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Panorama „Der Schafdieb ist eine ebenso große Gefahr wie der Wolf“
Nachrichten Panorama „Der Schafdieb ist eine ebenso große Gefahr wie der Wolf“
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16:10 19.09.2018
Einfach weg: Schafe der Rasse Texel stehen in einer Auktionshalle. Wo die 150 Tiere aus Burow sind, ist derzeit nicht bekannt. Quelle: Foto: Wolfgang Runge/dpa
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Burow/Hannover

Wendelin Schmücker kennt das schon: Die Diebe fahren vor, greifen die Tiere ab, verladen sie und kassieren am Ende den Gewinn. Der Schafdieb, so sagt der Vorsitzende des Fördervereins der Deutschen Schafhaltung, sei mittlerweile eine ebenso große Gefahr für die Schäfer, wie der Wolf. Diese Erfahrung musste am Dienstag auch ein Schäfer aus Mecklenburg-Vorpommern machen, der seit diesem Zeitpunkt seine Herde vermisst.

Zuletzt hatten die 150 Tiere des 58-Jährigen auf einer Weide am Fluss Tollensee bei Burow (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) gegrast. Am Dienstagabend dann, als der Wanderschäfer zurückkam, waren die Tiere spurlos verschwunden. Der Mann alarmierte die Polizei.

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Der Schaden beläuft sich auf knapp 23.000 Euro

Nach ersten Untersuchungen sollen die Täter die Schafe der Rasse Texel zusammengetrieben und auf ein größeres Fahrzeug geladen haben. Dann sollen sie mit den Tieren weggefahren sein. Das sei an Reifenspuren sichtbar gewesen. Die Weide liegt einsam etwa zwei Kilometer von Burow entfernt, das verkehrsgünstig über die Autobahn 20 Lübeck-Stettin-Berlin zu erreichen ist. Der Schaden für den Schäfer beläuft sich auf knapp 23.000 Euro.

„Da wurde sehr wahrscheinlich eine Existenz zerstört“, sagt Schafzüchter Schmücker. In Deutschland gebe es nur circa 1000 Hofbetriebe mit mehr als 300 Tieren. „Da sind 150 Tiere ein kaum zu verkraftender Verlust.“

Das ging auf das Konto von Profis

Auch sei offensichtlich, dass dieser Diebstahl auf das Konto von Profis gehe: „Die wussten, was sie taten.“ Sehr wahrscheinlich seien sie, so Schmücker, mit einem Lkw vorgefahren und hätten auch noch einen Hütehund dabeigehabt. Mithilfe dieser Tiere sei es möglich, 60 Lämmer in nur 20 Minuten zu verladen. Anschließend, auch das sei anzunehmen, wurden die Markierungen an den Ohren der Tiere mit der Kneifzange entfernt und neue angebracht. So sei es kein Problem, die 150 Schafe ganz unbemerkt zu Geld zu machen.

Texelschafe werden in der Regel zwischen 70 und 90 Kilogramm schwer und vor allem wegen ihres Fleisches gehalten. Überhaupt seien die Tiere in Deutschland mittlerweile Mangelware – „nur noch 50 Prozent des Fleisches kommt aus Eigenerzeugung“, sagt Schmücker. Dementsprechend größer würden die Gewinne, die man mit dem Fleisch erzielen könne. „Und das macht die Tiere für Kriminelle so interessant.“

Das passiert regelmäßig, aber nicht in dem großen Stil

Ein Diebstahl in dieser Größenordnung sei allerdings mehr als ungewöhnlich, sagt auch Schmücker: „Dass passiert bundesweit zwar vielen Schäfern. Ein, zwei oder drei kommen immer mal weg. Aber nicht in diesem großen Stil.“

Von Nora Lysk/RND