre alten Söhne nach jahrelangen Hasstiraden schließlich doch so weit.

Die Mutter (der Boss), ihre beiden Söhne, deren Partnerinnen und das Kind fahren gegen 18 Uhr „gruppendynamisch beflügelt“ mit dem BMW und dem Skoda der Brüder auf der Kreisstraße in Richtung Treuenbrietzen, wie das Landgericht im inzwischen rechtskräftigen Urteil schreibt.

Sie stellen den BMW kurz vor dem damals unbeschrankten Bahnübergang an der Schlalacher Straße nahe Brachwitz ab. Der Skoda fährt ein Stück weiter auf der verkehrsarmen Straße bis zum Bahnübergang und wird am Fahrbahnrand in Fahrtrichtung Treuenbrietzen abgestellt.

Der jüngere Bruder ruft einen guten Freund über Handy an und lässt ihn aus unerklärlichen Gründen mit anhören, wie er mit dem älteren Bruder den Mordplan noch einmal durchspricht.

Das Opfer wird angerufen. Der verhasste Cousin soll schnell kommen und vorgeblich Pannenhilfe leisten. Er soll sich, so der Plan, bei geöffneter Klappe über den Motor beugen. Der ältere Bruder soll ihn totschlagen, der jüngere bei möglicher Gegenwehr mit einem Deospray der Marke 8x4 außer Gefecht setzen. Die Leiche soll am Ende in einem blauen Müllsack verstaut werden.

Tatsächlich kommt der Cousin zur einsamen Kreisstraße, um zu helfen. Doch er beugt sich nicht über den Motor, weil er müde ist und, statt etwas zu reparieren, den mutmaßlich defekten Wagen nur abschleppen will.

Schlag mit dem Radmutternschlüssel

Immerhin, er beugt sich nach unten in den Kofferraum und sucht nach der Abschleppöse. In dem Moment trifft ihn ein Schlag mit dem Radmutternschlüssel auf den Hinterkopf – mit solcher Wucht, dass die Aufstecknuss abfällt.

Das Opfer schreit auf vor Schmerz, torkelt, denkt, die Autobatterie sei explodiert, verliert kurz das Bewusstsein. Als er wieder zur Besinnung kommt, sieht er die beiden Cousins, die ihn schockiert und wortlos beobachten, aber erst einmal keine Anstalten machen, ihn erneut anzugreifen.

Dem getroffenen Mann dämmert, was geschehen soll, als der ältere Cousin den fallengelassenen Radmutternschlüssel aufhebt. Beide Brüder stehen bedrohlich vor ihm. Das Deospray kommt übrigens nicht zum Einsatz, der jüngere Bruder hat es einfach im Auto zurückgelassen.

Ihr Cousin schreit: „Verdammte Scheiße, was ist passiert, was habe ich euch getan?“ Er rappelt sich auf, greift sich sein Mobiltelefon, rennt zu seinem eigenen Transporter, steigt hastig ein und fährt die sieben Kilometer lange Strecke zum Haus seiner Großmutter. Die Polizei wird verständigt.

Das Opfer bleibt am Leben, trägt eine drei Zentimeter große Platzwunde davon und einen Bluterguss am Knie durch den Sturz. Seine mörderische Verwandtschaft wird er erst knapp zwei Jahre später als Zeuge im Gericht wiedersehen.

Mutter hinterher enttäuscht

Die Drahtzieherin des Komplotts ist mehr als enttäuscht. Sie macht ihren Söhnen Vorwürfe, kommt schimpfend aus ihrem Versteck, findet es „Scheiße, dass das nicht geklappt hat, dass der noch lebt“.

Die Arbeit der Ermittler und des Gerichts wird erleichtert dadurch, dass die ganze Tatzeit über die Handyverbindung zu dem Freund aufrechterhalten bleibt und der gescheiterte Mord somit akustisch dokumentiert ist.

In einem ersten Prozess vor dem Landgericht Potsdam sind die Mutter und ihre beiden Söhne angeklagt. Alle drei sind laut Gutachter gestört und unterdurchschnittlich intelligent, aber nicht schwachsinnig (Intelligenzquotienten zwischen 63 und 76).

Die Potsdamer Schwurgerichtskammer verurteilt die Mutter der Familie wegen Anstiftung zum versuchten Mord zu vier Jahren und vier Monaten Haft.

Der Sohn, der zugeschlagen hat, bekommt drei Jahre Gefängnis wegen gefährlicher Körperverletzung, sein Bruder eine Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten, die in seinem Fall zur Bewährung ausgesetzt wird.

Der ganze Fall ist noch nicht abgeschlossen. Die Partnerin des einen Bruders ist inzwischen angeklagt wegen Beihilfe zum versuchten Mord. Gegen eine andere zur Tatzeit noch minderjährige Freundin sind die Ermittlungen nach MAZ-Informationen noch nicht abgeschlossen.

Von RND/Jürgen Lauterbach

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