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Panorama Abou-Chaker-Brüder verhaftet: Sie wollten Bushidos Frau und Kinder entführen
Nachrichten Panorama Abou-Chaker-Brüder verhaftet: Sie wollten Bushidos Frau und Kinder entführen
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12:35 24.01.2019
Der Angeklagte und Clan-Chef Arafat Abou Chaker. Quelle: imago stock&people
Hannover

Rein in den Gerichtssaal und lächelnd wieder raus. Arafat Abou-Chaker saß noch nie hinter Gittern. Bis jetzt: Der Chef des bekannten arabischstämmigen Berliner Clans wurde am Dienstag vergangener Woche festgenommen. Die Staatsanwaltschaft nutzte einen Gerichtstermin wegen Körperverletzung, um den vorher beantragten Haftbefehl wegen eines anderen Vergehens zu vollstrecken. Am Montagabend wurde auch der Bruder des Clanchefs in Dänemark verhaftet.

Arafat und Yasser Abou-Chaker sitzen in Untersuchungshaft. Den Brüdern wird vorgeworfen, eine Racheaktion gegen ihren ehemaligen Geschäftspartner und Freund, den Rapper Bushido, geplant zu haben. Die Staatsanwaltschaft bestätigt, dass die Taten, die die Abou-Chaker-Brüder vorbereitet haben sollen, gegen Bushidos Familie gerichtet waren. Es gehe um den Sachverhalt, dass eine Entführung von Bushidos Kindern oder Frau geplant gewesen sein soll, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, sei Abou-Chaker von einem Mitglied seiner engsten Familie verraten worden: Seine Schwägerin und Cousine, die sich mit ihren Kindern nach Dänemark abgesetzt hatte, habe detailliert über „Entführungs- und Anschlagspläne“ Abou-Chakers ausgepackt.

Großfamilien im Fokus der Polizei

Die Freude über die jüngsten Verhaftungen ist groß. Endlich, endlich ist ein Clanboss einmal halbwegs dingfest gemacht worden. Seit Monaten stehen Mitglieder arabischstämmiger Großfamilien bundesweit verstärkt im Fokus der Ermittler. Und es zeigen sich erste Erfolge: In Berlin wurden im Vorjahr 77 Immobilien einer kriminellen Großfamilie eingezogen.

Drei Mitglieder dieser Familie stehen derzeit wegen des Diebstahls einer Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum vor dem Landgericht der Hauptstadt. In Nordrhein-Westfalen wurden am Wochenende bei einer Razzia gegen Clankriminalität 14 Verdächtige festgenommen.

Hunderte Kilogramm unversteuerter Tabak, verbotene Waffen, Bargeld und Drogen wurden sichergestellt. „Was wir zurzeit sehen, ist ein Strohfeuer an Razzien. Daraus kann aber auch ein Flächenbrand werden“, sagt Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei Berlin. Es handelt sich um öffentlichkeitswirksame Symbolpolitik. „Mal sehen, wie lange diese Anfangseuphorie reicht“, so Jendro.

Clans: Gewalt, Erpressung und Mord

Clanmitglieder beherrschen mancherorts in Deutschland den Drogenhandel und illegale Wettspiele, treiben Schutzgeld von Prostituierten und Restaurantbesitzern ein – und all das durch Erpressung, brutale Gewalt, notfalls Mord. Die kriminellen Familienclans haben meist arabische, kurdische, türkische und libanesische Wurzeln.

Viele ihrer Mitglieder flohen in den 1980er-Jahren aus dem vom Bürgerkrieg heimgesuchten Libanon nach Deutschland. Sie dominieren vor allem in Berlin, in Nordrhein-Westfalen und in einigen Landstrichen Niedersachsens das lukrative Geschäft der organisierten Kriminalität.

Wie viele Clans tatsächlich in Deutschland ihr Unwesen treiben, darüber gibt es keine gesicherten Zahlen und Daten. Fachleute des Bundeskriminalamtes haben 2015 einmal geschätzt, dass zumindest 200.000 Angehörige zu den arabisch-türkisch-libanesischen Großfamilien zählen. Damit sei aber lediglich das „Personenpotenzial“ gemeint, also nicht die Zahl an straffällig gewordenen Personen.

Das sind die bekanntesten Clans

Auch kriminelle Großfamilien anderer Herkunft finden in dieser Zahl keinen Niederschlag. In Berlin – so mutmaßen Experten – gebe es bis zu 20 Clans, in Nordrhein-Westfalen geht die Polizei von rund 50 aktiven Banden aus. Zu den mächtigen arabischstämmigen Familienclans zählen unter anderem:

Die Abou-Chakers (Chef: Arafat Abou-Chaker) sind ein palästinensischstämmiger Clan. In Berlin sind eine Reihe von männlichen Clan-Angehörigen vor allem durch ihre Aktivitäten im organisierten Verbrechen aufgefallen.

Der Miri-Clan (Chef: Ahmad Miri) stammt aus dem Libanon – viele Angehörige leben in Bremen.

Die Mitglieder des Remmo-Clans (Chef: Issa Remmo) leben vor allem in Berlin, Essen und Bremen. Auf das Konto des Clans soll auch der Raub einer großen Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum gehen.

Mahmoud Al-Zein (Chef Mahmoud Al-Zein) ist ein libanesischstämmiger Clan, der in Berlin und Nordrhein-Westfalen agiert. Ermittler vermuten, dass die Al-Zeins lange schon mit dem Remmo-Clan kooperiert haben, vor allem bei Drogengeschäften.

Clan-Experte im Interview:
„Sie betrachten die deutsche Gesellschaft als Beutegesellschaft“

Von RND/Heike Manssen

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