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Panorama Darf ein Mann mit seiner psychisch kranken Frau Sex haben? Anhörung sorgt für Kritik
Nachrichten Panorama Darf ein Mann mit seiner psychisch kranken Frau Sex haben? Anhörung sorgt für Kritik
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20:42 03.04.2019
Die Perücke ist ein jahrhundertealtes Relikt der Juristenwelt im britischen Königreich – und ein Symbol der Verstaubtheit. Quelle: Foto: dpa
London

Die Perücke brauchte er für seine Einschätzung nicht aufzusetzen, und doch hätten es wohl viele als passend empfunden, wäre Richter Anthony Hayden mit dem altertümlichen Kopfputz zu seiner Bewertung gekommen. Die Perücke gilt als Symbol der Verstaubtheit, als jahrhundertealtes Relikt in Teilen der Juristenwelt im Königreich.

Er trug sie nicht. Es handelte sich nicht um einen Prozess, sondern um eine vorbereitende Anhörung an einem Familiengericht in London, bei der Hayden befand: „Ich kann mir kein offensichtlicheres grundlegendes Menschenrecht vorstellen als das Recht eines Mannes, Sex mit seiner Frau zu haben.“ Auch ohne Perücke schien der Muff der alten Zeiten durchzudringen. Die Äußerung fiel im Zusammenhang mit dem Fall eines Paares, das seit 20 Jahren verheiratet ist. Weil die Frau psychische Probleme habe und sich ihr Zustand verschlechtere, sei sie nicht mehr in der Lage zu entscheiden, ob sie Sex haben wolle oder nicht, argumentierten die Anwälte eines Sozialdienstes.

Anwälte fordern gerichtliche Anordnung zum Verbot von Sex

Sie forderten, dem Mann per gerichtlicher Anordnung Sex mit seiner Frau zu verbieten. Damit solle sichergestellt werden, dass die Frau nicht vergewaltigt werde. Der Ehemann verstand die Sorge: Laut Medienberichten hatte er sich bereit erklärt, künftig auf ehelichen Sex zu verzichten.

Richter Hayden sagte, er wolle die Beweise prüfen und die Begründungen der Anwälte anhören, bevor er eine Entscheidung treffe. Immerhin könne das Gericht den Mann mit einer gerichtlichen Verordnung in eine Situation bringen, in der ihm Haft drohe, sollte er in zu engen Kontakt mit seiner Frau kommen. Zudem würde es sich schwierig gestalten, den Fall zu überwachen.

„Ehelicher Sex als Menschenrecht“: Urteil wird erst in den nächsten Monaten fallen

Auch wenn eine ausführliche Anhörung aussteht und ein Urteil erst in den nächsten Monaten erwartet wird, löste Haydens Äußerung Empörung aus. „Das legitimiert Frauenfeindlichkeit und Frauenhass“, kritisierte die Labour-Abgeordnete Thangam Debbonaire. Kein Mann im Königreich habe das Recht, auf Sex zu bestehen. „Kein Einverständnis = Vergewaltigung“, schrieb sie auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Der Einzelfall erfordere sorgfältige Prüfung. „Aber kein Richter sollte diese Art von frauenfeindlicher und falscher Botschaft aussenden.“

Zustimmung erhielt die Politikerin in den sozialen Medien. Ein Brite fragte: „Was ist mit dem fundamentalen Recht einer Ehefrau, Nein zu sagen? Wie wäre es damit, das Königreich nicht zurück ins 18. Jahrhundert zu befördern, indem man Frauenfeindlichkeit als grundsätzliches Menschenrecht ausgibt?“ Von der britischen Women’s Equality Party hieß es: „Einstellungen wie diese sind teilweise der Grund für die niedrige und sinkende Zahl von Verurteilungen bei Vergewaltigungen und sexueller Belästigung.“

Von Katrin Pribyl/RND

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