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Panorama 18-Jährige streamt Unfalltod ihrer eigenen Schwester
Nachrichten Panorama 18-Jährige streamt Unfalltod ihrer eigenen Schwester
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11:53 25.07.2017
Gegen Obdulia S. wird wegen Totschlag ermittelt. Quelle: Merced County Sheriff/dpa
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Los Banos

„Ich habe meine Schwester umgebracht und es ist mir egal.” Scheinbar ungerührt sagt Obdulia S. diesen Satz in ihre Handykamera, die das furchtbare Geschehen live auf Snapchat ins Internet überträgt.

Wenige Augenblicke vorher, war die 18-Jährige mit ihrem Buick von der Straße abgekommen. Der Wagen überschlug sich und tötete Obdulias kleine Schwester Jacqueline (14), die mit einer Freundin nicht angeschnallt auf dem Rücksitz saß und aus dem Fenster geschleudert wurde. Die gleichaltrige Freundin wurde schwer verletzt.

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Stand Fahrerin unter Drogen?

Die Kamera lief schon vorher, und zeigte die Fahrerin, wie sie laut singend am Steuer sitzt, als das Auto ausbricht, durch einen Zaun kracht und schließlich umkippt.

Danach hatte die Fahrerin ihren Anschlaggurt gelöst, zu ihrem Smartphone gegriffen und es auf ihre tote Schwester gehalten. „Ich weiss, ich komme in den Knast, aber auch das ist mir egal“, sagt sie dazu. Dann kniet sie sich vor der Leiche der Schwester nieder, die zwei Tage später ihren 15. Geburtstag gefeiert hätte, und fleht: „Wach‘ auf, Baby! Es tut mir schrecklich leid. Ich wollte Dich nicht töten“.

Die Polizei geht davon aus, dass Obdulia S. unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stand. Die Behörden sind von einer Frau eingeschaltet worden, die den Unfall live auf Snapchat gesehen und mitgeschnitten hatte. Snapchat-Beitrage löschen sich sonst automatisch, wenige Sekunden nachdem sie gesendet werden.

Familie lässt per Crowdfunding sammeln

Laut einem Bericht der Plattform „Buzzfeed“ hat sich das Video weiter verbreitet. Unter anderem wurde es auf Facebook und Youtube hochgeladen. Allein auf Facebook soll das Video mehr als 700.000 Mal angesehen worden sein. Mittlerweile hat das soziale Netzwerk das Video gelöscht.

Die Polizei hat mittlerweile ein Ermittlungsverfahren wegen Totschlags gegen Obdulia S.eingeleitet. Ihr Vater Nicandro nimmt seine Tochter in Schutz: „Es war ein Unfall. Es ist passiert, wer weiss schon warum?“.

Von den Möglichkeiten des Internets hat die Familie trotz des veröffentlichten Videos offenbar nicht genug. Per Crowdfunding-Kampagne wird für die Beerdigung der 14-jährigen Jacqueline gesammelt. Mehr als 6000 Dollar sind dabei bislang zusammengekommen (Stand Dienstag, 11 Uhr).

Erst vor wenigen Wochen hatte das Unfallvideo zweier Ukrainerin weltweit für Aufsehen gesorgt. Die 16-Jährige Beifahrerin hatte den tödlichen Crash live bei Instagram gestreamt.

Von Dierk Sindermann/RND/zys