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Panorama Das versteckt sich hinter Japandi
Nachrichten Panorama Das versteckt sich hinter Japandi
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14:00 27.07.2019
Zarte Farben, bodennahe Möbel und schlichtes Keramikgeschirr: Beim neuen Einrichtungsstil Japandi trifft fernöstliches auf skandinavisches Design. Quelle: Hersteller
Hannover

Fusionen sind offenbar schick. Nicht nur Unternehmen suchen sich derzeit gern Verbündete, man denke nur an Karstadt und Kaufhof, Siemens und Alstom oder Pons und Langenscheidt, auch im Lebensmittelsektor sind Verschmelzungen angesagt, wie der Hybridfoodhype rund um Cronut, Cragel und Bruffin beweist.

In der Einrichtung kam es bislang zwar eher selten vor, dass zwei völlig unterschiedliche Stile ein neues Bündnis eingehen: Wer Wohnung oder Haus einrichten wollte, musste sich schon entscheiden – entweder Landhausstil oder Industrial Look, entweder mediterran oder minimalistisch, entweder Pop-Art oder Glamour.

Jetzt aber gibt es auch im Interieur eine Fusion, über die sich nicht nur die Wankelmütigen unter uns freuen dürften: Japandi. Gemeint ist die Verbindung von skandinavischem und japanischem Design, von hyggeligen Wohnzimmern mit reduzierten Schlafzimmern, von hellen Holzmöbeln mit bodennahen Sitzgelegenheiten, von schlichten Leinenvorhängen mit formstarken Keramikteekannen.

Bodennahe Holzmöbel in reduzierten Formen, Reispapier, Keramikgeschirr: Der Japandi-Stil ist reduziert, zeitlos und unaufdringlich. Quelle: iStockphoto

„Beide Stile verbindet ihre Liebe zur Einfachheit und ihr Anspruch, Dinge besonders gut zu machen“, beschreibt Thomas Grothkopp, Hauptgeschäftsführer beim Handelsverband Wohnen und Büro, den Einrichtungstrend. Japandi sei zeitlos, erlesen und unaufdringlich, stehe für die Kombination aus warmer Wohlfühlatmosphäre und strenger Ästhetik, aus Naturmaterialien und Leichtigkeit.

Für Grothkopp kommt die Interieurfusion zwischen Fernost und dem hohen Norden keinesfalls überraschend, schließlich stünden beide Regionen seit Langem in wirtschaftlichem und kulturellem Austausch: „Vor 150 Jahren beispielsweise nahmen Dänemark und Japan Handelsbeziehungen auf, die bis heute zu gegenseitiger Inspiration beitragen.“ Japandi, auch als Japanordic bekannt, sei die logische Konsequenz daraus.

Trotzdem fragt man sich: Hat diese Fernbeziehung eine Chance? Japan und Skandinavien liegen 8000 Kilometer voneinander entfernt, es sind völlig unterschiedliche Völker und Kulturen, die da aufeinanderprallen. Wie passen Ikea und Hello Kitty plötzlich zusammen?

Gegensätze, die sich anziehen

Für die Experten kein Problem: „Es sind Gegensätze, die sich anziehen – und es gibt viele Parallelen“, sagt etwa Isabell Ehring, Innenarchitektin aus Stuttgart. Geradlinig, funktional, puristisch, dafür stehe nicht nur der sogenannte Skandichic, der zuletzt die deutschen Wohnzimmer flutete. „Entrümpeln, bewusster konsumieren und einfacher gestalten sind auch die Dinge, die von japanischen Aufräumgurus wie Marie Kondo gepredigt werden.“

Gleichzeitig herrscht in beiden Stilen eine gewisse Liebe zum Detail, geht es sowohl bei den Skandinaviern als auch bei den Japanern traditionell verspielt und bunt zu, wobei die Unterschiede klar zu erkennen sind: Während man in den Nordländern auf liebliche Pastelltöne und grafische Muster schwört, steuern die Japaner dunkle Hölzer, farbliche Kontraste und florale Drucke bei.

Die Zahl der Möbel ist auf ein paar erlesene Exemplare reduziert und lässt Raum für ausgewählte Accessoires, Bilder und Blumenarrangements Quelle: Pufikhomes

Am Ende sei es der Mix aus beidem, der eine gewisse Spannung erzeugt, erklärt Ehring. Und das gemeinsame Ziel, das verbindet: Würde man Japandi in einem Satz zusammenfassen wollen, wäre das wohl „Weniger ist mehr“.

Die Zahl der Möbel ist auf ein paar erlesene Exemplare reduziert und lässt Raum für ausgewählte Accessoires, Bilder und Blumenarrangements, die Farben halten sich vornehm zurück, stattdessen darf mit Licht gespielt werden. Offene, spärlich gefüllte Regale sind ebenso typisch wie tiefe, bodennahe Sofas, Wohnzimmertische und Betten oder Raumtrenner aus Reispapier und Holz.

Wichtig beim Japandi-Stil ist zudem das fernöstlich angehauchte Geschirr: schlichte, nahezu rudimentäre Teller, Trinkschalen und Krüge aus Keramik, die es inzwischen auch hierzulande an einigen Ecken zu kaufen gibt. Nicht nur Ikea oder Depot bieten die angesagten Steingutsets an, es sind vor allem Muji und Søstrene Grene, die sich auf die Fahnen geschrieben haben, Japandi nach Deutschland zu bringen.

Wichtig beim Japandi-Stil ist das fernöstlich angehauchte Geschirr. Quelle: Muji

Beiden Marken, die eine stammt aus Japan, die andere aus Dänemark, geht es um gutes Material, einfache Ästhetik und auf den Punkt gebrachten Nutzen, was ein Blick in ihre Sortimente von Aromadiffusor bis Wandregal, von Essstäbchen bis Schreibtischstuhl beweist.

Während Søstrene Grene mit inzwischen 73 Filialen in Deutschland eher für günstige Massenware steht, sieht sich das 1980 gegründete Unternehmen Muji als Gegenentwurf zu den Gepflogenheiten der Konsumgesellschaft und setzt auf hochwertige, nützliche und von allem Überflüssigen befreite Produkte.

Das passt nicht nur zum Zeitgeist und dem Streben vieler Menschen, auch beim Möbelkauf bewusst und nachhaltig vorzugehen, sondern vor allem zu dem japanischen Ästhetikkonzept Wabi-Sabi, das derzeit in aller Munde ist. Es steht für die Schönheit im Unperfekten, für die Vorstellung, dass eine Einrichtung nicht aus einem Guss sein muss, um vollkommen zu wirken, dass Brüche und Kanten durchaus zugelassen sind.

„Hygge auf Dunkel“: Der Japandi-Stil ist reduziert, aber nie steril. Quelle: Ikea

Der Wahlspruch dazu lautet: „Beschränke alles auf das Wesentliche, aber entferne nicht die Poesie. Halte die Dinge sauber und unbelastet, aber lasse sie nicht steril werden.“ Oder, wie die Frankfurter Trendexpertin Nicolette Naumann sagt: „Wabi-Sabi ist Hygge auf Dunkel“, quasi die avantgardistische Variante.

Für alle, denen die vielen durchgestylten Skandichicwohnungen schon länger auf die Nerven gehen, dürfte das wie ein Befreiungsschlag sein: Wer sich künftig beim Einrichten auf Japandi beruft, genießt jede Menge Freiheiten – und erhält das Beste aus zwei Welten.

Von Sophie Hilgenstock

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