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Panorama 18 Menschen sterben in brennendem Reisebus
Nachrichten Panorama 18 Menschen sterben in brennendem Reisebus
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16:33 03.07.2017
Von dem völlig ausgebrannten Reisebus ist nur noch ein Gerippe übrig. Quelle: dpa
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Münchberg

Es ist kurz nach 7 Uhr, als der Notruf bei der Feuerwehr eingeht: Busbrand auf der Autobahn 9 in Oberfranken zwischen Münchberg und Gefrees. Als die Rettungskräfte eintreffen, stehen ein Reisebus und ein Lastwagenanhänger in Flammen. 30 Menschen aus dem Bus konnten sich verletzt retten. Insgesamt saßen 48 darin.

Was ist mit den 18 anderen? „Als wir eingetroffen sind, kam niemand mehr aus dem Bus“, sagt Andreas Hentschel von der Feuerwehr Münchberg. Erst Stunden nach dem Unglück teilt die Polizei mit: „Die verbleibenden Personen dürften wohl in dem brennenden Reisebus ums Leben gekommen sein.“ Am Nachmittag dann die traurige Gewissheit: Die Rettungskräfte haben 18 Tote geborgen.

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Nach Polizeiangaben saß eine Reisegruppe aus Sachsen in dem Bus. Nähere Details etwa auch zum Reiseanbieter gibt ein Sprecher zunächst nicht preis. Nur so viel ist sicher: Die Verletzten seien ältere Deutsche, keine Schülergruppe. Die Fahrgäste stammen aus der Oberlausitz und dem Großraum Dresden und waren offenbar auf dem Weg zum Gardasee.

Der Fahrer eines Reisebusses hat offenbar das Ende eines Stau übersehen. Er fuhr auf einen Sattelzug auf – mindestens 31 Menschen wurden dabei teilweise schwer verletzt.

Es muss ein Inferno gewesen sein: Vom Bus ist nur noch ein verkohltes Gerippe zu sehen. Das Wrack bietet einen grausigen Anblick. Selbst die Bäume nebenan sind vom Feuer gezeichnet. Hentschel von der Feuerwehr sagt: „Der Bus stand lichterloh in Flammen.“

Die Beamten der Polizei und die anderen Rettungskräfte - rund 200 sind im Einsatz - warten am Vormittag auf Rechtsmediziner und die Staatsanwaltschaft. Um 11.30 Uhr fahren die ersten Leichenwagen vor.

Notfallseelsorger kümmern sich um Einsatzkräfte

Auch Notfallseelsorger sind vor Ort, sie kümmern sich um die Einsatzkräfte. „Feuerwehrangehörige sind für außergewöhnliche Situationen ausgebildet“, sagen Hartmut Ziebs, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, und Alfons Weinzierl, Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbandes Bayern. Ein derartiges Geschehen mit zahlreichen Toten und Schwerverletzten sei jedoch auch für die Einsatzkräfte belastend. „Wir hoffen, dass sie die bedrückenden Bilder gut verarbeiten können“, heißt es in einer Erklärung.

Der Unfallort dürfte vielen in der Region in schlechter Erinnerung sein: Am 19. Oktober 1990 hatte es auf der A9 bei Münchberg schon einmal einen folgenschweren Unfall gegeben. In einer Nebelwand krachte ein fast 40 Tonnen schwerer Milchlaster mit viel zu hoher Geschwindigkeit in eine Unfallstelle: Zehn Menschen starben damals. 122 wurden verletzt, 38 davon schwer.

Planen schützen das Wrack vor Gaffern

Am Montagvormittag schützen Feuerwehrfahrzeuge und Planen das Buswrack vor neugierigen Blicken. Experten der Spurensicherung haben mit ihren Arbeiten begonnen.

Die 30 Menschen, die sich retten konnten, sind in umliegende Krankenhäuser gebracht worden. Rettungshubschrauber landeten dafür auf der Autobahn und flogen die Opfer in Kliniken. „Sie haben teils sehr schwere Verletzungen erlitten“, sagt Polizeisprecherin Anne Höfer. Die Polizei hat die A9 komplett abgeriegelt. Lange Staus auch auf den Umgehungsstraßen sind die Folge.

Rettungsgasse zu spät gebildet

Am Nachmittag dann kamen Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) zur Unglücksstelle. Herrmann übte schwere Kritik an den Autofahrern an der Unfallstelle: Die Rettungsgasse sei nur spät gebildet worden, die Rettungskräfte hätten deswegen nur mit Verspätung am Unfallort eintreffen können, sagte Herrmann.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach den Angehörigen ihr Mitgefühl aus. „Unsere Gedanken sind in diesen Stunden bei den Angehörigen der Opfer“, sagte Merkel am Montag in Berlin. Sie wünschte den Verletzten schnelle Genesung und dankte den Rettungskräften. Die Arbeit der Retter sei in einer solchen schrecklichen Situation von besonderer Bedeutung.

Telefonnummer für Angehörige: 0800 7766350

Schwere Busunfälle mit vielen Toten

Juli 2007: Ein Bus mit polnischen Pilgern verunglückt in den französischen Alpen. Der Bus war mit 80 Stundenkilometern von der Fahrbahn abgekommen und einen Abhang hinuntergestürzt. 26 Menschen starben, 254 wurden schwer verletzt.

November 2008: Auf der Autobahn 2 bei Hannover/Garbsen sterben 20 Menschen in einem brennenden Reisebus. Zwölf Insassen werden schwer verletzt. Ein technischer Defekt soll den Brand ausgelöst haben.

September 2010: Am Schönefelder Kreuz in Berlin sterben 14 Polen als ihr Bus von einem Auto gerammt wird und gegen einen Brückenpfeiler kracht.

März 2012: Im Schweizer Kanton Wallis sterben 28 Menschen, nachdem ihr Reisebus gegen eine Tunnelmauer geprallt war. 24 Menschen werden verletzt, drei davon schwer. Es handelte sich dabei um das schwerste Busunglück in der Schweiz seit 30 Jahren. Die Opfer waren hauptsächlich Schüler aus Belgien.

Juli 2014: Elf Menschen sterben, als auf der A4 bei Dresden ein Reisebus aus Polen auf einen ukrainischen Bus auffährt.

Dezember 2014: Bei einem Busunfall auf der A4 bei Bad Hersfeld in Hessen kommen fünf Menschen ums Leben. Der Bus war mit einem schlingernden Auto zusammengestoßen und eine Böschung hinabgestürzt.

Oktober 2015: Ein mit Schülern aus Sachsen besetzter Bus verunglückt auf der A4 bei Erfurt. Der Bus war nach einem Überholmanöver von der Straße abgekommen und umgekippt. Ein Junge stirbt.

Von RND/dpa