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Panorama Bahamas-Bewohner trotzen Verwüstung nach Hurrikan “Dorian”
Nachrichten Panorama Bahamas-Bewohner trotzen Verwüstung nach Hurrikan “Dorian”
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07:24 09.09.2019
Ein Mann bringt sein Hab und Gut zu einer Fähre im Hafen von Marsh Harbor, Abaco Island, die ihn nach Nassau in Sicherheit bringen soll. Quelle: Fernando Llano/AP/dpa
Marsh Harbour

Die Straßen sind gesäumt von zertrümmerten Autos, gerissenen Stromleitungen und umgestürzten Bäumen, es herrscht tiefe Stille. Am Flughafen und an der Anlegestelle drängeln sich Hunderte Menschen. Sie versuchen, auf den Flugzeugen und Schiffen einen Platz zu bekommen, die nach dem verheerenden Hurrikan "Dorian" mit Hilfsgütern auf den Bahamas eintreffen und auf dem Rückweg Menschen mitnehmen, die ihr Zuhause verloren haben.

Fast eine Woche nach Beginn der Naturkatastrophe wirkt der Rest von Marsh Harbour auf der Insel Abaco am Samstag menschenleer. Ein heißer Wind streicht durch eingestürzte Häuser und Reihen von Pinien, denen der stärkste Wirbelsturm im Nordwesten der Bahamas seit Beginn der Aufzeichnungen die Spitze nahm. Rettungsteams versuchen zu diesem Zeitpunkt noch immer, einige durch Trümmer und Hochwasser abgeschnittene Gemeinden zu erreichen. Laut der Regierung der Bahamas kostete der Hurrikan mindestens 44 Menschen das Leben.

US-Küstenwache rettete im Norden der Bahamas 290 Menschen

Die US-Küstenwache rettete nach eigenen Angaben im Norden der Bahamas 290 Menschen und setzte dazu sechs Hubschrauber und neun kleinere Schiffe ein. Angesichts des starken Luftverkehrs verboten die Behörden der Bahamas Flüge über Grand Bahama und Abaco, die nichts mit dem Hilfseinsatz zu tun haben. Die nationale Notfallmanagementbehörde drohte Piloten mit Entzug der Flugerlaubnis, die Gebühren verlangten, um Personen von den Inseln wegzubringen.

Die UN erklärten, acht Tonnen Nahrungsmittel seien per Schiff auf dem Weg. Rund 14.700 Fertigmahlzeiten, logistisches Gerät und Ausrüstung für die Telekommunikation würden geliefert, sagt Hervé Verhoosel, Sprecher des UN-Welternährungsprogramms. "Der Bedarf bleibt enorm", erklärt er.

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Offizielle Zahlen fehlen, doch scheint ein Großteil der Einwohner Marsh Harbour bereits verlassen zu haben. In der Kleinstadt leben die meisten der rund 20.000 Bewohner von Abaco. Viele sind bei Verwandten in der Hauptstadt Nassau untergekommen, andere bei Angehörigen in Florida oder anderen Teilen der USA.

Bahamas-Bewohner beginnen bereits mit Wiederaufbau

Im Stadtteil Murphy Town von Marsh Harbour, auf einem Hügel oberhalb der azurblauen See, machen sich Jackson Blatch und sein Schwiegersohn bereits an den Wiederaufbau. In der gleißenden Mittagssonne reißen sie beschädigte Dachschindeln von Blatchs Haus und werfen sie auf seinen direkt unter dem Dachvorsprung geparkten Lastwagen. Blatch hatte sein Haus einst eigenhändig erbaut.

Wie einige weitere Einwohner von Abaco bleibt Blatch auf der vom Wirbelsturm verwüsteten Insel. "Alle sagen: "Zieh weg". Wegziehen, wohin?", fragt Blatch. "Mein Plan ist, diese Insel wieder aufzubauen. Ich habe eine Menge zu bieten."

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Anders als fast alle anderen Wohnhäuser auf Abaco wurde sein Haus kaum beschädigt. Er ist ein Bauhandwerker, der sich seiner Qualitätsarbeit rühmt. Wenn er Beton mischt, knausert er nicht und hält sich genau an die jeweils empfohlenen Mengen von Zement, Sand und Kies für Böden, Stützen und Decken. Als er seine Wände und Böden goss, nutzte er reichlich Armierungseisen und schuf damit ein kräftiges Stahlskelett, das dem Sturm standhielt.

Bahamas-Bewohner: "Ich habe keine Hypothek laufen. Ich will nicht nach Nassau ziehen"

Anstatt die vom Hersteller mitgelieferten Befestigungsclips für seine Fensterläden zum Schutz vor Hurrikanschäden zu verwenden, nahm er an so vielen wie möglich lange Schrauben. Mit ihnen fixierte er die Läden fest am Fensterrahmen. Als "Dorian" zuschlug, riss der Sturm nur die Läden mit den handelsüblichen Clips ab sowie einige Reihen Dachschindeln. Manches vom Hausinhalt wurde dadurch nass, aber die Gebäudestruktur und die Einrichtung blieben intakt.

Blatch bezieht Strom über einen Generator, er hat Trinkwasser, Nahrungsmittel und die Hilfe seines 25-jährigen Schwiegersohns Moses Monestine. "Ich habe keine Hypothek laufen. Ich will nicht nach Nassau ziehen", sagt Blatch. "Ich will nicht in die Vereinigten Staaten ziehen. Ich will von niemandem abhängig sein."

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Die Menschen auf Abaco beschreiben sich als selbstgenügsam und findig. Sie sind es gewohnt, ihren Lebensunterhalt vom Meer zu beziehen. Häuserblocks und selbst ganze Viertel werden von erweiterten Familien bezogen – ein Cousin lebt etwa neben einem Bruder, der neben einer Schwägerin wohnt. So entstehen Netzwerke gegenseitiger Unterstützung, die auch unmittelbar vor dem Hurrikan in Aktion traten.

Schiffsingenieur Brian Russell hat auf See drei Hurrikane überstanden

Viele Einwohner von Abaco arbeiten auf Schiffen oder Docks, andere auf den Zweitwohnsitzen wohlhabender Amerikaner, die sich überall auf der langgestreckten Insel niedergelassen haben. Brian Russell ist ein Schiffsingenieur, der auf See drei Hurrikane überstanden hat und viele weitere an Land. In seinem Haus im Viertel Dundas Town hat der 55-Jährige Trinkwasser für sechs Monate und Badewasser für vier Monate. Er besitzt einen Generator, die Nahrungsmittel reichen mehrere Monate. Die Verwüstung schreckt ihn nicht. "Wo auch immer du hingehst, das Leben ist das, was du daraus machst."

Sobald das vom Sturm verunreinigte Wasser wieder sauber sei, könne er vom Fischfang und seiner Gartenarbeit leben, sagt Russell. Sein kleiner Garten mit Zwiebeln, Tomaten- und Bananenpflanzen wurde zerstört, aber er will ihn wieder neu bepflanzen und sogar noch Mangos und weitere Früchte anbauen.

Andere wirken eher hilflos als entschlossen. Sterling McKenzie lebt mit anderen Verwandten, deren Zuhause zerstört wurde, im Haus seiner Schwester. Sie leben von Wasser und Nahrungsmitteln, die täglich von den Behörden und Hilfsorganisationen verteilt werden. "Wir können ebenso gut hierbleiben und es austragen", sagt der 67-jährige Rentner. "Ich habe keine Wahl."

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RND/AP/hsc

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