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Panorama 25-jähriger Deutscher rettet kleiner Emma aus den USA das Leben
Nachrichten Panorama 25-jähriger Deutscher rettet kleiner Emma aus den USA das Leben
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17:08 22.02.2019
Emma und ihr Spender Toni Prodühl aus Grimmen. Die Ärzte nannten ihn ihren „zweiten Vater“. Quelle: privat
Grimmen

Emma war noch ein Baby, als die Ärzte im amerikanischen Bundesstaat Kalifornien ihre schwere Krankheit feststellen. Leukämie. Ein einziges Wort, das Leben zerstört. Nur ein Knochenmarkspender konnte ihr junges Leben retten. Ihre Eltern suchten überall nach dieser Nadel im Heuhaufen, einem genetischen Zwilling, der auch bereit für eine Spende ist.

Sie suchten in der Familie, im Fernsehen, in sozialen Netzwerken. Sie fanden jemanden, doch der kleine Körper des Mädchens stieß die Spende ab. Zerstörte Hoffnung. Krankenhaus. Medikamente. Angst. Emma ging es immer schlechter. Niemand ahnte zu diesem Zeitpunkt, dass Toni Prodühl aus Grimmen (Mecklenburg-Vorpommern) ihr Lebensretter wird. In letzter Minute.

Der 25-Jährige hatte sich vor fünf Jahren in der großen Kartei der Deutschen Knochenmarkspender (DKMS) registrieren lassen, nachdem er in die Bundeswehr eingetreten war und einen Vortrag über die Arbeit der ehrenamtlichen Lebensretter gehört hatte. Es war so einfach wie die Worte in der Fernsehwerbung: Mund auf. Stäbchen rein. Spender sein. Dass er dadurch ein Leben retten wird, hatte er gehofft, aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht geahnt.

Knochenmarkspende in Kiel

„Ein Jahr später bekam ich Post“, sagt er heute lächelnd. Toni Prodühl, Konstruktions- und Waffenmechaniker, weiß noch nicht, dass einer Familie am anderen Ende der Welt damit wieder einmal Hoffnung geschenkt wird. Er fährt in ein Krankenhaus nach Kiel. Dort fragt ihn eine Krankenschwester, ob er anstelle einer Stammzellenspende auch zu einer Operation bereit wäre, bei der ihm Knochenmark entnommen wird. „Das sei besser für den Empfänger, sagte sie.“ Toni Prodühl ahnt in diesem Moment, dass es sich um ein Kind handeln muss, da der Genesung durch eine Knochenmarks-Transplantation eine weitaus höhere Chance zugeschrieben und in dieser Art meistens bei Kleinkindern vorgenommen wird.

„Ich habe kurz überlegt. Eine OP? Niemand lässt sich gern freiwillig operieren. Aber dann dachte ich: Wenn ich es nicht tue, stirbt meinetwegen ein Mensch.“ Die OP dauert nur ein paar Minuten. „Ich hatte ein paar Tage lang einen Druckschmerz, wie Muskelkater.“ Der junge Mann verlässt das Krankenhaus. Dann hört er drei Jahre lang nichts von der DKMS.

Er lebt sein Leben weiter, ohne zu wissen, dass Emmas Körper sein Knochenmark annimmt. Dass in Kalifornien sein genetischer Zwilling lebt, der zu 99 Prozent seine DNA trägt. Er ist nicht nur Emmas Nadel im Heuhaufen, sondern so ein großer Glücksfall, dass die amerikanischen Ärzte ihn später als „zweiten Vater“ bezeichnen werden. Schon bei einer Übereinstimmung von weitaus weniger Prozent setzen die Mediziner auf eine lebenswichtige Transplantation. 99 Prozent – das erleben auch Ärzte selten.

Das Mädchen wird von Tag zu Tag kräftiger, gesünder und kehrt ins Leben zurück.

Emmas Mutter schreibt Toni auf Facebook

Toni Prodühl ahnt davon noch nichts. Erst nach drei Jahren dürfen Spender und Empfänger Kontakt aufnehmen. „Und plötzlich, im vergangenen Sommer, schrieb mich eine fremde Frau auf Facebook an.“ Emily Hollin, die Mutter der kleinen Emma fragt: „Bist du der Lebensretter meiner kleinen Tochter?“ Toni Prodühl ist „baff“. Er erfährt, dass Emma mittlerweile vier Jahre alt ist. Ein fröhliches Mädchen. Nur die Haare sind durch die Chemotherapie noch etwas dünn. Aber sie ist außer Lebensgefahr. Die Mutter konnte es kaum erwarten, dass die drei Jahre vergehen und sie endlich den Namen des jungen Mannes erfährt.

Die Familie ist dankbar. So sehr, dass wohl kein Wort ihre Gefühle beschreiben könnte. Sie laden den jungen Mann aus Grimmen nach Kalifornien ein. Emma soll Toni kennenlernen. „Am liebsten wäre ich sofort losgeflogen. Aber ich musste arbeiten.“ Toni Prodühl hat sich für die Bundeswehr verpflichtet und ist in Parow stationiert. Im Dezember hat er frei und fliegt allein zu der fremden Familie nach Amerika. „Ich war sehr aufgeregt“, gibt er zu.

Das Mädchen empfing ihren Lebensretter mit einem Schild am Flughafen. „You are my Hero“ (dt,; Du bist mein Held). Quelle: privat

Am Flughafen wartet Emma, heute vier Jahre alt, auf ihren Retter. In den Händchen hält sie ein Schild, auf dem steht: You are my Hero (“Du bist mein Held“). „Diese Verbindung zu Emma war von der ersten Minute an groß.“ Auch die Kleine taut schnell auf, obwohl sie den Mann mit dem Bart und dem freundlichen Lächeln nicht kennt. „Sie wusste, dass ich ihr Spender bin, aber nicht, dass sie ohne mich nur wenige Wochen später gestorben wäre. Das sollte ein Kind auch nicht wissen.“

Die Familie zeigt Toni Prodühl Los Angeles, Malibu, Disneyland und San Diego. Er gehört zur Familie. Er ist ihr Held. Und das wird so bleiben. Immerhin rettete der Grimmener nicht nur das Leben eines kleinen Mädchens, sondern er schenkte einer ganzen Familie durch sein Knochenmark das größte Glück dieser Welt.

Von Carolin Riemer/RND/OZ

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