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Panorama Elyas M’Barek: „Den Menschen wird Angst eingejagt“
Nachrichten Panorama Elyas M’Barek: „Den Menschen wird Angst eingejagt“
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15:38 14.04.2019
Elyas M’Barek spielt in „Der Fall Collini“ einen Anwalt. Quelle: N.Kolinz/Imago

Herr M’Barek, wie haben Sie sich in der Schule im Fach Geschichte geschlagen?

Ganz gut. Deutsch und Geschichte waren meine Lieblingsfächer. Die Beurteilungen waren allerdings wechselhaft – und manchmal war wohl auch mein Interesse noch größer als meine Note gut.

Welche Rolle spielte das Thema Nationalsozialismus?

Eine sehr wichtige. Und das fand ich richtig so. Was im Unterricht aber nicht vorkam, ist das, wovon im Film „Der Fall Collini“ erzählt wird: Wie dem Bundestag Ende der Sechzigerjahre ein Gesetz quasi untergeschoben wurde, das zu einer klammheimlichen Amnestie von NS-Gewaltverbrechen führte. Das sogenannte Dreher-Gesetz sorgte dafür, dass bestimmte Mordgehilfen nur noch als Totschläger und nicht als Mörder belangt werden konnten – und deshalb galten ihre Taten plötzlich als verjährt. Damals saßen dieselben Leute an den Schaltstellen der Macht, die eben noch Kriegsverbrechen begangen hatten und sich nun gegenseitig deckten.

Sie sind in München aufgewachsen: Haben Sie mal die KZ-Gedenkstätte Dachau besucht?

Seltsamerweise nicht. Das könnte damit zusammenhängen, dass ich so oft die Schule gewechselt habe und den Besuch immer verpasst habe. Aber gerade eben bin ich hier in Berlin am Holocaust-Mahnmal vorbeigefahren: Da schaue ich immer genau hin.

Sind Sie bei Auslandsreisen schon mal darauf angesprochen worden, wie gut sich die Deutschen ihrer NS-Vergangenheit gestellt haben?

Bislang nicht. Im Ausland werde ich nur selten als Deutscher wahrgenommen. Aber es stimmt: In Deutschland spürte man lange Reue und auch den Willen zur Aufarbeitung. Leider droht dieser Konsens wegen AFD und Konsorten gerade zu kippen.

Zur Person: Elyas M’Barek

Geboren: 29. Mai 1982 in München als Sohn eines Tunesiers und einer Österreicherin.

Karriere: Noch während der Schulzeit erhält er seine erste Rolle in der Komödie „Mädchen, Mädchen“. Später bricht er sein BWL-Studium ab und konzen­triert sich aufs Filmgeschäft. Nach „Alarm für Cobra 11“ und seiner Rolle als türkischstämmiger Macho Cem Öztürk in „Türkisch für Anfänger“ avanciert er schließlich in „Fack ju Göhte“ zum absoluten Kinoliebling. Jetzt zeigt sich der Schauspieler von einer überraschenden Seite: als Anwalt im bitterernsten Drama „Der Fall Collini“ (Kinostart: 18. April).

Im Kino verkörpern Sie einen Rechtsanwalt, der mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem Ende des NS-Staats auf dessen Verbrechen gestoßen wird: Warum sollten sich junge Leute dafür interessieren?

Dieser Justizskandal kann auch heute noch zum Nachdenken anregen. Jüngere Zuschauer müssen da nicht groß Geschichte pauken, sie können ins Kino gehen und einen spannenden Film schauen.

Nach aktuellen Studien wissen viele Jugendliche mit dem Begriff Holocaust nichts anzufangen: Erschreckt Sie das?

Das ist kaum vorstellbar. Diese Verbrechen dürfen nicht vergessen werden – gerade als Warnung an nachfolgende Generationen. Man muss erinnern, um zu begreifen, was geschehen kann, wenn niemand aufpasst.

Ob Ihre Fans überrascht sein werden, Sie in einem so ernsthaften Film zu entdecken?

Ach, das weiß ich nicht. Ich bin ja nicht nur für Komödien buchbar. Und mein Stammpublikum ist auch älter geworden. Die Kinder, die „Fack ju Göhte“ gesehen haben, sind heute volljährig. Und die Vielseitigkeit ist gerade das Tolle an meinem Beruf: Ich freue mich darüber, dass man mir in dieser Ferdinand-von-Schirach-Verfilmung eine so ernsthafte Rolle zugetraut hat.

Muss man Idealist sein, um so hartnäckig wie Ihr Filmrechtsanwalt für die gute Sache zu streiten?

Es reicht schon ein Gespür für Gerechtigkeit. Und das würde ich auch für mich in Anspruch nehmen. Ungerechtigkeit kann ich nicht ausstehen.

Jetzt klingen Sie wie Ihr Verteidiger im Kino.

Tatsächlich wollte ich als Kind mal Anwalt werden. Wir können uns glücklich schätzen, in diesem so gut funktionierenden Rechtsstaat zu leben. Jeder gilt als unschuldig, solange er nicht verurteilt wurde. So geht es leider nicht in allen Staaten zu.

Bereitet es Ihnen Sorge, wie heute Rechtspopulisten über den Nationalsozialismus schwadronieren?

Ich finde das furchtbar, fatal, schrecklich. Diese Leute arbeiten gezielt daran, Provokationen salonfähig zu machen, die vor ein paar Jahren noch unsagbar waren.

Haben Sie Angst um die Demokratie in diesem Land?

Angst nicht. Unser demokratisches System ist Gott sei Dank stabil. Und es gibt genug Leute, die dafür einstehen und auch immer wieder wachrütteln. Aber manchmal wird mir schon unheimlich. Feindbilder werden heute wieder aufgebaut, ganze Ethnien werden ausgegrenzt. Den Menschen wird Angst eingejagt, obwohl niemand Angst haben muss. Es geht diesem Land unfassbar gut. Wovor sollten wir Angst haben? Bestenfalls vor den Leuten, die uns Angst einjagen wollen.

Von Stefan Stosch/RND

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