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Panorama Das ist der Polizist, der Gaffern die Unfall-Leiche zeigen wollte
Nachrichten Panorama Das ist der Polizist, der Gaffern die Unfall-Leiche zeigen wollte
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08:47 31.05.2019
Stefan Pfeiffer, Leiter der Verkehrspolizei Feucht. Quelle: Sina Schuldt/dpa
München

Das Video machte bundesweit Schlagzeilen: Nach einem tödlichen Lkw-Unfall bei Nürnberg platzt dem Polizisten Stefan Pfeiffer der Kragen. „Da liegt er, wollen Sie ihn sehen?“, ruft er einem Gaffer zu. „Schämen Sie sich!“ Einem anderen bietet er an, sich die Leiche anzuschauen. Bei dem Unfall war ein 47-Jähriger gestorben, der mit seinem Sattelzug auf einen Lastwagen aufgefahren war.

Rund eine Woche danach steht Pfeiffer in München in einem Konferenzraum der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), deren Mitglied er ist, und nimmt verlegen die Auszeichnung eines Radiosenders entgegen. Dann müsse es irgendwann aber auch gut sein mit dem Hype um seine Person. Es gehe schließlich um die Sache.

Mehr zum Thema: „Wollen Sie den Toten sehen?“: Polizist holt dreiste Gaffer aus Autos

Pfeiffer kann Menschen nicht verstehen, die Unfallopfer filmen

Pfeiffer ist 54 Jahre alt, seit 35 Jahren Polizist, inzwischen Leiter der Verkehrspolizei Feucht. 110 Verkehrstote hat er gesehen. „Ich war schon daneben gestanden, als drei tote Kinder aus einem Auto herausgezogen wurden. Das will ich nicht mehr erleben.“

Umso mehr schockiert es ihn, wenn diese Schicksalsschläge für vorbeifahrende Autofahrer Unterhaltung sind. Wenn sie ihre Handys zücken, die Toten und Verletzten filmen und die Helfer, die versuchen, Leben zu retten. Die Polizeigewerkschaft nennt diese Leute heute ganz bewusst nicht mehr Schaulustige – sondern Gaffer.

Es müsse doch klar sein, dass man nicht gefilmt werden will, wenn man gerade Opfer eines Unfalls geworden ist, sagt Pfeiffer – und auch nicht, wenn man als Notarzt oder Feuerwehrmann einer belastenden Ausnahmesituation ausgesetzt ist. Gaffer seien eine Gefahr. „Macht Euch klar: Das ist kein Spiel da draußen. Das ist bittere Realität.“

Bayerns Innenminister bestärkt Polizisten im Vorgehen gegen Gaffer

Er hätte sich zwar selbst im Fernsehen lieber anders gesehen. „Aber wenn ich nicht geschrien hätte, hätte er es nicht verstanden.“ Er sei etwas erleichtert gewesen, als Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sich positiv über das kursierende Video äußerte. „Das Verhalten vieler Gaffer ist unverschämt und unverantwortlich“, hatte Herrmann auf Facebook geschrieben. „Ich freue mich, dass der Polizeikollege das einigen Gaffern auch mal emotional nahegebracht hat.“

Die Reaktion ist laut Pfeiffer immer die gleiche. Wenn die Leute den Spiegel vorgehalten bekämen, wenn man sie „aus ihren Schutzräumen Auto oder Lkw rausholt“, seien sie meist peinlich berührt. „Wir haben noch niemanden erlebt, dem das nicht hochgradig unangenehm war.“

Polizeigewerkschaft fordert härteres Vorgehen gegen Gaffer

Die DPolG will Pfeiffers unverhofften Ruhm nun nutzen, um ihren Forderungen nach einem härterem Vorgehen gegen Gaffer Nachdruck zu verleihen. Das Handy als „Tatwerkzeug“ solle Autofahrern weggenommen werden, die schwere Unfälle filmen oder fotografieren. „Das würde einen nachhaltigen Eindruck auf die Täter und potenzielle Nachahmer haben“, sagt der bayerische Landesvorsitzende Rainer Nachtigall.

Außerdem müsse das Fotografieren von Toten unter Strafe gestellt werden. Bislang könne laut Paragraf 201a des Strafgesetzbuches nur das Ablichten von lebenden Unfallopfern bestraft werden. Es sei aber wichtig, „dass auch Verstorbene geschützt werden“. Ein Gesetzentwurf, der 2018 in den Bundesrat eingebracht wurde, müsse umgesetzt werden.

Die Diskussion zu versachlichen sei sein Ziel, betont Pfeiffer. Einen „Personenkult“ um ihn solle es nicht geben. DPolG-Pressereferent Markus Haiß fügt scherzhaft hinzu, man solle Pfeiffer „nicht zur Greta Thunberg des Kampfes gegen Gaffer“ machen.

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Von Britta Schultejans/RND/dpa